Weltberühmt, aber angestaubt: die Marke Tiffany & Co
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ParisEs ist einer der größten Deals in der Geschichte des Luxus: Bernard Arnaults LVMH-Konzern kauft den US-Juwelier Tiffany für 14,7 Milliarden Euro (16,2 Milliarden Dollar). Am Montagmorgen gab LVMH bekannt, dass die jeweiligen Aufsichtsräte der Übernahme zugestimmt hätten. Lediglich die Zustimmung der Tiffany-Aktionäre fehle nun noch. 

Bereits Ende Oktober war öffentlich geworden, dass LVMH mit Tiffany Gespräche über eine Übernahme führe; nun soll der Deal bis Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein. Damit ist LVMH, zu dem bereits Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior und Bulgari gehören, nun auch Weltmarktführer im obersten Uhren- und Schmucksegment, in der Branche "hard luxury" genannt.

Bislang lag in diesem Bereich der schweizerisch-südafrikanische Konzern Richemont (u.a. Cartier, Van Cleef & Arpels, A. Lange & Söhne) vorne. Richemont macht im Uhren- und Schmucksegment aktuell einen Umsatz von etwa sieben Milliarden Euro, LVMH lag bislang bei etwa vier Milliarden. Mit der Übernahme von Tiffany erhöht sich der Umsatz nun schlagartig auf über acht Milliarden Euro.

USA verlieren einen kulturell relevanten Markenstar

Die Übernahme lässt sich auch als kulturelle Schlappe für die Amerikaner begreifen, denn nun sind alle drei Großschmuckmarken - Cartier, Bulgari, Tiffany - in europäischer Hand. Tiffany wurde 1837 von Charles Lewis Tiffany in Manhattan gegründet und etablierte sich rasch als bevorzugter Silber- und Präsentelieferant der New Yorker Society. Durch die Verfilmung von Truman Capotes "Frühstück bei Tiffany" mit Audrey Hepburn wurde der Juwelier weltweit bekannt.

In den letzten Jahren unternahm Tiffany erhebliche Anstrengungen zur Modernisierung der Marke, von coolem Design bis hin zu Lady Gaga als Kampagnen-Model. Dennoch ging der Nettoumsatz in der ersten Jahreshälfte 2019 zurück, auch infolge des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts. Die Millennial-Kundschaft, die man mit Verlobungsdiamanten nicht hinterm Laptop hervorlockt, erwärmt sich offenbar nur zögerlich für die Kostbarkeiten in den türkisblauen Schachteln.

Um der Marke den richtigen globalen Anschub zu geben, hat Tiffany erst kürzlich einen Neuzugang in der höchsten Führungsriege verkündet: Daniella Vitale, zuvor CEO beim (mittlerweile insolventen) Luxuskaufhaus Barneys und davor bei Gucci, wechselt im Dezember als Executive Vice President und Chief Brand Officer zu Tiffany & Co. Auch dort soll es also eine Frau richten. We keep you posted.