Am Donnerstag beginnen die mehrtägigen Feierlichkeiten zum 70. Thronjubiläum der Queen. Mit Fahnen und Fanfaren, mit Partys und Paraden, mit Gottesdiensten, Dinners, Reden. Kurzum: es wird laut und es wird lang, die Abläufe sind minutiös geplant. Unklar – zumindest für die Fans der feschen Königin – ist bisher indes, was Ihre Majestät zu all den Veranstaltungen tragen wird. Ziemlich sicher allerdings, dass die Kleider und Kostüme den wachsamen Beobachterinnen und Beobachter des Hofes kaum bekannt vorkommen werden.

Denn hinter der Garderobe Elizabeth II. steckt ein ausgeklügeltes System, das von mehreren Angestellten am Laufen gehalten wird – weswegen sich seit Jahrzehnten das hartnäckige und doch falsche Gerücht hält, Her Majesty The Queen würde denselben Look nie zweimal tragen. Stimmt nicht, wie wir auf unserer Mode-Recherche feststellen konnten. Hier kommen sieben Stil-Fakten rund um die britische Monarchin und ihre (nicht immer) neuen Kleider:

1. Ihre Kleider: Bonbonfarben und bleierne Säume

Rock-und-Blusen-Kombis? Hosen gar? Nicht mit der Queen! Sie trägt ausschließlich Kleider, je nach Anlass bodenlange Roben oder Kombinationen aus knielangen, gerade geschnittenen Kleidern und Mänteln. Eine Jeans zum Beispiel – die umfassende Uniform des Volkes – soll sie nie besessen haben. Mehr noch: Laut mehrerer zuverlässiger Quellen habe Elizabeth II. ein solches blaues Beinkleid noch nicht einmal anprobiert. Warum sie aber nicht mal zu Rock und Bluse greift? Weil da eher mal was verrutschen könnte, wie der 1979 verstorbene Norman Hartnell einst bekannt gab.

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Darf’s ein bisschen mehr sein? 1947 im Brautkleid von Norman Hartnell.

Der Modemacher hatte 1947 das Brautkleid und 1952 die üppige Robe der Queen für ihre offizielle Krönungszeremonie entworfen und stand fortan viele Jahre im Dienste Ihrer Majestät. Durch Stewart Parvin, einen weiteren Couturier der Königin, ist außerdem bekannt, dass Elizabeth II. obenrum nicht ganz gerade gebaut ist, eine Schulter etwas tiefer hängen lässt, weswegen an eben jener Seite ein extra Polster-Pad in die Schulterpartie der Kleider eingearbeitet wird. Untenrum lässt die Königin indes feine Bleibänder in die Rocksäume einnähen – die gute Hausfrau kennt Ähnliches aus dem Bereich der Gardinen –, damit es niemals zu einem ungünstigen Marilyn-Monroe-Moment mit fliegendem Stoff und freigelegter Unterhose kommen kann.

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London Windstärke 5 – der Rock sitzt! Im Saum befinden sich Bleibänder.

Und überhaupt: Unvorhergesehene Outfit-Probleme dürften bei der Monarchin kaum vorkommen: Sie hat ein ganzes Team an Ankleiderinnen, die ihre Garderobe sorgfältig planen und arrangieren. Jedes neue Kleid wird mit einem Namen versehen und kategorisiert, es gilt die Regel, dass Elizabeth II. zu einem Treffen mit anderen Staatsoberhäuptern nie dasselbe Ensemble trägt – weswegen es den Anschein macht als würde sie ihre Kleider überhaupt nie zweimal ausführen. Das aber stimmt nicht, rechnet man der Königin vielen anderen öffentlichen Auftritte und private Termine ein.

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Fühlt sich in Blau sichtlich wohl: Keine Farbe trägt die Queen häufiger.

Auch die große Farbenvielfalt ihrer Garderobe erweckt den Anschein, dass Elizabeth II. stets etwas Neues trägt. Die britische Vogue hat sich die fleißpreisverdächtige Mühe gemacht, das mal ein bisschen zu analysieren: Demnach ist der Königin Lieblingsfarbe Blau, bis dato hatten 29 Prozent ihrer öffentlichen Outfits die Farbe der Hoffnung. Dahinter kommen Pink und Lila mit je zehn Prozent.

2. Ihre Regenschirme: Was nicht passt, wird passend gemacht

Klar, dass bei so vielen farblich unterschiedlich Kleidern auch entsprechend viele Hüte und Handschuhe, Mäntel und Modeaccessoires in den Schränken der Monarchin ruhen – schließlich ist sie auch als Königin der Farbabstimmung bekannt. Damit sie die berühmteste Ton-in-Ton-Trägerin der Welt bleibt, soll Elizabeth II. rund 5000 Hüte besitzen, meist Modelle der Modistin Angela Kelly, die auf ihre Kleider und Mäntel abgestimmt ausgewählt werden können. Auch ihre Auswahl an Hals- und Kopftüchern dürfte in die Tausende gehen. Und dann sind da ja noch die Schirme – ein im regnerischen England bekanntermaßen wichtiges Accessoire.

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Adel verpflichtet: Zum lilafarbenen Hut ein Schirm mit lila Rändern.

Als offizieller Regenschutz-Ausstatter versorgt die britische Traditionsmarke Fulton Umbrellas den Palast. Allerdings nicht nur mit den hochwertigen Schirmen, die auch Krethi und Plethi in den Stores des Labels kaufen können: Beim königlichen Regenschirm-Lieferant ist immer was zu tun, denn sobald die Königin ein neues Kleid erwirbt, wird im Palast-Archiv sodann nach einem farblich perfekt passenden Regenschirm gefahndet. Und bei Bedarf wird eben ein neuer angefertigt.

3. Ihre Handschuhe: 15 Zentimeter beste Qualität

Weniger abwechslungsreich ist die Queen im Bereich der Handschuhe. Da trägt sie seit Jahrzehnten nämlich die beiden Nichtfarben: Weiß und Schwarz. Den perfekten Hersteller hatte einst Norman Hartnell, der Brautkleid-Designer und Krönungs-Kleid-Macher, für die Königin auserwählt: 1947 entwickelte eine gewisse Cornelia James die royalen Brauthandschuhe für Elizabeth II.

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So winkt’s sich gleich doppelt schön: Die Handschuhe werden maßgefertigt.

Seitdem ist James’ Familienunternehmen offizieller Handschuh-Lieferant des Hofes. Jedes Jahr soll die Firma allein für die Queen zwölf Paar bereitstellen, die allesamt klassisch geschnitten und eben völlig frei von Farbe sind. Laut dem Unternehmen bestehen sie aus Baumwolle und Nylon, sind waschbar, schlicht und praktisch. Ihre Majestät bevorzuge Handschuhe von etwa 15 Zentimetern länge oder solche in „Bracelet-Länge“ – was auch immer das heißen mag.

4. Ihre Handtaschen: Obacht, wenn das Täschchen auf dem Boden steht

Auch was ihre Taschen angeht, zeigt sich Elizabeth II. weit weniger experimentierfreudig als bei ihren Regenbogen-Kleidern. Hobo-Bags, Crossbodies oder Clutches? Never: Die Königin trägt meist ein kleines, dunkles Modell mit verhältnismäßig langen Henkeln, das ganz ohne besondere Design-Elemente oder Funktionen auskommt. Dabei vertraut sie auf die britische Marke Launer London, etwa 40 Handtaschen zu je 2000 Euro aus seinem Hause soll Ihre Majestät besitzen, wie der Launer-Chef unlängst der Daily Mail verriet.

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Entwarnung für die Hofdamen: Die Queen trägt ihre Tasche am linken Arm.

Spannender ist da schon, welche Signale die Königin mit ihrer Tasche sendet: Schon lange ist bekannt, dass sie über diese mit ihrem Personal kommuniziert. Lässt sie das Täschchen etwa lässig über den linken Arm baumeln, wissen ihre Hofdamen: All good over here, ich komme klar. Wechselt sie die Tasche aber auf den anderen Arm oder stellt sie gar auf den Boden oder einen Tisch, möchte Ihre Majestät zum Beispiel aus einem unangenehmen Gespräch befreit werden.

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Früher war mehr Abwechslung: Elizabeth II. mit einem weißen Modell.

Was genau in ihrer Tasche steckt, weiß indes niemand so genau. Beobachtet wurde lediglich, dass die Königin stets einen Metallhaken dabei hat, mit dem sich die Tasche nonchalant an eine Dinner-Tafel hängen lässt. Ihr Hofkoch Stefan Pappert gab unlängst außerdem bekannt, dass sich die Queen gern ein paar Kekse als Notfall-Proviant für längere Termine einpacken lässt.

5. Ihre Schuhe: Blasenpflaster braucht sie nicht

Lange unterwegs ist die Königin ja tatsächlich regelmäßig. Damit sie sich auf ihren zähen Terminen keine Blasen läuft, greift sie auf einen ziemlich cleveren und leicht prätentiösen Trick zurück: Sie lässt neue Modelle stets von einer Ankleiderin eintragen, die praktischerweise die selbe Schuhgröße wie sie hat. Viel Abwechslung gibt es an den demnach vier Paar Füßen allerdings nicht zu sehen: Seit 50 Jahren tragen erst die Ankleiderin und dann die Queen fast identische Schuhmodelle.

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Maßgefertigt und eingetragen: Bei Schuhen macht sie keine Kompromisse.

Früher kamen sie von dem Londoner Designer Edward Rayne, der auch die Treter für Queen Mum und Lady Di entworfen hatte. Er zog sich 1988 aus dem Geschäft zurück – und wurde von Ihrer Majestät sodann zum Ritter geschlagen als Dank für seine Dienste. Als Ersatz für Rayne wurde nach eingehender Recherche einer seiner ehemaligen Mitarbeiter gefunden, der mittlerweile in dem Londoner Schuhatelier Anello & Davide arbeitete. Dieses entwickelte nicht nur die heute legendären Chelsea Boots, sondern stellt seither auch die Schuhe der Queen her: Maßangefertigte Pumps mit fünf Zentimeter Absatz, meistens schwarz, seltener auch in zwei Tönen, für 1100 Euro das Paar. Die Queen aber – very nachhaltig – soll durchaus auch die Reparaturdienste eines Schusters in Anspruch nehmen, statt immer wieder neue Schuhe zu kaufen.

6. Ihr Nagellack: in der Farbe eines Ballettschuhs

Was der Königin Fingernägel ziert, ist schnell erzählt: „Ballet Slippers“ von Essie. Der zartrosafarbene Ton der US-Kosmetikmarke soll seit Jahrzehnten der einzige Lack sein, den Ihre Majestät auftragen lässt – zwischenzeitlich warb Essie sogar mit dieser royalen Anekdote. Die helle Farbe soll jenem eines klassischen Ballettschuhs gleichen, daher der hübsche Name.

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Zeigefreudig: Ihre Majestät hat stets gut manikürte Hände.

Damit nutzt die Königin wenigstens ein Produkt, dass sich jeder bei dm oder Rossmann kaufen kann: Dort kosten die Essie-Nagellacke gerade mal 8,95 Euro. Unklar bleibt indes, wer der Königin die Nägel lackiert – oder ob Ihre Majestät gelegentlich sogar selbst zu Fläschchen und Pinsel greift. Auch ansonsten ist über die Beauty-Routine der Monarchin wenig bekannt. Fest steht: Mit dem Haarefärben hörte die Queen 1990 im Alter von 64 Jahren auf. Seither trägt sie einen womöglich ganz natürlichen Silberton.

7. Ihre Leidenschaft: Zwei Königinnen, viele Kleider, eine Sonnenbrille

Wie sehr sich die Queen überhaupt für ihre Garderobe und im Allgemeinen für Mode interessiert, bleibt wohl ihr Geheimnis. Gut möglich, dass das ganze Brimborium eher von ihrem Personal, den Stylistinnen und Ankleiderinnen ausgeht – die Königin selbst scheint ja eher praktisch orientiert, was ihre Treue zu den immer selben Schuhen, der gleichen Tasche, dem selben Nagellack beweist. So war die Queen auch nur ein einziges Mal bei einer Modenschau anwesend: Mit 91 Jahren besuchte Elizabeth II. 2018 das erste Mal ein solches Spektakel.

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Unverschämtheit: „Eiskönigin“ Anna Wintour nimmt die Brille nicht ab.

Sie sah sich im Rahmen der London Fashion Week die neuen Entwürfe des Briten Richard Quinn an, der nach seiner Show den Award for British Design verliehen bekam, eine Laudatio der Königin inklusive. Und die saß während des Catwalk-Reigens übrigens neben einer anderen Monarchin: US-Vogue-Chefin und „Eiskönigin“ Anna Wintour, der gleich ein eklatanter Fauxpas unterlief. Sie nahm ihre ikonische Sonnenbrille selbst im Gespräch mit Elizabeth II. nicht ab …