Schmaus für zuhaus‘ – ein mobiles Menu aus dem Pappa e Ciccia.
Volkmar Otto

BerlinEin paar Wochen vor der Ausgangssperre, als Corona noch nicht bei uns angekommen war, hat mein Mann eine Diät begonnen. Natürlich ist das seine Sache, er ist ein erwachsener Mensch. Doch es ist ein Irrglaube, dass in einem gemeinsamen Haushalt die Diät eines Partners spurlos an dem anderen vorbeigeht. Das fing schon damit an, dass mein Mann erstmals als mein Restaurantbegleiter ausfiel, was ich sehr bedauerte. Auch finde ich den Geruch und Anblick von gedünsteten Brokkoli an blanker Hühnerbrust auf Dauer nicht sonderlich erbaulich.

Innerlich hatte ich mich also bereits auf ein paar spaßbefreite Wochen eingestellt – dann kam das Virus. Die Ironie in unserem Fall: Dank Corona sind bei mir, was das Essen betrifft, wieder deutlich bessere Zeiten angebrochen. Denn Pandemie-Einschränkungen und Diät hält kein Mensch zeitgleich durch. Das musste auch mein Mann einsehen.

Sich und anderen etwas Gutes zu gönnen, ist gerade jetzt wichtiger denn je. Schon die trübe Grundstimmung verlangt nach Aufhellung. Ich liebe die Gastronomen unserer Stadt dafür, dass sie diese Aufgabe trotz geschlossener Lokale und Auflagen nach wie vor sehr ernst nehmen.

Essen erdet, besonders das italienische

Es gibt gerade so viele tolle Angebote, am liebsten würde ich mich die ganze Zeit durch alles probieren. Wie eine Kollegin, die letztens ihren Corona-Tagesplan twitterte: 7 Uhr Frühstück, 7:15 Frühstücks-Dessert, 8:30 Panik-Snack, 9:45 Schokolade... Sie ahnen es: Ihr Tag endet um 22 Uhr mit Eiscreme im Bett.

Gutes Essen beruhigt. Es erdet und schenkt Freude, weshalb ich Ideen wie „Fuh Kin Great“, den neuen Soulfood-Bringdienst von Sternekoch Tim Raue, großartig finde. Oder die Idee hinter Pars Pralinen - ziemlich einzigartige Kreationen von der Chocolatière und Künstlerin Kristiane Kegelmann, die man während der Corona-Krise samt Grußkarte (und ganz ohne Zusatzkosten) an seine Lieben versenden lassen kann.

Diese Woche habe ich mich für ein Restaurant entschieden, das mir sehr am Herzen liegt. Normalerweise ist es unter dem Namen „Pappa e Ciccia“ bekannt, derzeit jedoch in „Lasagneria Club“ umbenannt. Gleich am Tag der Umbenennungs-Premiere habe ich mir dort eine wunderbare Burrata mit etwas konfierten Cocktailtomaten und Rucola, dazu eine Lasagne sowie ein Mascarpone-reiches Tiramisu abgeholt.

Einfach umbenannt: Das Papa e Ciccia heißt zurzeit „Lasagneria Club".
Tina Hüttl

Meine Stimmung hellte sich sofort auf, als ich die hübsch in Papier eingeschlagenen und in Pappschachteln verpackten Leckerbissen entgegennahm. Auch wenn es etwas seltsam war, von der Chefin selbst bedient zu werden, die hinter einer selbstgebauten Glaswand ähnlich einer Bankfiliale in ihrem Restaurant stand. Ich kenne sie schon lange. Um ganz genau zu sein: Bis vor zwei Jahren habe ich über dem Pappa e Ciccia gewohnt und sie fast täglich gesehen.

Gerne hätte ich sie jetzt umarmt. Ihre Sorgen, ob und wann ihr Laden  wieder voll sein wird, sind ihr anzusehen. Sie rechnet damit, noch einige Monate hinter Glas zu stehen und die von ihrem Koch frisch zubereiteten Lasagnen, Burrata, Parmigiana und Tiramisu auszugeben. Ein Gastronom ohne Gastraum und Gastkontakt ist wie ein Fisch ohne Wasser. Doch sie macht das Beste aus der grimmigen Zeit, renoviert zeitgleich Teile des Ladens. Er soll noch schöner werden.

Als das Pappa e Ciccia vor mehr als einem Jahrzehnt in Prenzlauer Berg öffnete, war es eines der ersten modernen italienischen Restaurants –mit Showküche, farbiger Kunst an den Wänden und sehr früh auch Fisch, Fleisch und Gemüse in Bio-Qualität. Jürgen Vogel, Clemens Schick, Heike Makatsch, Tom Tykwer - hier kann man sie normalerweise alle sitzen sehen, ohne dass der Laden deswegen exklusiv erscheint.

Nicole Schumann, die Chefin des Pappa e Ciccia.
Volkmar Otto

Warum ich bisher nicht über dieses Restaurant geschrieben habe? Sagen wir es so: Ein Hund pinkelt auch nicht gerne in den eigenen Vorgarten.

Nach der Krise: ein paar Kilos mehr

Bei der Lasagne jedenfalls, die ich mir zu Hause wie ein Geschenk auspacke und nochmal fünf Minuten in den Ofen schiebe, gefällt mir der kreative Umgang mit einem Klassiker. Statt mit dem bekannten Ragù (eine Version, die es ebenfalls zum Mitnehmen gibt) sind abwechselnd Pesto, gehackte Haselnüsse, Kartoffeln, Béchamel und Mozzarella geschichtet, ohne dass es trocken würde. Und das Tiramisu esse ich gleich aus der Pappschachtel, weil ich nach dem Probierlöffel nicht mehr aufhören kann.

Nun gut, ich schätze mein Mann und ich werde (wie wahrscheinlich viele in dieser Zeit, wage ich mal zu prophezeien) ein paar Kilos zunehmen. Immerhin können wir uns damit trösten: Wir haben es auch für unsere Gastronomie getan!


Im Pappa e Ciccia kosten die verschiedenen Lasagnen zwischen 8-9, die Parmigiana/Burrata 7 Euro. Das Tiramisu ist für 5 Euro zu haben.