Auf frischer Tat ertappt: die gefräßigen Nacktschnecken auf der Hand des Autors. 
Foto: Rainer Elstermann

Berlin/UckermarkSchnecken können grausam sein. Natürlich sind sie das nicht absichtlich. Aber wenn ich beobachte, wie die großen, dicken Nacktschnecken alles kaputtknabbern, dann tut das schon weh. Besonders schlimm ergeht es dabei den – von den Schnecken und mir gleichermaßen geliebten – Ligularia, bei uns auch Kreuzkraut genannt.

Das Kreuzkraut, das es feucht mag und bei mir oberhalb des Teiches steht, bildet große Blätter und hohe Blütenkerzen. Wenn es das denn schafft vor lauter Schnecken. Sobald die Blüten Ende Juni, Anfang Juli anfangen aufzusteigen, sieht man mich darum morgens und abends auf allen vieren durch die Ligularia kriechen. Dann sammle ich die Schnecken ab, die sich auf den Unterseiten der Blätter verstecken.

Aber Schneckenkorn tut es auch. Dieses Gegenmittel gibt es auf Gift- oder Eisenbasis. Ich benutze selbstredend letzteres, da es die Tiere sanft entschlafen lässt und keine schädlichen Rückstände hinterlässt. So sind die toten Schnecken immer noch als Futter für andere Tiere geeignet. Aber ich habe das Schneckenkorn nicht immer zu Hand. Und eigentlich finde ich es ganz schön, so frühmorgens bei nützlicher Tat unter den Riesenblättern der Ligularia.

Des Gärtners und der Schnecken Lieblinge: die Ligularia stenocephala. 
Foto: Rainer Elstermann

Ebenfalls bei Schnecken heiß begehrt sind Funkien-Stauden, ganz besonders, wenn sie schattig und feucht stehen. In der Natur wächst diese Pflanzengattung eigentlich eher trocken auf Felsen. Mein Tipp: Weniger gern vergreifen sich die Kriechtiere an den besonders großlaubigen Funkien-Sorten wie „Blue Angel“, „Big Daddy“, „Empress Wu“, „Elegans“, „Krossa Regal“. Übrigens Namen wie aus einer Dating-App, wie ich finde.

Kenner wissen, dass alle eben genannten Funkiensorten einfarbiges, graues bis grüngelbliches Laub haben. Die Sorten mit panaschiertem, also mehrfarbigem, Laub werden von mir eher gemieden, sie gehören zu den wenigen Pflanzen, die ich aus optischen Gründen nicht mag. Dass Ausnahmen die Regel bestätigen, zeigt das Lungenkraut (Pulmonaria), von dem mir die Sorten mit den ausgeprägtesten Punkten die liebsten sind. Aber das nur nebenbei. Und nun zurück zu den Übeltätern, denn nicht nur Schnecken suchen meinen Garten heim.

Im letzten Winter wurden unsere Pflanzen von Wühlmäusen angegriffen. Ich weiß nicht, ob es an der milden Witterung lag oder dem trockenen Sommer, jedenfalls haben die Nager mehrere Stauden und Gräser vernichtet. Große Horste von Calamagrostis „Karl Förster“, Molinia „Transparent“ und „Windspiel“ sind ihnen zum Opfer gefallen. Wer diese Gräserarten kennt, weiß, dass die Grashorste von achtzig Zentimetern bis zu einem Meter im Durchmesser haben können. Dennoch waren alle bis zu den Wurzeln vertilgt und ich konnte die toten Halme im Frühling einzeln aus der Erde ziehen. Nun gehört es zwar zu den wichtigsten Gartenregeln, dass in jedem Verlust eine Chance für Veränderung und Neuplanung liegt – ich muss aber gestehen, dass es mir in diesem Frühling schwerfiel, mich von meinen Gräsern zu verabschieden.

Das sieht Gärtner Elstermann bei der morgendlichen Schneckenjagd: die Ligularia stenocephala von unten, samt Fresslöchern (rechts).
Foto: Rainer Elstermann

Zur Familie der Wühlmäuse gehören unter anderen Bisamratten, Feldmäuse, Rötelmäuse und Schermäuse; wir haben in unserem Garten hauptsächlich letztere. Schermäuse sind in der Lage, aquatisch und terrestrisch zu leben. Bei uns tun sie beides: im Teich unter Wasser – wenn man Glück hat, sieht man sie umherschwimmen – und im restlichen Garten im schweren Tonboden. Eine Möglichkeit, sie zu vertreiben besteht darin, die Vegetation möglichst kurz zu halten. Dann können sie sich nicht vor ihren Fressfeinden verstecken und werden etwa von Raubvögeln rasch erspäht. Ich aber werde wohl mit den Verlusten leben müssen, denn ein hoher Wuchs meiner Pflanzen ist mir wichtig.

Blattläuse und Co. ignoriere ich einfach. Wenn man ein wenig abwartet, ziehen bald ihre natürlichen Feinde im Garten ein, zum Beispiel Marienkäfer. Sie kommen meistens im Mai oder Anfang Juni, aber eben nur, wenn man die Blattläuse vorher nicht bekämpft hat. Denn wenn die Käfer nichts zu fressen finden, ziehen sie weiter und bleiben sie dem Garten fern. Also bitte Geduld! Denn sind die roten, schwarz gepunkteten Einsatzkräfte der Natur erst einmal da, vertilgen sie unermüdlich eine riesige Menge Schädlinge und das natürliche Gleichgewicht ist hergestellt.

Die Funkie „Halcyon“ mit fliederfarbenen Blüten und graublauen Blättern in Herzform. Die Löcher darin verraten: Auch hier musste zügig abgesammelt werden.
Foto: Rainer Elstermann

Und dann hatten wir noch einen Biber. Bemerkt habe ich ihn an den Spuren der Verwüstung, die er hinterlassen hat. So hatte ich einen kleinen Liquidambar-Baum gepflanzt, der eine fantastische Herbstfärbung aufweist. Eines Morgens jedoch war der Baum verschwunden. Nur ein kleiner Stumpf schaute noch aus der Erde. Kurz darauf fand ich einen halben Strauch der Sorte Cornus kousa „China Girl“ mitten auf dem Rasen. Als ich wenig später am Teich auf einen frisch angelegten Damm stieß, ahnte ich schon etwas. Während der nächsten Tage fiel mir auf, dass der Teich jeden Morgen neu mit groben Zweigen, Algen und Wasserpflanzen unterfüttert war. Jetzt wurde mir langsam etwas mulmig. Denn ich weiß wohl, wozu Biber fähig sind. In nur einer Nacht können sie Bäume von bis zu fünfzig Zentimetern Umfang fällen. Und wir haben einen wirklich schönen Baumbestand rings um unser Haus herum!

Der einzige Zugang, den der Biber zum Garten haben könnte, war ein großes Rohr. Es bringt das Wasser aus dem Bach von unserem Grundstück ein paar Meter unterirdisch in einen Wassergraben – und durch diesen weiter in den nahen See. Normalerweise verschließt ein Gitter dieses Rohr. Allerdings hatte ich im Herbst vergessen, es wieder zu installieren, nachdem ich es vom Laub gereinigt hatte. In genau diesem Rohr sah ich den Biber dann an einem frühen Morgen sitzen, exakt um 4.20 Uhr. Schnell holte ich mir ein Stück Holz. Mit einem sanften Stoß schubste ich den Biber zurück in das Rohr und brachte das Gitter hinter ihm wieder an. Ein paar Tage später erzählte mir eine Freundin, dass sie ein komisches Tier über die Straße hat watscheln sehen, bevor es in einem Entwässerungsgraben verschwand. Ich hoffe, er hat sein Glück woanders gefunden.


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