Für ein Blütenpaar, oder zwei: Die „Heart Break Roundies“ aus Steingut von Jérémy Bellina gibt es in Salbei oder Creme, 140 Euro pro Vase.
Foto: Jérémy Bellina

BerlinBekanntermaßen haben Tüftler ihre besten Ideen in der Garage. Jérémy Bellina wollte zwar weder den PC noch den Dyson-Staubsauger erfinden, als er sich in die Garage seiner Mutter zurückzog. Aber es braucht schon unerschrockenen Gründergeist, um zu beschließen, sich in nur einer Woche das Töpfern beizubringen. Und zwar einzig anhand von YouTube- und Instagram-Videos.

„Ich hatte darüber nachgedacht, einen Workshop zu buchen, aber eine Töpferscheibe kostete genauso viel Geld, also kaufte ich stattdessen die“, sagt Bellina. Am Ende der Woche befand er, dass das Vollbrachte zumindest gut genug sei, um weiterzumachen.

Das war 2018. Heute betreibt Bellina ein eigenes Atelier in Friedrichshain. Was ihm neben einer gewissen Beharrlichkeit und einer ruhigen Hand geholfen hat, die fixe Idee vom Töpfern in eine ernsthafte Betätigung umzusetzen: „Ich glaube, Sachen auszuprobieren, auch wenn sie nicht sofort funktionieren, hat mich weiter gebracht als irgendein Talent“, erklärt er. „Und die Erfahrung: Wenn etwas einmal glückt, dann glückt es auch beim nächsten Mal.“

Aus Bellina spricht die Gelassenheit von einem, der einen Beruf für eine Berufung eintauschte: Der 31-jährige Franzose hatte im Supply Chain Management, kurz Logistik, gearbeitet und war nach diversen europäischen Stationen seiner Partnerin nach Berlin gefolgt. „Die Arbeit langweilte mich, und ich suchte etwas, das mich kreativ herausforderte. Ich wollte etwas mit eigenen Händen schaffen, das ich im Alltag gebrauchen würde. So kam ich auf Keramik.“

Wie Alessandro Micheles jüngerer Bruder: Jérémy Bellina am Fenster seines Ateliers im Berliner Stadtteil Friedrichshain.
Foto: Frank R. Schröder

Bald verbrachte er jede freie Minute an der Töpferscheibe. Der Schritt, seinen Brotjob zu kündigen, fiel ihm dennoch nicht leicht. „Es war eine heikle Entscheidung. Aber dann überlegte ich: Man denkt eher daran, wie viel Geld man verdient, und so selten daran, wie viel Zeit man dafür aufwendet. Ich wollte lieber 60 Stunden die Woche mit etwas verbringen, das mich erfüllte.“

Er kalkulierte, dass sein Erspartes für gut zwei Jahre reichen würde. Die sind nun um und siehe da: Jérémy Bellinas Keramik ist in Boutiquen wie Shio Store und in Pop-up-Shops wie Zora Auguste gefragt; dazu fertigt er Aufträge für die Pflegemarke Nalen Ayurveda oder das Café 21 Gramm. Noch mehr als das ermutigt ihn, dass er immer mehr zur eigenen Handschrift findet. „Wie mache ich ein Produkt, das als meines erkennbar ist, ohne fett den Namen draufzuschreiben? Nicht so leicht. Aber ich glaube, mit der ‚Roundies‘-Vase und dem ‚Bird‘-Krug ist es mir gelungen.“

Die genannten Entwürfe wie auch seine Teller, Tassen oder Kerzenständer verbindet nicht nur Bellinas Gespür für geometrische Formen und seine nie versiegende Freude am Experimentieren. So brennt er die im Profil extra fragil wirkenden Roundies-Vasen erst einmal liegend statt gleich stehend, damit der Ton nicht unter dem eigenen Gewicht wegbricht.

Japanisch pur und provenzalisch erdig, das verbindet sich bei den „Sakura Ring Tumblers“, 25 Euro pro Tasse.
Foto: Jérémy Bellina

Seine Kenntnisse und vor allem die Begeisterung für sein Handwerk würde Jérémy Bellina in Zukunft gerne in eigenen Workshops weitergeben. Aktuell ist er daher auf der Suche nach einem größeren Studio. Das kann fast alles sein. Vielleicht sogar eine Garage.

Die Keramik von Jérémy Bellina findet man im Shio Store (Weichselstraße 59), bei Garden State Candles (Pettenkoferstraße 6) und im Dzaino Studio (Heinrich-Heine-Straße 36). Für individuelle Anfertigungen ist er über Instagram erreichbar (@jeremy.bellina), wo man auch das komplette Sortiment sehen kann.


Style-Journalistin Marlene Sørensen auf Instagram:
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