Berlin-Kreuzberg - Vor ein paar Jahren war ich mal einen Tag lang mit dem sogenannten Gänse-Taxi unterwegs. Glücklicherweise musste ich nur gucken, nicht mithelfen. Damals porträtierte ich den Koch, der dieses Gänse- und Enten-Taxi für Berlin erfunden hatte, einen speziellen Lieferservice für gebratene Weihnachtsvögel. Tatsächlich ist das also keine Idee, die erst Corona hervorgebracht hat, weil die Restaurants nun geschlossen sind. Die „Gans to go“ erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit bei uns. 

Jedes Wochenende zwischen Sankt Martin und Weihnachten fuhr dieser Koch mit seinem Gänse-Taxi um die 150 Weihnachtsvögel quer durch die Stadt. Ich hatte es mir damals ausgerechnet: Mehrere Tonnen gerupfte Gänse, zum Teil zerlegt in Brust und Keule, schleuste er so Jahr für Jahr durch seine Backöfen und Autos; dazu rollten er und sein Team rund 20.000 Knödel. Je länger ich dem Mann zuhörte, umso mehr Mitleid hatte ich mit ihm. Er schien mir regelrecht traumatisiert: Bis in den Schlaf verfolge ihn der Bratengeruch, erzählte er mir damals erschöpft. Und seine Lieferwagen dufteten noch im Sommer nach dem Bratenfett. Zu Weihnachten wollte der arme Mann nur noch Fisch essen, ich konnte das sehr gut verstehen.

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