Minestrone mal anders – als japanisch inspirierte Ramen-Suppe. Mit weichem Ei, ma certo!
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin-KreuzbergGlobal betrachtet ist die italienische Küche wohl die erfolgreichste. Noch in den 1930er-Jahren (so erzählte mir ein Ethnologe, der die Geschichte der Esskulturen erforscht) konnte man in Paris nirgends Ravioli oder Saltimbocca essen. Heute dürfte es schwer sein, eine größere Stadt auf diesem Planeten zu finden, die kein italienisches Restaurant hat.

Trotzdem, und hier komme ich zu meinem Punkt, ist es nicht so einfach, in Berlin rundum zufrieden und glücklich vom Italiener nach Hause zu kommen. Natürlich haben wir unzählige italienische Restaurants in allen Preisklassen. Und doch hätte ich Probleme, eines zu nennen, das ich kritischen Freunden ohne jede Einschränkung empfehlen könnte.

Daher werde ich immer hellhörig, wenn irgendwo ein neuer Italiener eröffnet. In Kreuzberg, nahe des Görlitzer Parks, gibt es seit Januar ein Restaurant, das Zum Heiligen Teufel heißt. Geführt wird es von Antonio Di Santo and Nicolas Avolos. In ihrer Website-Biografie schreiben sie, dass sie von klein auf ihren Eltern und Großeltern in die Töpfe geschaut hätten. Ein neuer Versuch also, eine Küche zu finden, die das Wissen um die eigene Kochtradition und die Suche nach bestmöglichen Produkten mit dem Wunsch vereint, die Tradition etwas in Richtung Moderne zu verschieben. Das alles macht für mich – zusammen mit einem schönen Ort und einem herzlichen Service – ein zeitgemäßes italienisches Restaurant aus.

Bei den Preisen ist dieser Teufel wirklich heilig: Sie sind mehr als fair

Höchst sympathisch ist mir schon mal, mit wie viel Engagement die beiden ihr Restaurant betreiben. Ihr kleines Lokal hat eine klare Optik mit viel Holz, ohne übertrieben designt zu sein. Man fühlt sich auf Anhieb wohl. Der„ Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch schmückt als Bild die Karte.

Die sechs, sieben Tische sind bei unserem Eintreffen nicht alle besetzt, trotzdem haben die beiden Inhaber Mühe, mit dem Service hinterherzukommen - sie sind halt eine Zwei-Mann-Show. Nicolas, der Gastgeber, macht mit viel Charme wett, dass selbst der Brotkorb mit kross gebackenem Sauerteigbrot von Kultbäcker Sironi samt Fassbutter und Olivenöl seine Zeit braucht. Der Hauswein für zwei Euro für 0,1 ml von der Weißweinrebe Passerina ist nicht nur phänomenal günstig, sondern auch gut.

Überhaupt sind die Preise mehr als fair. Das 3-Gang-Menü kostet mittags 12 Euro mit Pasta und 16 Euro mit Fleisch, abends 18 bzw. 26 Euro.

Minestrone-Gemüse, Tagliolini plus Miso und Wasabi: Die Fusion klappt gut

Am Abend unseres Besuchs steht Antonio Di Santo als Chef in der Küche. Seine Insalata Mista verspricht schon mal, dass hier keine Halbheiten rausgeschickt werden: Man freut sich über zarte, nicht verklebte Salatblättchen mit etwas Rohkost und vor allem einem tollen Estragon-Dressing.

Erinnerungswürdig ist die Minestrone, weil sie hier vollkommen neu interpretiert wird – als japanisch inspirierte Ramen-Suppe. Die typischen Minestrone-Aromen von Wurzelgemüsen und Kohl sind als Einlage kleinstgehackt, eine kräftige, mit Miso versetzte Gemüsebrühe wird am Platz aufgegossen, statt der gelblichen Ramennudeln gibt es italienische Tagliolini, also sehr dünne Bandnudeln, dafür aber das obligatorische wachsweiche Ei. Eine gelungene Fusion, zumal der Parmesan vermischt mit Wasabi als salzige, leicht scharfe Paste zum Selbsteinrühren gereicht wird.

Auch die Parmigiana, dieser herrliche Auberginenauflauf, überzeugt, weil er saftig und cremig zugleich ist. Ebenso überzeugend die Strozzapreti-Nudeln mit Garnelen, in deren lang geköcheltem Sugo sich Fisch und Tomaten aromatisch verbunden haben. Nicht so gelungen ist der Thunfisch, hier im Tempurateig frittiert. Er ist zwar schön heiß, nicht zu fettig und innen saftig, doch fehlt dem Gericht eine übergeordnete Idee. Der Kartoffelbrei allein tut es nicht.

Dennoch: Zum Heiligen Teufel kommt meiner Vorstellung von einem empfehlenswerten Italiener sehr nahe. Auch bewundere ich Gastronomen wie diese beiden, die mit sehr viel Arbeit und wohl bescheidenem Verdienst die Welt (und vor allem Berlin) mit ihrer Küche zum besseren Ort machen wollen.

Zum Heiligen Teufel, Lübbener Str. 23, Kreuzberg. Geöffnet Mo-Fr 11 bis 22 Uhr. Kleinigkeiten und Pasta 4-12 Euro. Fleisch/Fisch 16 Euro, Dessert 4-6 Euro.