Ein Königreich für einen Schirm: In der US-Serie „Bates Motel“ ließen die Drehbuchautoren den schauspielernden Superstar Rihanna doch tatsächlich im Regen stehen. 
Foto: A&E

London/Berlin„Umbrella, ella, ella“, so sang Rihanna einst. Und weiter: „It’s raining, raining“. Ob sie diesen Hit heute noch gerne vorträgt, ist fraglich, denn inzwischen wohnt die Sängerin Medienberichten zufolge in London. Während sie sich damals, im Jahr 2007, vorwiegend im trockenen Kalifornien aufhielt – eine Gegend, in der sich leicht eine Verklärung jener Wetterlage einstellt, mit der man in London ganzjährig konfrontiert ist. Die Zeiten, in denen Rihanna mit Schirmmarken wie Totes kooperierte, sind jedenfalls vorbei. Auch ihr Modelabel Fenty führt keine Schirme. 

Doch brauchen wir die Sängerin wirklich, um den Funktionsjackenträgern und Kapuzenheinis mal zu zeigen, was bei nassem Herbstwetter modisch so alles möglich ist? Natürlich nicht. Immerhin ist Germany nicht der schlechteste Ort, um in Sachen wetterfester Fabulousness aufzurüsten, „form follows function“ und so weiter.

1. Praktisch: Der Taschenschirm 

Der deutsche Klassiker ist der Knirps, der von einem Solinger namens Hans Haupt in den 1920er-Jahren entwickelt wurde. Als ihm die Firma Bremshey & Co. das Patent abkaufte, ging Haupts Innovation 1928 in Serie. Eine später ergänzte Aufklappautomatik macht den Knirps bis heute zum kompakten Begleiter an Tagen mit 50+ Prozent Wahrscheinlichkeit für Niederschläge.

Wählt man das Modell von Burberry mit Karodruck, dann ist das nicht nur chic, sondern der aus der Tasche ragende Griff mit Lederbezug ist auch eine Hommage an die britischen Wetterverhältnisse, die man als Global Citizen natürlich in- und auswendig kennt, Reisebeschränkungen hin oder her. 

Ein Leichtgewicht, das mit 160 Gramm kaum beschwert, ist der schlichte Minischirm von Samsonite. Optisch zurückhaltend und dank flacher Form ideal zu verstauen, ist er technisch absolut überzeugend.

In erfreulich old-schooligen Farben (zuletzt waren es Orange, Beige und dunkles Grün) kommt der Kompaktschirm von Uniqlo daher. Das Pfiffig-Japanische daran: Der obere Schirmteil dreht sich gelenk bei Wind, so wird ein Abknicken der Gestells verhindert. Wer hätte gedacht, dass das Martial-Arts-Prinzip „Durch Nachgeben die Oberhand behalten“ auch für Regenschirme gilt.  

2. Klassisch: Der Stockschirm 

Der prächtige Stock- oder Langschirm, der sich stets in seiner vollen Größe erstreckt, braucht immer einen Platz in der Hand oder am Arm. Sein Vorfahre, der tragbare Sonnenschirm, existierte schon 1200 vor Christus und schützte die Häupter der ägyptischen Upperclass vor praller UV-Strahlung.

Für den „Sky Umbrella“ des Designers Tibor Kalman (55 Dollar) muss man nicht nach New York: Er kann im Webshop des Museum of Modern Art geordert werden.
Foto: MoMA Design Store

Bestens eignet sich der Stockschirm heute für ländliche Gegenden, wo Strecken überwiegend mit dem Pkw zurückgelegt werden und der Kofferraum genug Platz für seine Aufbewahrung bietet. In der Stadt ist sein Gebrauch dem Profi vorbehalten. Dazu zählen Schirmträger von Berufs wegen, wie Chauffeure, Personenschützer oder Hotelpagen, ebenso passionierte Taxinutzer, Flaneure oder Fans der Hochkultur, die Corona mit Theaterbesuchen in Abendgarderobe trotzen.

Überhaupt: Klassisch-bourgeoise Kleidung wie Mantel, Anzug oder Seidenkleid kann gut mit Stockschirmen gepaart werden, zum Beispiel mit einem Exemplar von Swaine Adeney Brigg. Die Expertise der englischen Marke reicht bis in das Jahr 1836 zurück. Ein teurer Spaß für knapp 1000 Euro ist das Modell „Malacca Flask“ mit integriertem Trinkkolben, den man mit einem Getränk seiner Wahl befüllen kann. 

Hübsche Effekte liefern Schirme, die erst beim Aufspannen ihre wahre Pracht zeigen. Mit psychedelischer Innenseite erfreut zum Beispiel Paul Smith, mit einem unverregnetem Himmel der Sky Umbrella. Letzterer ist seit 1992 im Museumsshop des New Yorker MoMA ein Dauerbrenner.

Verhindert Regendepression: der Schirm „Swirl“ mit Psychedelic-Muster und Holzgriff von Paul Smith (215 Euro).
Foto: Paul Smith 

Worauf es beim Schirmkauf wirklich ankommt, weiß Rainer Gramke, Inhaber des 1890 gegründeten Unternehmens Schirm Oertel in Bremen: „Das Wichtigste an einem Schirm ist seine Stabilität, sodass er bei starkem Wind nicht umschlägt. Haben sie einen richtig geschnittenen Schirm, dann tragen Sie ihn auch bei Sturm direkt über sich. Man sieht es ja immer wieder, die Menschen laufen alle hinter ihren Schirmen her und sind blind für alles, was von vorne kommt.“

Dieses Exemplar aus der Oertel-Manufakturlinie, mit Stock und Griff aus einem Stück Ahornholz, kostet um 165 Euro.
Foto: Schirm Oertel

Was aber macht einen Schirm wirklich stabil? Da ist zunächst die Stärke des Stocks entscheidend, erklärt Gramke anhand eigener Modelle: „Normalerweise hat der Stock einen Durchmesser von maximal 14 Millimetern. Unsere sind zwanzig Millimeter dick. Außerdem haben unsere Schirmdächer zehn Segmente, im Gegensatz zu den üblichen acht.“ Die Gestelle seien aus speziell gehärtetem, in Italien produziertem Stahl gefertigt. Außerdem sei für die Sturmfestigkeit auch die Textilqualität wichtig. „Das Dach rundkuppeliger zu spannen, damit es bei Wind nicht umschlägt, klappt nur mit schwereren Stoffen“, sagt Gramke. „Unsere werden in Como auf Krawattenwebstühlen gemacht, viele der Dessins sind deshalb abgewandelte Krawattenmuster.“

Ahnen Sie jetzt, warum ein guter Schirm seinen Preis hat? Seien Sie also bitte nicht knausrig und gönnen Sie sich eine aufrechte Haltung im Regen.

3. Überflüssig: Der Waffenschirm 

Für Ausnahmesituationen gibt es noch eine weitere Schirmart, wir kennen sie zum Beispiel aus den „Kingsman“-Filmen. Die Rede ist vom Waffenschirm: Er kann schießen und gleichzeitig seinen Besitzer wie ein Schild schützen. Ein geschickter Umgang mit dem Waffenschirm setzt große Gruppen wilder Angreifer reihenweise außer Gefecht, so demonstrierte es jedenfalls Colin Firth als britischer Gentleman Harry „Galahad“ Hart in besagter Comicverfilmung – übrigens mit einem Brigg-Schirm.

Ein Adlerkopf aus Sterlingsilber: Mit diesem Oertel-Schirm lässt sich ordentlich (auf den Putz) hauen. Um 770 Euro.
Foto: Schirm Oertel

Nur Fiktion? Nicht ganz. Auch die Realität, genauer gesagt: das Internet, hält dahingehend etwas für die Käuferschaft bereit. Allerdings in weitaus weniger ausgebuffter Variante findet sich hier der sogenannte Selbstverteidigungsschirm zu erstaunlich hohen Summen. Er ist angeblich unzerbrechlich und bestens geeignet, im Notfall auf Angreifer loszuprügeln. Das Geld können Sie sich aber sparen, ein ganz normaler Stockschirm reicht dafür vollkommen aus.

Investieren Sie stattdessen lieber in einen teuren Schirmständer, in dem Ihr Schirm würdevoll im Entree platziert werden kann. Die Mailänder Traditionsmarke Fornasetti hat diesbezüglich einiges zu bieten. 

Der stilvollste Schirmständer der Welt kommt von Fornasetti, hier das Modell „Mani“ (Hände). Bei Harrods, um 850 Pfund.
Foto: Fornasetti