Bevor die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Sonnabend auf ihrer neuen Straßenbahnlinie zum Bahnhof Friedrichstraße das erste Fahrgeld kassierten, wurde ihnen eine Rechnung präsentiert. Zur feierlichen Eröffnung der 750 Meter langen Strecke von der Weidendammer Brücke in die Dorotheenstraße hatte Verkehrssenator Jürgen Klemann (CDU) einen Gebührenbescheid über 2 870 Mark mitgebracht. Soviel kostete die Genehmigung des Betriebs auf der Linie, die der Senat für 7,3 Millionen Mark bauen ließ. "Unsere Kassen sind leer", sagte BVG-Chef Rüdiger vorm Walde, "aber wir werden zahlen." So begann um 11.14 Uhr der Betrieb ­ André Lehmann (27) fuhr den ersten Zug. Vorerst rollt nur die Linie 50 (Buchholz, Kirche ­ Am Kupfergraben) über die Strecke. "Auf die Linie 1 müssen die Kunden bis 1998 warten", so der Fahrgastverband IGEB. Die Gleisverbindung in die Oranienburger Straße ist erst im Frühjahr fertig. Der Verein monierte auch, daß die Züge an Ampeln zu lange aufgehalten werden. Schon in der Vergangenheit wurde die Geduld der Fahrgäste strapaziert. Wegen Bauarbeiten war die Bahn in der nördlichen Friedrichstraße von 1992 bis 1997 laut IGEB fast 900 Tage gesperrt. Klemann: "Um zu verhindern, daß die Straße wieder aufgebuddelt werden muß, haben wir das gesamte Leitungsnetz für 15 Millionen Mark saniert." Acht Monate lang blockierte zudem der Bau der Dussmann-Häuser in der Dorotheenstraße die neuen Gleise. So vergingen vom Baubeginn bis zur Eröffnung 17 Monate. Michael Cramer (Bündnis 90/Grüne) mahnte Klemann, die Bahn endlich in die südliche Friedrichstraße zu verlängern. Dies habe der Senat schon 1993 beschlossen.(pn.)