Die einen halten es für eine gemütliche Schlafkoje, andere sehen darin eher einen Sarg für Lebendige: In großen Städten und an Flughäfen gibt es immer häufiger sogenannte Schlafkabinen und Kapselhotels. Der Gast wohnt dabei in einem winzigen „Raum“, der nur die Länge eines Bettes einnimmt, etwa zwei Quadratmeter. Stehen kann man hier nicht, Stauraum gibt es keinen, dafür haben die Kabinen in modernen Hotels zumindest eingebaute Unterhaltungselektronik und Klimaanlage.

WLAN und Fernsehen statt Privatsphäre

Im neu eröffneten Xian Youth Capsule Hotel im chinesischen Xian gibt es in jeder der 92 orangefarbenen Schlafzellen ausklappbare Fernseher und W-LAN. Der Gast kann sich so zumindest gut ablenken lassen. Denn Privatsphäre und Ruhe findet man in solchen Unterkünften kaum. Oft sind die Kabinen nur durch Vorhänge voneinander getrennt, Türen gibt es keine. Immerhin: In Xian bekommen Schnarcher extra Kabinen, damit sie andere nicht zu sehr stören. Auch die Bereiche für Frauen und Männer sind getrennt.

Die ersten „Sarg-Hotels“ gab es in Japan

Die Idee der Kapselhotels, auch Waben- oder Sarg-Hotels genannt, ist nicht neu, bereits ab Ende der 70er Jahre entstanden in Japan die ersten Unterkünfte dieser Art, um trotz Platzmangels in den Metropolen günstige Übernachtungsplätze zu schaffen. Das erste Hotel eröffnete 1979 in Osaka – und ist immernoch in Betrieb. Auch heute wird diese Wohnform gern genutzt, besonders von Pendlern, Geschäftsleuten und jungen Reisenden, die Zeit überbrücken müssen oder billig schlafen wollen. Im Xian Capsule Hotel kostet eine Nacht knapp 9 Euro. Die Lage ist ebenso günstig, es ist nur ein paar hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Häufig liegen Unterkünfte dieser Art in Rotlichtvierteln oder Bahnhofsnähe.

Rein in die Box, raus aus dem Lärm

Es ist kein Wunder, dass Durchgangsorte wie Flughäfen in den letzten Jahren solche Schlafkabinen für sich entdeckt und etabliert haben. Auf den Londoner Airports, in Moskau, Delhi, Dubai, München und Amsterdam gibt es verschiedene moderne, schick designte Schlafboxen mit Multimedia-Ausstattung, die man stundenweise mieten kann. Sie können reserviert oder spontan gemietet werden und liegen im Bereich hinter den Sicherheitskontrollen. Fluggästen, die lange auf Anschlussflüge warten müssen, wird so eine Möglichkeit geboten, sich zurückzuziehen, auszuruhen oder zu arbeiten. Nach dem Motto: Tür auf, rein in die Box und weg ist der Flughafenrummel.

Wo kann man auf zwei Quadratmetern leben? In unserer Bildergalerie stellen wir ein paar Mini-Wohnzellen vor. (iw)