BERLIN, 21. Mai. Nein. Auf ein pures schnödes Geschäft war die Idee für den RTS-5 für Klaas Glenewinkel nun wirklich nicht ausgelegt. "Das Ding sieht sehr lustig aus", lobt der Mitentwickler und Chef der Berliner Firma Streamminister sein Produkt, "es kann aber noch lustiger aussehen!" Seit Anfang vergangenen Jahres schon steht Glenewinkel im Mittelpunkt exklusiver Parties, wenn er mit seinem "Ding" auftaucht: In einem Outfit, das an Biene Maja und Astronaut gleichermaßen erinnert, quält sich dann der 31-jährige als so genannter Internet-Videoreporter etwa durch die verstopften Gänge des Berliner Opernpalais, um Interviews mit anwesenden prominenten Gästen zu machen.Generalprobe in EuskirchenDer mit Technik vollgestopfte Rucksack, die eigentliche Entwicklung Glenewinkels, besorgt den Rest: Er sendet die von Digitalkamera und Mikrofon aufgenommenen Signale mittels der Funktechnik Wireless LAN an einen nahe gelegenen Internetzugang - und schon flimmern die Bilder gestochen scharf live über Videowände im Partysaal oder sind im Internet abrufbar.Den nach Attraktionen lechzenden Event-Veranstaltern kam so etwas gerade recht: Sowohl für die Filmfestspiele wie für die Vereinten Nationen, den italienischen Textilhersteller Benetton sowie die Stiftungen von Bertelsmann und "Zeit" durfte Glenewinkel Partygäste belustigen. "Das Projekt", erklärt sich der Streamminister den Anklang, "ist halt ein bisschen witzig."Und womöglich eine Goldgrube. Denn seit einiger Zeit ist der Video-Rucksack Gegenstand von, wie es Glenewinkel nennt, "komischen Gesprächen". Ausgerechnet einer der größten Konsumgüterkonzerne der Welt, die US-Firma Procter & Gamble, hat Streamminister dazu ausersehen, bei Wartung und Reparaturen in ihren Werken rund um den Globus mitzuhelfen. Glenewinkel, der früher einmal als Kulturmanager in Japan gearbeitet hat, redet nun häufiger mit New Yorker Anwaltskanzleien als mit ausgeflippten Partygängern. Und statt langer Nächte ist nun die globale Präsenz von Streamminister bei Industriemessen gefragt. Neun freie Mitarbeiter versorgt Glenewinkel inzwischen mit Aufträgen. Das Berliner Partnerunternehmen CFA, dass den Video-Rucksack mitentwickelt hat, zählt bereits rund 20 feste und freie Mitarbeiter. Procter & Gamble wolle den RTS-5 zur Ferndiagnose und Fehlerbehebung bei der Fertigung einsetzen, erklärt Mitentwickler Andreas Pflug von CFA.Die Generalprobe dafür hat der Internet-Video-Rucksack mit Bravour überstanden. Just, als Glenewinkel und Pflug ihre Entwicklung den Managern der Pampers-Windel-Fabrik von Procter & Gamble im Eifel-Ort Euskirchen vorstellten, blieb dort eine Maschine stehen. "Wir haben unseren Rucksack angeschnallt und eine Videokonferenz zwischen den Technikern in der Procter & Gamble-Zentrale in Cincinnati, dem Europa-Hauptquartier in Brüssel und Euskirchen geschaltet", erzählt Glenewinkel. Die Anweisungen der Fachleute in den USA brachten die Pampers-Fertigung schnell wieder ins Laufen.Seither soll der Party-Gag von Streamminister die Windel-Produktion sichern helfen. Was weniger Spaß, aber mehr Gewinn verspricht.WWW. STREAMMINISTER. DE, WWW. CFA-GROUP. DE Reporter mit Internet-Rucksack: Streamminister-Chef Klaas Glenewinkel demonstriert die Ferndiagnose bei Industrie-Maschinen.