Berlin/UckermarkHeute möchte ich mit einer kleinen Anekdote über Isabella Rossellini beginnen. Ihre Mutter, die schwedische Filmdiva Ingrid Bergman, war für Pragmatismus in allen Lebenslagen bekannt. Ihren vier Kindern brachte sie Werte wie Fleiß und Bescheidenheit bei – eine gewisse Bodenständigkeit sollte sie davor bewahren, in der Glamour-Blase Hollywoods den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Jedenfalls besuchte die noch junge Isabella Rossellini einmal die Oscar-Verleihung, wo ein Fahrstuhl sie in die oberen Stockwerke des Gebäudes brachte. Auf dem Weg dahin stoppte der Lift. Die Tür öffnete sich und Audrey Hepburn − Inbegriff von Anmut und Eleganz − stieg zu. Sofort senkte Rossellini den Blick, so wie sie es von ihrer Mutter gelernt hatte. Diese hatte ihr immer eingetrichtert: Nichts hassen berühmte Leute mehr, als angestarrt zu werden.

Foto: Rainer Elstermann
Aufhängen und vom Frühling träumen: Über so einen diskreten Unterschlupf für Meisen, Rotkehlchen oder Zaunkönig freuen sich Gartenbesitzer.

So fuhren sie also weiter nach oben, und während Isabella Rossellini nach unten sah, wanderte ihr Blick über den kostbaren Stoff der Givenchy-Robe von Hepburn zu deren Händen. Und siehe da, die Nagelhaut an den Fingern der lebenden Legende wies kleine schwarze Risse auf. Rossellini wusste sofort Bescheid: Das waren Spuren von Gartenarbeit. Ah, freute sie sich, die Hepburn ist eine von uns. Eine Gärtnerin aus Leidenschaft, die ihre davon gezeichneten Hände mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu den Academy Awards trug wie das extravagante Couture-Kleid.

Die lädierten Fingerkuppen waren in jenem Moment für die junge Rossellini ein vertrauenerweckender Anblick. Aber ich habe es selbst schon oft erlebt, dass etwa bei einem Essen die Blicke der Gäste an meinen Fingern hängen blieben. Statt an Gartenarbeit zu denken, hegten sie womöglich eher Zweifel an meiner Handhygiene, die ja nicht nur in der aktuellen Situation so wichtig ist.

Foto: Rainer Elstermann
Kleiner Allrounder: Mit der geschmiedeten Minischere von Clauberg & Filhos stutzt unser Gartenprofi bis zu 1,5 cm dicke Äste.

Deshalb lautet eins meiner Motti: Gartenhandschuhe sind unverzichtbar. Für den täglichen Umgang mit Stauden setze ich auf dünne Exemplare aus Kautschuk und Baumwolle, da ich dadurch einen sicheren Griff habe. Der Kampf gegen schmutzige Hände endent nie, denn nichts lässt sich so schwer entfernen wie Erde von Fingern. Von den unzähligen Werkzeugen und Zubehörteilen, die man fürs Gärtnern kaufen kann, haben sich für mich neben den Handschuhen nur wenige Dinge wirklich bewährt. Manche davon sind bei mir im Dauereinsatz. Ich will sie im Folgenden einmal aufzählen, denn sie machen sich auch als Weihnachtsgeschenke gut, die Fürsorge mit praktischer Vernunft verbinden.

Dabei weiß man wenigstens, dass sie tatsächlich zum Einsatz kommen; außerdem empfehle ich nur, was ich selbst benutze (auch Profigärtner lieben alles, was ihnen die Arbeit erleichtert). Einiges löst womöglich ein gärtnerisches Problem, das der Beschenkte schon länger vor sich herschob. Anderes macht Routinearbeiten zum Erfolgserlebnis − ein in diesen eher betrüblichen Zeiten nicht zu unterschätzender Effekt.

Ganz oben auf der Liste der nützlichen Dinge stehen bei mir japanische Pflanzenhacken. Alles Japanische hat sich bei mir im Garten gut bewährt, denn es ist immer durchdacht und innovativ. Ich denke, das liegt vor allem am besonderen Verhältnis der japanischen Kultur zur Natur. Die Hacken habe ich täglich in der Hand, denn sie lassen sich bei fast jeder Tätigkeit einsetzen: Boden lockern, Löcher für Stauden graben, Wurzelballen teilen, Zwiebeln setzen und so weiter. Ähnlich lässt sich das japanische Pflanzmesser von Manufactum nutzen. Vor allem für kleinere Arbeiten, etwa im Hochbeet, ist es ideal. Es gibt die Messer mit breiter und mit schmaler Klinge; ich benutze hauptsächlich Letztere, denn die schmale Klinge ist länger und hat beim Einsatz die bessere Hebelwirkung.

Auch bei den Gartenscheren vertraue ich auf die japanischen Modelle, besonders auf die aus Kohlenstoffstahl von der Firma Harima. Eine weitere, ungemein praktische Schere von Clauberg & Filhos wurde mir von einer Mitarbeiterin des Manufactum-Shops in der Königlichen Gartenakademie empfohlen: Winzig wie sie ist, passt sie in jede Hosentasche und schneidet sogar bis zu 1,5 Zentimeter dicke Äste.

Foto: Rainer Elstermann
Staudenhalter helfen, üppig Blühendes beisammen zu halten. Aus Eiche und Manilarohr, in drei Höhen erhältlich bei Hansch Holzobjekte. 

Generell empfehlen sich für alle Tätigkeiten auf der Erde Knieschoner oder ein Kniekissen. Wer mit den Knieschonern nicht zurechtkommt (bei mir verrutschen immer die Haltebänder), für den ist ein schön festes Kissen das richtige Utensil. Zu den praktischen Geschenken, die aber auch viel Freude machen, zählen dekorativ geflochtene Nistgehäuse. Schon lange bevor die Vögel sie nutzen, hänge ich sie an die kahlen Winterbäume, wo sie dann lustig im Herbstwind baumeln. Auch die Staudenhalter aus Eichenholz und Manilarohr von Hansch Holzobjekte verbinden Nutzen mit ästhetischem Anspruch. Wie alle Pflanzdinge aus Naturmaterialien verwittern sie attraktiv und fügen sich gut in die Umgebung, während ihr Plastikpendant mit der Zeit immer unansehnlicher wird. Hinter dem Hersteller verbirgt sich übrigens die Ein-Frau-Manufaktur von Monique Heigel, die im brandenburgischen Fürstenwerder eine Werkstatt mit Shop betreibt, wo man auch bestellen kann.

Mit den hölzernen Staudenhaltern stütze ich hohe Spätsommer- und Herbststauden, die sonst in der Blütezeit auseinanderfallen. Besonders natürlich sieht das Ergebnis aus, wenn man die Stangenringe schon früh im Jahr einpflockt und die Stauden dann hineinwachsen lässt. Die Halter sind so schön, dass ich sie als Objekt auch im Winter gerne im Garten sehe. Denn: In der Zeit der größten Untätigkeit freuen wir uns an allen Dingen, die das kommende Gartenjahr ankündigen. Ich weiß auch schon, welche Freundin sie unterm Weihnachtsbaum finden wird.


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