Das speiste die Autorin: „Ceviche von der Gelbschwanzmakrele“ im The Catch.
Foto: BLZ/Markus Wächter 

Berlin-CharlottenburgEine bekannte US-Gastrokritikerin, habe ich gehört, isst mindestens viermal in einem Restaurant, bevor sie darüber schreibt. Nicht nur wegen des Budgets klingt das für mich utopisch. Meist schaffe ich es schon rein zeitlich nur ein einziges Mal. Und doch: Während ich dies schreibe, habe ich gerade mein zweites Testessen im The Catch hinter mir, einem noch recht jungen japanischen Restaurant in Charlottenburg. „Izakaya“ nennen die Betreiber es selbst, übersetzt heißt das Wirtshaus.

Mein erster Besuch im August war – ich kann es nicht anders beschreiben – katastrophal. Umso netter las sich die E-Mail, die mir der Geschäftsführer des The Catch anschließend schrieb. Denn meine Begleitung hatte sich nach dem Abend bei ihm beschwert. Wir hatten mehrmals bis zu einer Dreiviertelstunde ausgeharrt, bis wieder mal eine Sushi-Rolle, etwas Tempura oder ein Drink gebracht wurde. In seiner Mail entschuldigte sich der Geschäftsführer dafür, dass sein Team „keinen guten (oder zumindest anständigen) Service“ gezeigt und dazu auch „das Essen nicht gut geschmeckt“ habe. Er lade zu einem kostenlosen erneuten Besuch ein.

Ich finde, jeder verdient eine zweite Chance. Da ich grundsätzlich anonym teste, bin ich auf eigene Rechnung noch einmal hingegangen. Diesmal zur Mittagszeit.

Ein grundsätzliches Problem des Lokals ist wohl, dass es vom ersten Tag an schlichtweg hervorragend lief. Ohne dass der Service professionell geschult und für den abendlichen Ansturm genug eingespielt gewesen war. Im kaufkräftigen Westen der Stadt wartet man als Anwohner sehnsüchtig auf zeitgemäße Esskonzepte, wie sie in Mitte oder Neukölln inflationär zu finden sind. The Catch erfüllt diese Sehnsucht. Es ist ein neo-opulent dekorierter Laden, der mit seinen farbigen Lichtakzenten an eine Club-Lounge erinnert. Im lettischen Riga, wo der Gastronom Alexander Slobine und der Küchenchef Sergej Siporov herkommen, haben die beiden mit dem Stammhaus von The Catch bereits großen Erfolg.

An meinem ersten Abend sprachen die Gäste an den Tischen Englisch, Lettisch oder Russisch, Deutsch eher selten. Viele High Heels, viel Make-up. Mittags ist es ruhiger, auch optisch. Der junge Mann im Service nimmt sich sogar Zeit, mir das Ceviche von der Gelbschwanzmakrele als Vorspeise zu empfehlen. Die Karte mixt, was aus der japanischen und panasiatischen Küche gerade angesagt ist. So wird zwischen den Kategorien „Raw“, „Rolled“, „Tempura“, „Bowls“ und „Josper Grill“ unterschieden. Von den Sushi-Variationen habe ich beim ersten Besuch genug getestet. Fazit: Wer es verspielt mag, mit Mayo, Saucen, Frittiercrunch und Fischrogen, der wird hier glücklich. Es schmeckt ordentlich. Mir kam bloß das Eigentliche, also der Fisch, etwas zu kurz.

Es gibt viel zu gucken, auf dem Teller und bei den Gästen

Das Ceviche ist eine gute Wahl: Avocado, Gurke, Tomate und Fisch sind zwar sehr grob gestückelt, und man merkt, dass die Produktqualität beim Gemüse (anders als beim Fisch) etwas höher angesetzt sein könnte. Die Aromen und die Konsistenz der Sauce überzeugen dennoch.

Im Mund dominiert ein kräftiger Schmelz, der von einem Miso-Wasabi-Dressing herrührt, das alle Geschmacksrichtungen von süß über scharf bis salzig abdeckt. Das Fleisch der Gelbschwanzmakrele schmeckt tatsächlich hervorragend. Ebenso ist der darauf folgende Lachs ein Genuss; das rundum auf dem bis zu 350 Grad erhitzbaren Josper Grill angebratene Stück ist für den Preis zwar etwas klein, aber raffiniert kombiniert. Es liegt in seinem Sud mit kräftigen Soja-, Fisch- und zuckrigen Essignoten und wird von einer Nocke kühlen Avocado-Pürees gekrönt. Kein Vergleich zum kauigen Ärmchen vom gegrillten Oktopus und dem ledrigen Gurken-Kimchi, auf das ich im August fast eine Stunde gewartet habe.

Mein zweites Urteil lautet daher: Das Essen ist empfehlenswert, der Service zur Mittagszeit aufmerksam. Wem beides nicht so wichtig ist, der kann auch am Abend kommen. Es gibt jede Menge zu gucken.

The Catch Bleibtreustr. 41, Charlottenburg. So–Mo 18–23 Uhr, Di–Do 12–23 Uhr, Fr–Sa 12–0 Uhr.
Starters, Rolls, Tempura 5–18 Euro, Bowls und Gerichte vom Grill 8–25 Euro, Desserts 4–7 Euro.