Pufferjacken im Sitz-Muster: Warum die BVG jetzt auch noch Mode macht

Das Muster der Berliner U-Bahn-Sitze gibt es jetzt auch auf Hüten und Socken. Wer will denn das? Zur Premiere feierten 500 Models, Influencer und andere Promis.

Eine Jacke, fünf verschiedene Looks: Das Muster stammt von der BVG.
Eine Jacke, fünf verschiedene Looks: Das Muster stammt von der BVG.imago/Frederic Kern

Das Abfahrtsignal der U-Bahn ertönt, die Durchsage „Einsteigen bitte“ schallt über den Laufsteg. Doch noch betreten keine Models den Catwalk, sondern Mitarbeiter der BVG. Es muss noch durchgefegt werden. „Kiek  dir dit ma an, wat für feine Leute heute hier aufm Bahnsteig sind“, sagt ein Mann, der mit Putzeimer und Wischmopp an den Zuschauerreihen vorbeigeht. „Habta wieder Glück jehabt, dass die Bahn bis in die Puppen fährt“, sagt seine Kollegin und regt sich im nächsten Moment auf, dass Popcorn gegessen wird. „Dit is doch keen Kino hier, dit is ’n Bahnsteig!“

Das stimmt wiederum auch nicht, denn man befindet sich im The Tunnel, einem Ort für Events unter dem Potsdamer Platz. Nach dem Putzteam kommt ein Schaffner, um die Fahrscheine zu kontrollieren, die jeder Gast trotzdem entwerten musste. So fing am Dienstagabend die Show an, die eine ungewöhnliche Kollaboration präsentierte. Das Modelabel QS by s.Oliver hat gemeinsam mit der BVG eine Herbst-Winter-Kollektion herausgebracht. Motto: „Mehr Street kann Wear nicht sein.“ Muster: Das der neuen BVG-Sitze.

Die BVG nennt es „Muster der Vielfalt“. Es zeigt viele kleine bunte Silhouetten von Menschen, die für die Passagiere stehen sollen, die die BVG transportiert. Es soll nun nicht nur Sitze schmücken, sondern auch Jacken, Hüte und Socken. „Wir wollen unser neues Muster der Vielfalt nicht nur in unseren Fahrzeugen zeigen, sondern unsere bunte Botschaft der Toleranz in die ganze Stadt tragen, wortwörtlich – mit einer Streetwear-Kollektion“, sagt Christine Wolburg, Marketingchefin der BVG. Das Modeunternehmen QS wiederum sieht in der BVG ein „perfektes Match“ für seine Marke. Man wolle junge Mode machen, die den Zeitgeist treffe, sagt Benjamin Isenheim von QS. Da sei Diversität natürlich ein Topthema. 

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BVG tragbar! Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen mit eigener ModekollektionBVG

Luna Schweiger und Jimi Blue Ochsenknecht feiern mit

Bei der Launch-Party unter dem Potsdamer Platz herrscht fast so viel Gedränge wie in einer U-Bahn im Berufsverkehr. Die Promidichte ist nur deutlich höher. In der Menge tummeln sich fast 500 Models, Influencer und Schauspieler und sorgen für ordentlich Blitzlicht. Vor Ort sind unter anderem die Schauspielerin Luna Schweiger, Model Toni Mahfud und Jimi Blue Ochsenknecht.

Die Stimmung ist gut. Es gibt Flying Food – Burger, Currywurst (auch vegan!) und Waffeln am Spieß – und Getränke. Influencer drängen sich um Fotoautomaten und eine Attrappe der U-Bahnstation Machma Platz (haha). In einem Späti kann man sich an Schokoriegeln und Lollis bedienen. Nach Putzkolonne und Fahrkartenkontrolle läuft allerdings noch immer kein Model, sondern die Sängerin Elif mit Gitarre zur Mitte des Laufstegs. Nach dem Song „Bomberjacke“ geht endlich die Show los. Zu elektronischer Musik natürlich, Berlin eben.

Die Models tragen Kleider im „Muster der Vielfalt“ oder, zur Erholung, in Dunkelblau. Das Motto des Stylings war offenbar „Layering“, ein Modetrend, bei dem Kleidungsstücke geschichtet werden und unterschiedliche Lagen und Längen zum Vorschein kommen. Bei den Looks ist alles Mögliche dabei: von „dieses Schichtexperiment ist schiefgegangen“ bis hin zu „gelungenes Outfit “.

Wie ein wandelnder U-Bahn-Sitz

Die voluminösen Pufferjacken im BVG-Muster, die teilweise auch übereinandergeschichtet und um die Taille als Rock getragen werden, sind modern im kurzen Crop-Style oder oversize geschnitten. Am Ende der Show hat man sie an allen Körperteilen gesehen. Mit dem BVG-Muster muss man sich anfreunden können – und zusätzlich mit dem Gedanken, wie ein wandelnder U-Bahn-Sitz auszusehen. Vielleicht ist es aber auch ein Signature-Look, der Fans gewinnen kann?

Die blauen und grünen Bomberjacken erinnern ein wenig an den Style, der 2016 in war, doch auch hier wurde teils gelungen kombiniert und geschichtet, zum Beispiel mit langen Stoffröcken oder schwarzen Lederhosen. Mit der Idee, die schwarz-weißen Pullis um den Kopf zu binden, liegt QS x BVG wieder voll im Trend der Streetwear, mit der Skinny-Jeans, die dazu getragen wurde, eher nicht.

Insgesamt zeigen die Models 37 verschiedene Looks. Am Ende sieht man noch einmal fünf von ihnen in sehr ähnlichen Outfits – mit den Pufferjacken, von denen sich die Macher offenbar eine Menge erhoffen. 

Nach der Show geht das Feiern dann richtig los. Auch Thomas Hayo,  der bei „Germany’s Next Topmodel“ in Heidi Klums Jury saß und den man in seinem All-Black-Signature-Look mit Lederjacke auch aus zehn Metern Entfernung erkennt, tanzt um 1 Uhr noch fröhlich.

Die BVG-Mode gibt es ab sofort online und in einem Pop-up-Store am Alexanderplatz, gleich neben dem Kundenzentrum.