Berlin - Während im Ostteil Berlins die Architekten der 50er-Jahre auf der heutigen Karl-Marx-Allee noch ein Auge zurück auf Schinkel warfen und am sozialistischen Klassizismus arbeiteten, wollte man zur selben Zeit im Westen am liebsten gleich die ganze Vergangenheit vergessen. Und völlig frisch beginnen. Dabei hatten beide Politsysteme sehr Ähnliches im Sinn: Die neue Architektur sollte einen neuen Menschen hervorbringen. So richtig hat das weder im Osten noch im Westen geklappt, dennoch: Es ist schön, lehrreich und geradezu anrührend, sich diese idealistischen Versuche in so unidealen Zeiten wie heute genauer anzuschauen.

Für einen atmosphärischen Trip zurück ins West-Berlin der Nachkriegsjahre fährt man am besten über die Clayallee Richtung Südwesten nach Dahlem. Die ehemalige Kronprinzenallee wurde 1949 zu Ehren des US-Militärgouverneurs der Besatzungszone und „Vaters der Luftbrücke“, General Lucius D. Clay, umbenannt. Auf Höhe der Clayallee 135 wähnt man sich gleich in einer anderen Welt – nämlich sobald das ehemalige Kino Outpost auftaucht, das 1953 ausschließlich für das US-Militärpersonal gebaut wurde. Die Eingangsfront mit ihren gerundeten Ecken, Glasbausteinen und der plakativ linearen Leuchtschrift strotzt vor Selbstbewusstsein. Ganz outpost (zu Deutsch Vorposten) Hollywoods in der Frontstadt Berlin. Heute beherbergt der Bau das Alliierten Museum, das die Rolle der Westmächte USA, England und Frankreich zwischen 1945 und 1994 dokumentiert.

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