Das Pappbett lässt sich auf- und zuschieben wie eine Zieharmonika.
Foto: Room in a Box

So ein Umzug ist an sich ja eher unschön. Aber nicht nur die rasende Gentrifizierung der Innenstädte, auch die zunehmende Forderung nach allzeitiger Flexibilität in Sachen Job- und Wohnungswechsel macht die Idee von zusammenfaltbaren Möbeln charmant.

Schränke, Tische, Hocker, sogar Sessel gibt es schon seit einer Weile aus Pappe. Die ist leicht transportabel, zusammenklappbar und, wenn mit statischem Sachverstand verarbeitet, recht stabil. Einem ausgekippten Glas Wasser halten solche Wohnkisten allemal stand.

Schlicht und unberührt von Designerfirlefanz sehen sie aus, gemäß dem schon 1852 formulierten Motto „form follows function“ – wobei damals repräsentativer Zierrat durchaus noch als „function“ durchging. Für das durchkapitalisierte Nomadenleben reicht der heutige normierte Standard, wie er etwa von preisgünstigen Hotelketten gepflegt wird, völlig aus.

Mehr noch: Je unpersönlicher die Einrichtung einer temporären Unterkunft ist, desto weniger nervt sie. Was gibt es Schöneres als puristisch weiße Bettwäsche? Die perfekte Gestaltung erfüllt alle elementaren Bedürfnisse, ohne mit aufdringlichem Stilwillen in Erscheinung zu treten. Es gilt: Stil haben wir selbst.

Jetzt gibt es also auch das praktische Bett zum Mitnehmen. Es ist aus Wellpappe und kostet 108 Euro netto in der Größe 200 x 140 x 40 cm. Das Pappbett lässt sich auf- und zuschieben wie eine Ziehharmonika, zusammengefaltet als Sockel (für die Matratze) an die Wand schieben, beim nächsten Arbeitsort-, Studienplatz- oder auch Freundinnenwechsel flott in eine Kiste packen und an die nächste Wohnadresse verschicken.

Ein weiterer Nomadenvorteil solcher To-go-Möbel ist ja nicht nur, dass sie materiell zu 100 Prozent abbaubar sind; man kann sich auch ohne emotionalen Rückstand von den anonymen Pappkisten trennen. Zugegeben, mit seinen 17 Kilo Gewicht ist das Klappbett nicht ganz so handlich wie Couchsurfen bei Freunden, denn eine Matratze braucht man ja auch noch zum Drauflegen. Aber egal: Mit der Schlafstatt aus 85 Prozent recycelten Rohstoffen hat „Room in a Box“ gerade durch Publikumsvoting in sozialen Medien den Berliner Crowdfunding-Preis der Landesinitiative Projekt Zukunft gewonnen.

Dafür gibt es 5000 Euro von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung. Platz zwei belegten Paprcuts.de, die – wer braucht heute noch Bargeld? – dünne Portemonnaies aus reiß- und wasserfestem Papier herstellen. Den dritten Preis erhielten Jyoti-Fair Works zugesprochen, ein deutsch-indisches Unternehmen, das mit fair gehandelten Baumwolltaschen und nachhaltig knuddeligen Stofftieren die Ausbildung indischer Arbeiterinnen fördert und für deren Rechte eintritt. Soviel globaler Gemeinschaftssinn lässt uns wirklich ruhiger schlafen. Gern auch auf Pappe.

Mehr Design-Projekte unter: www.crowdfunding-berlin.com.