Sommerlich warm war es in den vergangenen Tagen in Stockholm. Am Arbeitsplatz von Martin Åkersten hieß das: unerträglich heiß. „Hier im Führerstand haben wir dann 35 oder 40 Grad“, sagt Åkersten, Lokführer bei der Stockholmer Lokalbahn Roslagsbanan. Darum wählt er seine Garderobe mit Bedacht: weißes Hemd, Schlips – und einen kurzen Rock. Åkersten ist weder Schotte noch gibt ihm das Tragen von Frauenkleidern einen besonderen Kick. Der Rock ist seine Art der Selbstverteidigung: „Wenn die Sonne brennt, ist es in langen Hosen nicht auszuhalten.“

Mögen anderswo in Schweden die Frauen längst die Hosen anhaben – auf Roslagsbanan ist der Rock das Symbol der Emanzipation, in diesem Falle der männlichen. 13 der maskulinen Zugführer und Schaffner haben in den vergangenen zwei Wochen das Uniformreglement des Bahnbetreibers Arriva auf ihre Art ausgelegt. „Lange Hose oder Rock“, heißt es dort. In der langen Hose schwitzt Mann. Also Rock.

„Eigentlich würde ich ja lieber Shorts tragen“, räumt Åkersten ein. Doch die will die Firma nicht dulden. „Hübsch und sauber soll man aussehen, wenn man Arriva repräsentiert“, fordert Kommunikationschef Tomas Hedenius. Kurze Hosen seien „zu lässig.“ Dass nun die haarigen Krummbeine der männlichen Mitarbeiter unter kurzen Röcken hervorlugen, könne er nicht ändern: „Wir können den Männern nicht befehlen, Hosen zu tragen. Das wäre Diskriminierung.“

Im Führerstand umweht eine angenehme Brise Åkerstens freigelegte Beine. „Die Reisenden am Bahnsteig gucken“, sagt er, aber das sei immer noch besser, als die Sauna in der Kabine stoffverhüllt ertragen zu müssen. Weniger praktisch sei das neue Kleidungsstück, wenn man runter auf die Schienen müsse zum Umkoppeln. Da rutsche der Rock schon mal hoch. Aber wenigstens müsse er nicht schwitzen. „Vor allem wir Lokführer tragen Rock, wir haben ja nicht so viel Kundenkontakt. Aber auch einige in den Waggons haben sich angeschlossen.“

Die Aufmerksamkeit, die die Rockträger auf sich ziehen, bringt Arriva in die Defensive. Manager Hedenius, der die Mitarbeiter zunächst auf September vertrösten wollte, wenn in Schweden der lange, kalte Winter beginnt, will jetzt auch Shorts dulden. Gleich in der kommenden Woche will er mit der Gewerkschaft über Details verhandeln. „Hübsch und sauber“ sollen schließlich auch die kurzen Hosen sein.