Ramona und Ulrich kommen aus Köln und fahren mit Hund und Wohnmobil ein Jahr lang durch Europa. Seit zwei Monaten sind sie auf Tour und zur Zeit in Skandinavien unterwegs. Für uns hat Ramona aufgeschrieben, wie es zu dieser besonderen Konstellation gekommen ist und wie sich das im Alltag anfühlt: Kein Paar und doch auf engem Raum zusammen. 

„Wie ich Ihrer Frau schon erklärt habe…“, leitet der Verkäufer unseres Wohnmobils seine Erklärung zum Gasanschluss ein und wir nicken beide zustimmend. Inzwischen sind wir es gewohnt, für ein Paar gehalten zu werden und finden es müßig, jeden darüber aufzuklären, dass wir nur Freunde sind.

Seit Jahren Bekannte und plötzlich der gleiche Wunsch: ein Jahr mit Wohnmobil reisen

Das ging übrigens schon vor der Reise los. Erzählten wir unseren Freunden vom Plan, ein Jahr lang mit einem Wohnmobil durch Europa zu reisen, waren sie durchweg begeistert. Dass wir das zusammen machen wollten, war für die meisten jedoch irritierend.

Uli und ich kennen uns zwar schon seit vielen Jahren. Aber wir sind nur locker befreundet. Zuletzt hatten wir uns sogar ganz aus den Augen verloren. Aber als wir uns wieder trafen, stellten wir fest: Wir haben denselben Wunsch. Ein Jahr reisen. Mit dem Wohnmobil. Warum also nicht zusammen? Der Plan stand fest, ein Auto wurde gekauft. 

Vor der großen Reise kam das „Probewochende“ und das war schräg

Bevor die Reise richtig losging, haben wir ein „Probewochenende“ bei Freunden in Holland gemacht. Zuvorderst ging es darum, Verbesserungsmöglichkeiten für unser Wohnmobil auszuloten. Aber natürlich waren auch wir gespannt, ob unsere mutig gewählte Konstellation dem Alltag standhält. Und ja tatsächlich: der erste Tag war schräg... 

Denn es ist ja so: Im Wohnmobil steht man sich eigentlich immer im Weg. Ständig muss man sich aneinander vorbeischieben und kommt sich dabei sehr viel näher als das normalerweise der Fall wäre. Das war seltsam und wir haben es zunächst mit Höflichkeit versucht: „Darf ich mal vorbei bitte?“ „Ja, natürlich, sehr gern.“

Viel Abstand kann man in einem Wohnmobil nicht einhalten

Dann die Toilette. Sie ist sehr hellhörig, da bleiben keine Fragen offen. Das war peinlich. Oder umziehen – zunächst auch ein Krampf, denn im winzig kleinen Badezimmer verletzt man sich nur bei dem Versuch, die Kleidung zu wechseln. Als Uli mir beim ersten Strandbesuch anbot, den Rücken einzucremen, zog ich mein T-Shirt reflexartig wieder an und behauptete, mir sei kalt. Zu viel Intimität. 

Und wie die erste Nacht im Alkoven verlief? Nun ja. Wir lagen zum ersten Mal nebeneinander in einem Bett. Und merkten: Viel Abstand kann man da nicht einhalten. 

Peinlich wurde einfach abgeschafft

Das war der erste Tag. Leicht peinlich, ziemlich krampfig und wir hatten beide einen Sonnenbrand auf dem Rücken. Schon am nächsten Morgen war uns klar, dass wir das so nicht lange durchhalten würden. Dass es so anstrengend werden würde und nicht entspannt. Also haben wir beide den Schalter umgelegt, vorgespult in unserer Freundschaft und beschlossen, dass uns ab jetzt nichts mehr peinlich ist.

Und so ist es seither: die Toilettengeräusche sind Alltag, wir ziehen uns voreinander um und schieben uns gegenseitig zur Seite, wenn wir aneinander vorbei wollen.

Wie ein altes Ehepaar

Überhaupt lernt man den Anderen und seine Macken in einem Mikrokosmos wie unserem extrem schnell kennen. Das Verhältnis muss ausgeglichen sein, es hängt einfach sehr viel davon ab. Und so erkennen wir die Gemütslage des Anderen inzwischen an winzigen Anzeichen und können entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten, wenn die Stimmung droht zu kippen.

Manchmal fällt uns noch auf, dass wir wie ein altes, eingespieltes Ehepaar leben, ohne ein Paar zu sein. Aber seltsam ist das inzwischen nicht mehr. Jedenfalls nicht für uns.