WashingtonJedes Jahr hat seine Bilder. Zu denen, die die Erinnerung an das Jahr 2021 prägen werden, gehört mit großer Sicherheit das Bild jenes bärtigen Trump-Anhängers, der sich am 6. Januar siegesgewiss auf dem Bürostuhl der demokratischen Abgeordneten Nancy Pelosi fläzte, einen Stiefel triumphierend auf deren Schreibtisch abgelegt.

Für viele US-Bürger sind solche Bilder vom Sturm auf das Gebäude ein ungeheuerlichen Tabubruch: Seit ziemlich genau 220 Jahren ist das Capitol Building das Allerheiligste der amerikanischen Politik. Es hat diverse Duelle, private Morde, Einbrüche, auch politisch begründete Anschläge und Bombenattacken überstanden. 1814 setzten britische Truppen den Bau in Brand, um die einstigen Kolonien zu demütigen. 1954 schossen pu­er­to-ri­ca­nische Nationalisten (oder Unabhängigkeitskämpfer, je nach Perspektive) im Saal des Repräsentantenhauses um sich; fünf Abgeordnete wurden teils schwer verletzt, bis heute sind die Einschusslöcher in den Tischen als Denkmale des Widerstands gegen diesen Angriff auf das Parlament sorgfältig konserviert. 1971 platzierten Gegner des Vietnamkriegs eine Bombe in einer Herrentoilette nahe dem Senatssaal, die Beschädigungen waren erheblich.

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