BERLIN/OSCHERSLEBEN. Der Angeklagte erschien erst gar nicht vor Gericht. Jens B. Mitglied des NPD-Kreisverbandes Magdeburg, sollte sich gestern vor dem Amtsgericht Oschersleben für einen rassistischen Artikel auf einer Internetseite verantworten. Den hatte B. ins Netz gestellt, nachdem am 7. Januar 2005 der 21-jährige Asylbewerber Ouri Jalloh aus Sierra Leone unter bis heute ungeklärten Umständen in der gefliesten Arrestzelle Nummer fünf des Dessauer Polizeireviers bei lebendigem Leibe verbrannte.Unter der Überschrift "Ein Afrikaner zündet sich an und schuld ist mal wieder die Polizei", erschien am 2. April 2005 auf der von B. verantworteten Webseite ein Hetzartikel gegen den verbrannten Flüchtling. Der Afrikaner Ouri Jalloh wird darin als "der Missetäter" bezeichnet, "beköstigt und alimentiert vom deutschen Volk, dazu freie medizinische Versorgung und allerlei sonstige soziale Vergünstigungen". Jalloh verbrannte, angekettet an Händen und Füßen auf einer brandsicheren Matratze. Die NPD schildert den Vorfall so: "Kein Mensch konnte damit rechnen, dass der Herr Asylant mittels des am Körper versteckten Feuerzeuges binnen weniger Minuten die Matratze auf 350 Grad Celsius erhitzt. Und das sind schließlich Temperaturen, die selbst für einen an Hitze gewohnten Westafrikaner eindeutig zu viel sind."Diese Äußerungen waren dem zuständigen Richter des Amtsgerichts in Oschersleben gestern eindeutig zu viel. In Abwesenheit des Angeklagten befand er diesen der Volksverhetzung in Tateinheit mit übler Nachrede für schuldig und erließ Strafbefehl. NPD-Mann B. muss 60 Tagessätze à 15 Euro sowie die Verfahrenskosten zahlen.Der von der Familie Ouri Jallohs beauftragte Nebenkläger, ein afrikanischer Freund des verbrannten Asylbewerbers, war gestern froh über den Schuldspruch. Marco Steckel von der Beratungsstelle für Opfer rechter und rassistischer Gewalt in Dessau zeigte sich jedoch skeptisch, ob die Höhe der Strafe abschreckend genug sei. Er kritisierte zugleich, dass der Prozess gegen zwei angeklagte Polizisten im Zusammenhang mit dem Tod von Oury Jalloh noch immer verschleppt werde.Anklage, aber kein ProzessDie Staatsanwaltschaft hatte im Mai 2005 Anklage gegen zwei Polizeibeamte erhoben. Danach waren die Ermittler von einem Selbstmord Jallohs ausgegangen. Der Flüchtling soll in der Zelle, angekettet, ein bei der Durchsuchung übersehenes Feuerzeug aus der Kleidung geholt, die Naht der Matratze aufgetrennt und die Schaumstofffüllung angezündet haben. Einem Polizeibeamten, der die Hilferufe Jallohs und den Feueralarm ignorierte, wird Körperverletzung mit Todesfolge, dem Polizisten, der das Feuerzeug übersehen haben soll, fahrlässige Tötung vorgeworfen. Doch das Landgericht gab im Oktober 2005 die Anklage zu Nachermittlungen an die Staatsanwaltschaft zurück. Die bestellte weitere Brandgutachten, die immer noch nicht abgeschlossen sind. Auch die Eltern Jallohs in Guinea wurden bis heute nicht als Nebenkläger zugelassen. Trotz vorliegender Urkunden gibt es angeblich "Identitäts- und Zustellprobleme", so das Landgericht.------------------------------Foto: In dieser Zelle Nr. 5 des Dessauer Polizeireviers verbrannte Oury Jalloh.