Status Update: Louis Vuitton zeigt neue Kollektion in Paris 

Gestern zeigte Louis Vuitton eine neue Kollektion in Paris. Nun wird KidSuper-Designer Colm Dillane als heißer Nachfolgekandidat von Virgil Abloh gehandelt.

Gestern auf der Louis-Vuitton-Show in Paris: Entwürfe, die unter der kreativen Leitung von Colm Dillane entstanden sind.
Gestern auf der Louis-Vuitton-Show in Paris: Entwürfe, die unter der kreativen Leitung von Colm Dillane entstanden sind.Ludwig BONNET-JAVA

Wer braucht einen neuen Kreativdirektor, wenn man gleich ein ganzes Power-Kollektiv für den Job anheuern kann? So scheint zumindest die Logik des französischen Modehauses Louis Vuitton, das mehr als ein Jahr nach dem Tod von Virgil Abloh immer noch ohne kreative Spitze dasteht. An der Konzeption der neuen Männer-Herbst-Winter-Kollektion war neben dem Designstudio des Luxuslabels ein sechsköpfiges Team aus Gasttalenten beteiligt: Die Filmemacher Michel und Olivier Gondry, die spanische Sängerin Rosalia, der neue Off-White-Designer Ibrahim „Ib“ Kamara, die Regisseurin Lina Kutsovskaya und der neue Modeliebling und Gründer des Labels KidSuper, Colm Dillane.

Zusammen sorgten sie für eine Performance, die es in sich hatte. Auf dem Laufsteg im Cour Carrée du Louvre waren dekonstruierte Häuserelemente und unzählige Requisiten aufgebaut, die an ein großes Filmset erinnerten. Elektrische Spielzeugautos fuhren auf einer Carrerabahn ihre Runden, ein alter Fernseher flimmerte und überall lagen Plüschtiere, die von den Models auf ihrem Weg durch die Kulissen von einer Ecke zur nächsten geräumt wurden. Musikalisch begleitet wurde die Show von Sängerin Rosalia, die auf dem Dach eines umgebauten gelben Cadillac-Oldtimers performte und das Publikum aufheizte.

Das Set der Louis-Vuitton-Show gleicht einer Theaterkulisse.
Das Set der Louis-Vuitton-Show gleicht einer Theaterkulisse.Louis Vuitton

Modisch gesehen ging es ähnlich originell zu. So trägt der Louis-Vuitton-Mann im nächsten Winter mit bunten Früchten bedruckte XXL-Mäntel, übertrieben weite Paperbag-Hosen, Ledersturmhauben und Jacketts, die mit großen Ärmelstücken in der Taille oder um die Schultern zusammengebunden werden. Am Ende der Show kam das ganze, rund 30-köpfige Designteam auf die Bühne und ließ sich feiern.

Seit Virgil Abloh sind die Shows des französischen Modehauses längst mehr als klassische Modenschauen – und diese Tradition setzt man nun auch nach seinem Tod weiter fort: Tanzeinlagen, Live-Orchester, Marschkapellen und Rapper-Auftritte. An kreativen Ideen mangelt es auch heute nicht. Nur ein offizieller Nachfolger des verstorbenen Kreativdirektors ist noch immer nicht in Sicht.

Dabei machten viele Namen bereits die Runde. Darunter der Amerikaner und CFDA-Fashion-Awards-Gewinner Telfar Clemens und die Londoner Designerin Grace Wales Bonner. Besonders hoch im Kurs stand bis vor kurzem noch die Designerin Martine Rose. Der Name der Anglo-Jamaikanerin war bis dato nur Insidern bekannt, doch als der CEO von Louis Vuitton, Michael Burke, zu ihrer letzten Modenschau nach London kam, wurde allseits gemunkelt, die 41-Jährige könne in Ablohs Fußstapfen treten.

Nun gehen die Spekulationen weiter: Wird das ungewöhnliche Kollektiv der aktuellen Show noch weitere Kollektionen entwerfen? Könnte Colm Dillane vielleicht sogar zu Ablohs offiziellem Nachfolger ernannt werden? Immerhin gehörte seine KidSuper-Show im Casino de Paris zu den heiß gehandelten Tickets der Pariser Männermodewoche. 2022 gewann er außerdem im Rahmen des LVMH-Preises den Karl-Lagerfeld-Preis und gehört seither zur Riege der angesagten Top-Designer.

Auch Michael Burke lobte den New Yorker Designer in den höchsten Tönen. „Er ist eine ganz eigene Persönlichkeit, er hat seine eigene Vision und ist sehr, sehr mutig“, schwärmte der CEO von Louis Vuitton in einem Gespräch mit dem Branchenmagazin Women’s Wear Daily. Auf die Frage, ob er als Nachfolger für Abloh in Frage käme, blieb er jedoch vage: „Ich denke, es ist noch ein bisschen früh“, sagte er. Auf dass die Gerüchteküche weiter brodele!