Manche Dinge dauern in Berlin eben etwas länger. Nach den ersten Plänen sollte die Straßenbahnstrecke zum heutigen Hauptbahnhof 2002 fertig sein. Aber dann gab es immer wieder Verzögerungen. Zuletzt war von 2011 die Rede. Inzwischen hat der Senat seine Terminplanung erneut korrigiert. Jetzt heißt es, dass die Trasse 2012 oder 2013 eröffnet wird - also mit mindestens zehn Jahren Verspätung. Aber nicht nicht mal das ist sicher. Denn das Bahnprojekt ist untrennbar mit dem Ausbau der Invalidenstraße verbunden, den Anwohner mit einer Klage verhindern wollen.In diesem Jahr soll sie nun endlich kommen, die Genehmigung. "Wir gehen davon aus, dass wir das Planfeststellungsverfahren Ende 2009 abschließen können", sagte Marko Rosteck, Sprecher der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Derzeit wird damit gerechnet, dass der Bau 2010 beginnt und zwei bis drei Jahre dauert. Dann werden die Straßenbahnlinien M6, M8 und M10 über die 2,4 Kilometer lange Strecke geführt, um neue Verbindungen zwischen dem Hauptbahnhof und dem Osten Berlins zu schaffen. Bis dahin soll auch der Ausbau der Invalidenstraße beendet sein - damit es auf diesem Teil des inneren Rings, der den Durchgangsverkehr um die Innenstadt herumführt, weniger Staus gibt.Das Doppel-Projekt hält die Planer schon lange in Atem. 2004 brach Junge-Reyer das bisherige Verfahren ab, weil es dabei nur am Rande um den Straßenausbau ging - was Richter bemängelt hätten. Inzwischen hat der Senat seine Straßenplanung mit Verkehrsprognosen und anderen Gutachten untermauert, um sie "gerichtsfest" zu machen. Ebenso sorgfältig wird derzeit der Text der Genehmigung vorbereitet. Rosteck: "Das braucht Zeit.""Wir müssen das Verkehrsbedürfnis befriedigen, sonst fahren die Autos durch die Wohnviertel", warnte Friedemann Kunst, Berlins oberster Verkehrsplaner. Damit die Anlieger nicht zu sehr belastet werden, will der Senat ganztägig Tempo 30 anordnen und Lkw verbieten."Wir sind nicht gegen den Straßenausbau", sagte Carl Loyal vom Hotel Honigmond. Doch in dem geplanten Umfang werde er zu viel zusätzlichen Verkehr anlocken. Loyal ist einer von rund zehn Klägern, die dagegen vor Gericht ziehen wollen. Der Eigentümer des Seniorenstifts in der Invalidenstraße ist ebenso dabei wie die Firma Havika, die ihre Edison-Höfe mit einem Büro- und Wohnhaus ergänzen will. Loyal: "Wir gehen durch alle Instanzen. Das dauert fünf bis sieben Jahre."Auf der gesamten Ausbaustrecke soll es zwei Fahrstreifen pro Richtung geben - auch an der engsten Stelle, östlich der Kreuzung mit der Chausseestraße. Doch dort reiche in Richtung Westen eine Fahrspur aus, wenn ein Teil des Autoverkehrs über die Zinnowitzer Straße geleitet würde, sagte Martin Schlegel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dadurch ließe sich in der Invalidenstraße die Lärm- und Feinstaubbelastung auf ein akzeptables Maß drücken. Loyal: "Gegen diese Planung würden wir nicht klagen." Nun aber gehe es wohl vor Gericht - was auch das Straßenbahnprojekt treffen würde.------------------------------Karte: Bald keine Holperstrecke mehr: Die Invalidenstraße soll künftig durchgehend zwei Fahrstreifen und eine Radspur pro Richtung sowie Gleise haben.------------------------------Foto: Der Hauptbahnhof sollte schon vor Jahren einen Straßenbahnanschluss bekommen. Nun gibt es einen neuen Termin.