BerlinWintersonnenwende, Silvester, Neujahr: Es ist die große Zeit des Feierns im Jahr, der Beginn jenes langen Übergangs vom Winterdunkel ins Frühjahrslicht. Dazu gehören auch den Außenstehenden oft absurd erscheinende private und (halb-)öffentliche Rituale. Sie helfen uns, das Gewesene abzuschließen und das unbekannte Kommende vorzubereiten, unterbrechen den scheinbar stetig vorwärtsschreitenden Kalender des rationalen Verwaltungs- und Wohlfahrtsstaats. Sich vor einer wichtigen Angelegenheit, vor einem wie auch immer gearteten Übergang zu säubern, mag zu den Urkonstanten der menschlichen Kultur gehören.

Viele dieser Rituale handeln vom Säubern, von der Befreiung von Rückständen, die das Leben so mit sich bringt. Wenigstens für einige Zeit soll man sich wie vor einem Neubeginn fühlen können. So ist der in Tempeln oder Kirchen oft reichlich verkokelte Weihrauch nicht nur ein guter Duft: Er sollte die Luft reinigen. Nach antiker, bis weit ins 19. Jahrhundert hin gültiger Lehre lösten nämlich nicht Viren oder Bazillen Krankheiten und Seuchen aus, sondern aus faulendem Wasser und schlechter Erde aufsteigende „Miasmen“, schlechte Gerüche. Jüdische Frauen werden vom religiösen Gesetz auch im Alltag verpflichtet, nach der Menstruation das Ritualbad aufzusuchen, die vom Grundwasser oder einer Quelle durchflossene Mikwe. Vor der Hochzeit aber wurde dieser Besuch traditionell zum Festzug der Schwestern und Freundinnen, die die reich geschmückte Braut zum Bad geleiten.

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