Schöne Chinesin: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die erste Pfingstrose aus ihrer Heimat in Nordchina nach Europa und löste einen regelrechten Züchterboom aus.
Foto: Imago Images/Imaginechina-Tuchong

Draußen ist es spürbar kühler geworden. Jetzt, im Spätsommer, beginnt die Zeit, in der man Stauden sehr gut umsetzen kann – sei es aus ästhetischen Gründen, sei es, weil sie zu groß geworden sind und man sie teilen will. Auch wenn man neue Stauden pflanzen will, sind jetzt ideale Bedingungen dafür. Der Boden ist noch warm, die Pflanzen wachsen schnell an und sie haben genug Zeit, vor dem Winter neue Feinwurzeln auszubilden. Wenn der Frühling kommt, können sie dann genug Feuchtigkeit für den Neuaustrieb aufnehmen.

Dazu kommt: Die nächsten Knospen sind jetzt schon fertig angelegt und wenn man alles richtig macht, wird der Wachstumsprozess durch das Umsetzen nicht gestört.

Die Paeonia „Claire de Lune“ ist eine Edel-Pfingstrose und eine Favoritin unseres Kolumnisten. 
Foto: Rainer Elstermann

Das gilt für die meisten Stauden, ganz besonders aber trifft es auf die wundervollen Pfingstrosen zu, die kaiserlichen Pflanzen des alten China. Im Garten hat die Päonie die prächtigste Blüte von allen. Da stellt sie selbst die Rose in den Schatten.

Was die klimatischen Bedingungen angeht, die Pfingstrosen zusagen, sind wir tropischen Gegenden gegenüber – endlich einmal – im Vorteil: Die Pflanzen benötigen für die Entwicklung ihrer Blütenansätze nämlich eine Kalt-Ruhezeit von circa dreißig Tagen am Stück, an denen die Temperatur fünf Grad Celsius nicht überschreiten sollte.

Vorbereitung ist alles: Werkzeuge, die beim Umsetzen von Pfingstrosen wie anderen Pflanzen hilfreich sein können, sind Gartenschere, Gartenmesser und Pflanzhacke, alles erhältlich bei Dictum bzw. Manufactum.
Foto: Rainer Elstermann

Päonien gliedern sich in Stauden- und Strauchpfingstrosen sowie die „Itoh-Päonien“, die sogenannten Intersektionellen, eine Mischung zwischen den beiden anderen. Die klassischen Exemplare, wie sie schon im Garten unserer Großeltern wuchsen, zählen zu den Stauden, um die es hier geht. Man kann sie über Jahre, sogar Jahrzehnte, am selben Ort belassen – trotzdem werden sie immer schöner und reicher blühend. Sie werden nicht gerne gestört, sprich umgepflanzt. Überlegen Sie also genau, bevor Sie sich für einen Standort entscheiden; dieser kann sonnig bis halbschattig sein.

Staudenpfingstrosen kommen schon mit drei Sonnenstunden am Tag zurecht. Bei wenig Sonne blühen sie später und nicht so üppig. Da sie die Feuchtigkeit in ihren fleischigen Rhizomen (das sind verdickte Wurzelteile) gut speichern können, reagieren sie auch auf längere Trockenheit nicht besonders empfindlich. Ab und zu sollten sie dann aber einen tüchtigen Regenguss abbekommen.

Wenn man die Austreibspitzen mit Wasser von Erde befreit hat, sind die rötlichen Blütenknospen sichtbar. Sie dürfen nach dem Ein- oder Umpflanzen nur 1-2 cm tief in der Erde sitzen.
Foto: Rainer Elstermann

Auch beim Einpflanzen spielen die Rhizome eine Rolle: Die obersten sollten nur ein bis zwei Zentimeter mit Erde bedeckt werden. Das heißt: Die Rhizome nie zu tief setzen. Denn dann bilden die Pfingstrosen zwar viele Blätter aus, aber keine Blüten. Zu tief gesetzte Rhizome sind der Hauptgrund, wenn frisch eingepflanzte Päonien nicht blühen. Und falls einmal ein Wurzelteil aus der Erde schaut, etwa nach einem starken Regenschauer, dann macht das nichts. Hauptsache nicht zu tief.

Sich von den zahlreichen Pfingstrosensorten die schönsten herauszusuchen, ist ein von vorneherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Es sind einfach zu viele! Deshalb versuche ich es erst gar nicht, sondern beschränke mich auf das, was bei mir im Garten wächst.

Und da kommen wir schon zum Schwachpunkt der Päonie: Die Blüten vieler Sorten sind so opulent groß und voller Blütenblätter, dass die Stängel sie mitunter kaum tragen können.

Das neue Pflanzloch muss groß genug sein, damit die fleischigen Rhizome ausreichend Platz zur Feinverwurzelung haben. Aber auf keinen Fall zu tief setzen, sonst gibt es im Frühjahr nur Blätter, keine Blüten.
Foto: Rainer Elstermann

Besonders bei feuchter Witterung lassen die nassen Blüten gern die Köpfe hängen. (Obwohl es immer trockener wird, scheint es genau zur Pfingstrosenblüte regelmäßig wie aus Eimern zu gießen.) Deshalb wähle ich mir lieber Sorten aus, die selbst dann nicht umkippen werden. Dies sind fast ausschließlich Pfingstrosen mit einfachen Blüten. Sie passen dann auch besonders gut zum naturalistischen Stil meines Uckermärker Gartens. Eine Pfingstrose mit großen, gefüllten Blüten fremdelt zwischen Gräsern und Präriestauden ja oft wie eine Diva im Landgasthaus.

Ganz oben auf meiner Favoriten-Liste befindet sich die „Claire de Lune“, eine seltene Schönheit in Mondlichtgelb. Weiß mit reingelber Mitte ist Paeonia lactiflora „Jan van Leeuwen“, die große Büsche mit vielen Blüten bildet und niemals umkippt. Oder auch „Late Windflower“ mit ihrer besonders natürlichen Anmutung.

Noch etwas zarter ist die frühblühende Paeonia emodi, die Himalaya-Päonie. Sie gedeiht im Halbschatten unter Bäumen und verträgt viel Trockenheit. Unter brandenburgischen Kiefern kann ich sie mir hervorragend vorstellen.

Fast fertig: Nach dem Einschlemmen mit Wasser sind die Triebspitzen sichtbar, die zum Schluss noch mit ca. 1 cm lockerer Erde zu bedecken sind.
Foto: Rainer Elstermann

Ganz verzichten möchte ich aber auf die gefüllten Pfingstrosen nicht. Deshalb habe ich in meinem Garten die „Duchesse de Nemours“ (reinweiße Blüte mit buttergelber Mitte) gesetzt, und die stark duftende „Bella Rosa“. In jüngeren Jahren saß ich oft vor deren Blüten und habe mir vorgestellt, wie es für einen kleinen Käfer wohl sein muss, in dieser riesigen rosa Wolke umherzukriechen.

Daneben haben wir noch dunkelrote Pfingstrosen, ein Überbleibsel vom Vorbesitzer des Grundstücks. Ihre genauen Sorten kenne ich nicht, aber wer sich dafür interessiert, dem kann ich das Buch „Peonies“ von Jane Fearnley-Whittingstall empfehlen. Bei allen seriösen Päonien-Fans steht es im Regal und wird immer wieder gern konsultiert.

Jane Fearnley-Whittingstall – Peonies: The Imperial Flower, Seven Dials, London, 1999. Erhältlich antiquarisch zum Beispiel bei worldofbooks.com, mit 200 Farbfotos und Illustrationen auf 384 Seiten.


Gartengestalter Rainer Elstermann auf Instagram: https://www.instagram.com/neuelandschaftsgestaltung