Berlin - Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage. Das wusste schon Hamlet. Und dieser wiederum sprach nur aus, was sein Schöpfer William Shakespeare dachte. Nach der neuerlichen Lockdown-Verlängerung stehen uns weitere Wochen bevor, in denen wir auf die Ornamente unseres Lebens verzichten müssen. Auf zwanglose Zusammenkünfte mit Freunden, auf Kulturveranstaltungen, aufs Aus- und Essengehen. All die Schauplätze sind weg, wo wir mit Mode einem Anlass gerecht werden und uns inszenieren können, in den Facetten, die uns wichtig sind. So kreiseln wir weiter maskiert und eingemummelt zwischen Supermarkt, Postfiliale und Homeoffice. Wer Glück hat, kann wenigstens ab und an mal ein Büro ansteuern. Das ist also unser Sein – oder ist es ein Nichtsein, weil das Publikum fehlt?

Shakespeare trug einen Ohrring. Zumindest zeigt ihn das berühmte Chandos-Porträt mit einer kleinen goldenen Kreole im linken Ohr. Warum trug er die? Weil es zu jener Zeit unter Dichtern und Schauspielern Mode war. Shakespeare zeigte also damit seine Zugehörigkeit zur Welt des Theaters. Und da sind wir wieder beim Sein und beim Nichtsein. Das Sein braucht Resonanz, im Theater wie auf der Bühne des Lebens. Bei aller Misere können wir da von Glück reden, dass wir unseren lieben Computer haben, unser Tor zur Welt und zu den Kollegen. Und was wir  vorm Bildschirm zuletzt gelernt haben: Untenrum ist egal, Hauptsache vom Brustbereich aufwärts stimmt die Optik.

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