Wenig Dornen, viel Duft: Rosa Madame Alfred Carrière von 1879.
Foto: Rainer Elstermann

Berlin/UckermarkAn Rosen scheiden sich die Geister. Für die einen sind sie der Inbegriff eines richtigen Gartens, für die anderen einfach nur aus der Mode. Doch selbst Rosenverächtern fällt es schwer, sich der Wirkung einer duftenden Rose in voller Blüte zu entziehen.

Ich selbst liebe sogar den roten Rosenaustrieb im Frühling. Diese üppigen und saftigen neuen Triebe stehen so klar im Gegensatz zum gerade zu Ende gegangenen Winter und verweisen so deutlich auf den kommenden Sommer, dass ich sie niemals missen möchte. Die eigentliche Rosenblüte geht bei mir dann fast unter neben den Stauden, auf denen im Frühsommer der Schwerpunkt liegt. Wäre da nicht der Duft, den jede ordentliche Rose haben sollte, der mich durch meinen Brandenburgischen Garten verfolgt und mich unwillkürlich zu ihnen aufschauen lässt. Sind doch die meisten meiner Rosen kletternde Sorten, die an Hauswänden wachsen und sich an Bäumen in die Krone emporwinden.

Eine meiner liebsten Rosen ist die 1853 lancierte Gloire de Dijon. Zu ihren Hoch-Zeiten galt sie als beliebteste Rose der Welt. Wohl auch wegen ihrer enormen Popularität in der Belle Époque nannte sie der berühmte Rosenretter und Gartenschriftsteller Graham Stuart Thomas einmal „eine Epoche machende Rose“. Ich habe zu ihr eine weniger hochfliegende, ganz persönliche Assoziation: Anfang der 1980er Jahre gab es ein sehr bekanntes Herrenparfum von Karl Lagerfeld, das einen süßlich-schweren Duft hatte, dem man sich kaum entziehen konnte. Diesen Duft habe ich nie vergessen, bis ich ihn dann in der Gloire de Dijon wiederfand – unendlich raffinierter, weniger erdrückend.

Auch mit leichtem Regenschaden bleibt sie eine Jahrhundert-Beauty: Rosa Gloire de Dijon vor dem Fenster des Autors.
Foto: Rainer Elstermann

Leider hat Gloire de Dijon ihre Wüchsigkeit verloren, die meisten Exemplare wachsen heute nicht mehr so hoch wie noch vor Jahrzehnten. Doch wir hatten das Glück (beim dritten Versuch) eine gefunden zu haben, die das Fenster meines Arbeitszimmers im ersten Stock umrahmt. Nun sitze ich hier und schreibe eingehüllt in ihren Duft.

Ein anderer Liebling, der allerdings nur einmal im Jahr blüht, ist die Rose Albertine von 1921. Sie duftet frischer (nach Apfel) und hat unordentliche, lachsrosa Büten. Sie ist auf ihre Art einzigartig und wächst bei mir in die Zierkirsche Prunus yeodensis, die mit ihren üppigen, hängenden Blättern perfekt zu den Blüten passt.

Sauber wie die Heldin eines Heimatfilms: die Kletterrose New Dawn in Elstermanns Garten.
Foto: Rainer Elstermann

Rosa New Dawn war besonders in der Mitte des 20. Jahrhunderts sehr beliebt, die Blüten so ordentlich und sauber, dass sie gut in einen Fifties-Film passt, sei es ein Melodram von Douglas Sirk oder ein betulicher deutscher Heimatfilm. Dementsprechend wirkte sie in meinem Garten auch etwas langweilig – bis ich auf die Idee kam, sie in eine unordentliche, absichtlich wild belassene Ecke zu setzen, nämlich an die Kopflinde neben dem Holzzaun, der meinen Garten zur Ostseite umschließt. Da rankt sie sich nun in die Krone hoch und bietet gerade den richtigen Kontrast zur rauen Stimmung.

Die wichtigste von allen Kletterrosen, eine, die ich immer gern empfehle, ist die Rosa Madame Alfred Carrière von 1879. Sie wächst auch im Schatten an einer Nordwand, hat fast keine Dornen, blüht mehrfach im Jahr, duftet superb und hat warm-weiße Blüten, die leicht rosa angehaucht sind.

Schon im Wuchs ein gelungenes Bukettt: Rosa Madame Alfred Carrière mit Unterpflanzung aus Baltischer Petersilie (Cenolophium denudatum).
Foto:  Rainer Elstermann

Es ist unmöglich alle Rosen, die man unbedingt haben sollte und möchte, hier zu beschreiben. Und schon gar nicht wird man für alle im Garten einen Platz finden. Deshalb komme ich lieber noch zum Thema der Begleitpflanzen. Denn wer hierbei nur an Lavendel denkt, verpasst wirklich etwas. Die klassische Regel lautet: Zu Rosen passen alle Farben des Himmels. Da der Himmel sehr viele Farbtöne haben kann, von Rosarot über Weiß, Gelb und Grau bis Tiepolo-Hellblau, Flieder und fast schwarzes Dunkelblau, gibt diese Aussage enorm viel Freiheit. Ich jedenfalls halte mich daran!

Wobei zu beachten ist, dass Rosen es nicht mögen, wenn Pflanzen zu dicht an ihre Wurzeln wachsen. Also empfehlen sich besonders Stauden, die auseinanderfallen; so kann man sie mit Abstand zu den Rosen setzen, sie bedecken aber doch den Boden. Beispiele hierfür sind etwa Katzenminzen (Nepeta) und auch viele Salvia-, also Salbeisorten, Storchenschnabel oder Geranium. Ein Star unter letzteren ist etwa die Sorte „Rozanne“ – sie trägt den Titel „Jahrhundertpflanze“, wurde bereits über 12 Millionen Mal verkauft und hat eine eigene Facebook-Seite.

Soviel rosige Anmut verlangt nach robuster Begleitung: Rosa New Dawn mit Spanischen Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus).
Foto: Rainer Elstermann

Für einen klassischen Rosengarten mag das genügen, und auch für eine Ecke, wo man ein paar Rosen setzen möchte. Will man aber eine größere Fläche mit Rosen bepflanzen, dann braucht es etwas mehr Phantasie. Ich setze momentan gerne wiesenartige Bepflanzungen um die Rosen, dabei helfen mir die Doldenblüter Baldrian (Valeriana), Baltische Petersilie (Cenolophium denudatum), Bibernelle (Pimpinelle major rosea) und der Berg-Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum roseum). Für den Hochsommer auch alle Eisenkrautsorten (Verbena). Davor kann man Massen des Spanischen Gänseblümchens (Erigeron karvinskianus) pflanzen.

Auf jeden Fall wird man bei der Auswahl seiner Rosen auf den Duft achten. Den typischsten Rosenduft hat für mich der weiße Klassiker Schneewittchen (Rosa Iceberg). Es gibt sie als Strauchrose und als Kletterrose, da erklimmt sie circa drei Meter. 1983 wurde ihr der Ehrentitel „Weltrose“ verliehen, 2004 aber wieder aberkannt, da sie etwas anfällig für Krankheiten wie Rosenmehltau ist. So ist das eben, im Leben wie in der Rosenwelt: Nichts hat für immer Bestand.


Unser Gartenkolumnist Rainer Elstermann auf Instagram: https://www.instagram.com/neuelandschaftsgestaltung