Warten auf ihren Platz im Garten oder Park: junger Blutahorn im SpringRing-System in der Baumschule Lorberg in Tremmen/Havelland.
Foto: Courtesy of H. Lorberg Baumschulerzeugnisse

Berlin/BrandenburgBald neigt sich der Oktober dem Ende zu und es beginnt die Zeit, in der man traditionell Bäume und Sträucher setzt. Auch wenn Gehölze mittlerweile, gerade im Profibereich, ganzjährig gepflanzt werden: Gerade jetzt, wenn die Blätter fallen, werden Fehlstellen im Garten doppelt sichtbar und man macht man sich Gedanken über größere, strukturelle Veränderungen. Doch was tun, wenn an der einen oder anderen Stelle wirklich noch ein Baum oder ein abgrenzendes Stück Hecke fehlt? 

Da der Winter noch vor uns liegt, möchte ich an eine Baumart erinnern, die in der kalten Jahreszeit eine echte Augenfreude ist, nämlich Prunus subhirtella autumnalis. Es gibt weißblühende, aber auch rosafarbene Sorten (durch ein „rosea“ im Namen gekennzeichnet). Beide sind bei uns als „Winterkirsche“ bekannt, während der lateinische Name darauf hinweist, dass sie in ihrer japanischen Heimat schon im Herbst zu blühen beginnen. Hierzulande liegt die Blühzeit von Dezember bis März; meine drei Exemplare etwa begannen im letzten Jahr am 11. Dezember zu blühen. Den ganzen Winter über produzierten sie mal mehr, mal weniger Blüten, bis sie dann im März die Hauptblüte einsetzte und sie wochenlang in weiße Wolken verwandelte. Übrigens: Vor dem Planetarium im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg steht eine ganze Gruppe davon. Es lohnt sich, dort im Dezember vorbeizuschauen!

So verpackt gehen in der Baumschule Lorberg junge Bäume auf die Reise: eine Pinie bereit zum Abtransport an ihrem künftigen Standort.  
Foto: Courtesy of H. Lorberg Baumschulerzeugnisse

Da es verschiedene Arten gibt, wie man Gehölze im Handel erwerben kann, möchte ich sie hier kurz vorstellen. Man unterscheidet zwischen wurzelnackter Ware, Ballenware und Container. Relativ neu dazu gekommen ist das sogenannte SpringRing-System, das ein Hybrid zwischen Container- und Ballenware ist.

Die preisgünstigste Variante ist wurzelnackte Ware. Hier werden die Gehölze mit freiliegenden Wurzeln angeboten, meistens in Bündeln von mehreren einzelnen Pflanzen. Bei größeren Pflanzungen von beispielsweise Buchenhecken oder Rosenbüschen hat das viele Vorteile. Neben dem günstigen Preis  (wenn man 200 Buchenpflanzen setzt, weiß man das zu schätzen) und der einfachen Handhabung spielt auch der ökologische Aspekt eine Rolle, denn es kommen weder Plastiktöpfe noch Torf zum Einsatz. Torfhaltige Erde speichert besonders gut Feuchtigkeit und wird deshalb oft in Töpfen und Containern verwendet. Da Torfanbau jedoch sehr umweltschädlich ist und unsere Moore zusehends verdrängt, halte ich mich beim Einsatz von Torf lieber zurück. 

Antizyklisch: Die Winterkirsche blüht erst bei niedrigen Temperaturen – aber dann sehr instagram-freundlich, gerade im Dezember oder Januar.
Foto: Imago/Blickwinkel

Der Nachteil wurzelnackter Ware ist, dass sie besonders vorsichtig behandelt werden muss, damit die empfindlichen feinen Wurzeln nicht austrocknen oder gar beschädigt werden. Größere Bäume sind als Ballenware am gängigsten. Ab Ende Oktober (je nachdem, wann sie ihr Laub verlieren) hebt sie der Züchter aus der Erde und verpackt ihre Wurzeln in Jute oder ein ähnliches Material, das mit einem Geflecht aus Draht oder Schnüren befestigt wird.

Da die Bäume in den Baumschulen regelmäßig verpflanzt werden, bilden sie kompakte und dichte Wurzelballen aus. Die Gefahr, dass diese beim Herausheben aus der Erde zu stark beschädigt werden, ist daher nicht besonders groß. So können auch höhere Bäume unkompliziert umgesetzt werden. Ballenware kann man, solange der Boden frostfrei bleibt, den ganzen Winter hindurch pflanzen. Es empfiehlt sich, dies aber vor Weihnachten zu tun, denn bis dahin ist der Boden noch einigermaßen angewärmt und die Ballen können noch neue Feinwurzeln bilden. So richtig kalt wird es bei uns in Brandenburg – wenn überhaupt – ja immer erst ab Januar. 

Verzögerungen können bei der Pflanzung von Ballenware im Garten unangenehme Konsequenzen haben. Eines meiner Projekte ist mir in der Beziehung in Erinnerung geblieben: Dafür hatte ich Himalaya-Birken (das sind die mit den reinweißen Stämmen) rechtzeitig bestellt und bezahlt. Die Bäume konnten aber bis März nicht geliefert werden, da andere Arbeiten im Garten noch nicht fertig waren. Wegen der milden Witterung begannen die Birken dann noch in der Baumschule auszutreiben – weshalb sie den Sommer über dort verbleiben mussten. Bis die Bäume im nächsten November dann endlich gesetzt werden konnten, zahlten die Bauherren zusätzlich für die Pflege. Wären die Birken im Container gewachsen, hätten wir sie den ganzen Sommer hindurch setzen können, da die Wurzeln bei der Container-Pflanzung nicht verletzt werden. (Allerdings wäre der Pflegeaufwand, insbesondere in puncto Wässerung, für die Baumschule dann auch höher gewesen.) 

Baumumzug braucht schweres Gerät: Hier wird der Wurzelballen einer Pyramiden-Hainbuche aus der Erde gestanzt, um verpflanzt zu werden.
Foto: Courtesy of H. Lorberg Baumschulerzeugnisse

„Container“ nennt man Pflanzen in Töpfen. Sie haben den bereits genannten Vorteil, dass sie das ganze Jahr über gepflanzt werden können. (Wie gesagt: Für die anderen Varianten gilt, dass eine solide Baumschule sie nur liefert, solange die Gehölze keine Blätter tragen, also noch nicht austreiben.) Containerpflanzen sind aber nicht nur deutlich teurer, sie haben auch den Nachteil, dass die Wurzeln gerne ringartig von innen entlang des Topfes wachsen und kein stabiles zentrales Wurzelsystem ausbilden. 

Genau hier kommt die Methode des SpringRing-Systems ins Spiel, denn sie umgeht dieses Problem. Dabei wachsen die Pflanzen in einem mit Erde gefüllten Ring, der viele kleine Löcher hat. Sobald die Feinwurzeln am Ende der Löcher mit Luft in Berührung kommen, hören sie auf zu wachsen und bilden stattdessen von innen heraus, also vom Stamm weg, neue Wurzeln. So züchtet man bei Gehölzen einen stabilen, dichten Wurzelballen und kann das ganze Jahr pflanzen. Denn bei Bäumen und Sträuchern ist es wie bei uns Menschen: Wer solide Wurzeln hat, übersteht Transformationen wie Ortswechsel besser und gedeiht auch am neuen Standort.