T-Cloth-Tunika No 72 aus Halbleinen (ein Mix aus Baumwolle und Leinen) und entdeckt in Argentinien, 440 Euro.
Foto: WorldPearlsLove

Berlin - Es ist das Schicksal von Souvenirs, dass sie zu Hause selten so geschmackssicher und originell wirken wie am Ort ihres Kaufes. Die Basttasche von den Balearen, die Seidenlaternen aus Vietnam oder, oh dear, die Cowboystiefel aus Texas: Sie alle stauben daheim dann vor allem schön ein.

Wären nicht Carlotta und Carsten Teubel die Käufer gewesen, hätte das wohl auch den bestickten Tischdecken geblüht, die das Ehepaar auf einer gemeinsamen Weltreise erstand. Fast ein Jahr lang sammelten die beiden in schrulligen Läden und auf Märkten zwischen Ecuador, Frankreich und Litauen so viel weißes Leinen und Cotton ein, dass sie zwischendurch Pakete nach Hause schicken mussten.

Warum sie just auf Tischdecken kamen, kann Carlotta Teubel heute nicht mehr sagen. Sicher ist, dass sie und ihr Mann bei ihrer Rückkehr nach Berlin genug Tischdecken besaßen, um eine Restaurantkette zu eröffnen. Stattdessen gründeten sie 2019 das Label WorldPearlsLove. Der englische Name wirkt nicht nur schön international, er fasst auch zusammen, was ausformuliert „die Liebe zu den Perlen der Welt“ heißen müsste.

Carlotta und Carsten Teubel mit „Chief Cuddling Officer“ Noosa, einem Labradorrüden.
Foto: WorldPearlsLove

„Wir haben uns gefragt: Wie gibt man Dingen, die gerade ihre einstige Bedeutung verlieren, also etwa überflüssigen Tischdecken, einen neuen Wert?“, sagt Carlotta Teubel. Antwort: Als „T-Cloth“-Tunika oder -Poncho, in denen sich schlichte Form mit Lochstickerei, gehäkelten Bordüren und Rustikalmustern zu einem „Woher hast du das?“-Stück verbinden.

Obwohl sich der Ursprung der Decken nicht immer bestimmen lässt, sind sie den Stickstilen nach zwischen 1940 und 1970 entstanden und bestehen aus Baumwolle, Leinen oder Halbleinen. Und jedes Stück, das daraus entsteht, ist ein hundertprozentiges Unikat. Die Teubels verarbeiten sie inzwischen auch zu Röcken, Blusen und Kleidern, zu Babymode und Taschen. Dazu kommen Ponchos aus Wolldecken für kühlere Tage.

Noch reicht der eigene Fundus, doch die beiden sammeln weiter, ob auf Flohmärkten oder Etsy, und werden von Freunden aus aller Welt beschenkt. Noch etwas Besonderes: Carlotta Teubel näht jedes Modell selbst, eine Rückbesinnung auf ihre Ausbildung zur Schnitt- und Entwurfsdirektrice. Die individuelle Handarbeit mit möglichst wenig Verschnitt erklärt den nicht ganz billigen Preis der Stücke.


T-Cloth-Rock No 113 aus Halbleinen mit Kreuzstich-Handarbeit, 430 Euro. 
Foto: WorldPearlsLove

Nicht einkalkuliert ist dabei der persönliche Wert. „Mir fällt es jedes Mal schwer, ein Teil zu verkaufen, denn mit jedem verbinde ich eine Geschichte“, sagt Carlotta Teubel. Nach der Lehre arbeitete sie im Einzelhandel, fünfzehn Jahre lang leitete sie die Hermès-Boutique auf dem Kurfürstendamm. Die Weltreise war für sie und ihren Mann, der im Finanzsektor tätig war, wie die Zündung zum Neustart: „Mit Anfang 50 war das die Gelegenheit, innezuhalten und zu überlegen, was ich mit dem bislang Gelernten noch erreichen möchte.“

Die Suche nach dem Besonderen ist es, die Frauen zu ihr führt, denen, so Carlotta Teubel, „Nachhaltigkeit ein Anliegen ist, die aber auf persönlichen Chic nicht verzichten wollen“. Zu diesen Frauen zählt übrigens auch ihre Mutter. Sie ist 81 und WorldPearlsLove-Kundin der ersten Stunde.

T-Cloth-Tunika No 18 aus Baumwolle mit französischer Lochstickerei, 420 Euro.
Foto: WorldPearlsLove

Noch bis 4. Juli mit weiteren nachhaltigen Labels im Showroom von Collective Edition Berlin, Giesebrechtstraße 6 (nahe Olivaer Platz) in Berlin-Charlottenburg. Termine über calendly.com/collectiveeditionberlin. Webshop: www.worldpearlslove.com 

E-Mail-Adresse für persönliche Termine im Showroom: customer@worldpearlslove.com