Berlin - Als im letzten Jahr eine neuerliche +J-Kollektion angekündigt wurde, schrillte bei der Fashion-Community der Alarm. Denn nachdem Jil Sander zwischen 2009 und 2011 für drei Kollektionen mit dem japanischen Fast-Fashion-Konzern Uniqlo kollaboriert hatte, war die Zusammenarbeit recht schnell wieder beendet worden. Weshalb genau, blieb ein Geheimnis. Aber keiner glaubte so recht daran, dass diese Zusammenarbeit eine Fortsetzung erfahren würde.

Nun wissen wir: Sie lag tatsächlich nur auf Eis. Und so schnell, wie sich die +J-Herbstkollektion 2020 weltweit verkaufte, dürften auch die aktuellen Entwürfe flugs ihren Weg in die Einkaufskörbe finden. Wenn auch überwiegend in die elektronischen. Fest steht: Am 25. März, also am Donnerstag, startet der Verkauf der fünften +J-Edition in Deutschland. Nach derzeitigem Erkenntnisstand sowohl im Onlineshop von Uniqlo als auch mit Voranmeldung in Uniqlo-Stores via „Click & Meet“.

Riskieren wir also schon mal einen Blick auf das Angebot. Und sieh an, verlässlich wie Frau Sander nun mal ist, findet sich auch diesmal in ihren resolut geradlinigen Entwürfen alles wieder, was zeitgemäße Kleidung braucht: Dynamik in Schnitt wie Materialität, dazu eine post-avantgardistische Haltung, die gänzlich unaufgeregt bleibt und mit Timeless-Essential-Qualitäten modische Revolutionen durch die Hintertür anzettelt. „Die Ausgangsidee war Souveränität“, so beschreibt Sander die +J-Linie für den Frühling. „Ich dachte an die klare Vision, die mit Neubeginn und Regeneration einhergeht.“

Na, das passt ja. Das ist ganz unironisch gemeint, denn: Wo sonst kann man der aktuellen pandemisch-misanthropischen Starre etwas entgegenhalten als im Mikroumfeld des eigenen Körpers? Wie man weiß, sind der Sander'schen Mode-DNA ein Gefühl von Freiheit, Bewegungsspielraum und Sportlichkeit von jeher eingeschrieben. Genau das ist es, was Mode momentan liefern muss.

Also sollte es auch diesmal das Ziel sein, so hurtig wie möglich zum Verkaufsstart online zu sein, um sich die begehrten Stücke zu sichern. Die Kollektion besteht aus 37 Teilen für Frauen und 25 für Männer. Darunter Jacken, leichte Mäntel, Kleider, Hemden und T-Shirts. Die Preise – von 15 Euro für ein T-Shirt (bei dem, Heureka, der Halsausschnitt wirklich stimmt) über den Blazer für 180 Euro bis zum Übergangsparka für 120 Euro – bewegen sich wieder in einem Bereich, der durchaus leistbar ist. Dass die Designerin keine qualitativ minderwertigen Materialien duldet, davon ist auszugehen. So dürften wohlklingende „Supima-Baumwolle“ oder „Techno-Seide“ in diesem Fall wirklich halten, was ihre Bezeichnungen versprechen: Qualität.

Die aktuelle Kampagne wurde übrigens wieder von David Sims fotografiert. Der Brite verstand es erneut, mittels seiner Models jene zeitgenössische Sprezzatura abzubilden, die das eigentliche Markenzeichen von Jil Sander ist. Ihr gilt es an dieser Stelle auch nochmal extra zu huldigen, denn als eine der wenigen Frauen im knallharten Fashion-Business hat die 77-jährige tatsächlich eine Modeidentität aufgebaut, die in der Ära der Megabrands bis heute eine Rolle spielt. Und gerade weil Frau Sander nicht mehr selbst Unternehmerin ist und sich ganz auf die Kreation konzentrieren kann, sind die +J-Kollektionen von Uniqlo heute womöglich das einzige Angebot auf dem modischen Weltmarkt, das von A bis P stimmt. A wie Allure, P wie Preis.

Und noch eine Sache ist gewiss: Man könnte mit einem Mantel oder einem Hemd der +J-Kollektion sorglos in jede Zeitmaschine steigen. Denn ob Vergangenheit, Zukunft oder nur moderat erfreuliche Gegenwart: In Jil Sanders Entwürfen ist man immer gut angezogen.