Nachsicht mit Männern, die immer noch glauben, sie könnten sexuell über ihre Ehefrau verfügen, verlangte CDU-Politiker Horst Eylmann, als zu Jahresbeginn erneut die Diskussion über eine Bestrafung der Vergewaltigung in der Ehe einsetzte. Der Anwalt aus dem niedersächsischen Stade plädiert für eine Bestrafung, anders als einige seiner Unionsfreunde.Seit 1983 sind alle Versuche gescheitert, sexuelle Gewalt gegen die Ehefrau unter Strafe zu stellen. Jetzt scheiterte die liberale Justizministerin. Die Herrenriege der CDU/CSU-Fraktionsspitze lehnte ihren Entwurf ab. Frau Leutheusser-Schnarrenberger übt jetzt die Nachsicht, sie will mit der Union gemeinsam einen neuen Entwurf zustandebringen. Die Übung kann dauern. Die Koalition ist zwar im Grundsatz einig, daß Vergewaltigung in der Ehe künftig zu bestrafen sei - das Wie ist jedoch äußerst umstritten.Für einige Unionspolitiker macht es immer noch einen Unterschied, ob der Ehemann Täter ist oder ein Fremder oder auch der nichteheliche Lebensgefährte. In der Ehe existiere eine "besondere Nähe", sagt der CSU-Rechtspolitiker Norbert Geis. Der gewalttätige Gatte soll deshalb besonderen Schutz vor Strafverfolgung genießen. Herr Geis: "Der Ehefrau muß die Möglichkeit gegeben werden, aus dem Strafverfahren wieder herauszukommen". Er will ihr deshalb ein "Widerspruchsrecht" gönnen, mit dem der Prozeß zur Einstellung gebracht werden kann. Daß die Täter ihre Opfer zwingen könnten, davon Gebrauch zu machen, ist für die Unionschristen kein Einwand, sondern "Chance, die Ehe zu retten".Die FDP will dagegen genauso wie die SPD, daß allein das Gericht über einen Straferlaß entscheidet. Beide plädieren für eine "Versöhnungsklausel": Verzeiht die Frau ihrem Ehemann und die Richter urteilen, die Beziehung sei noch zu heilen, sollen sie die Strafe mildern oder aussetzen können. Auch das verzeihende Wort im Gerichtssaal könnte freilich vom Täter erzwungen werden. Dem Delikt würde jedoch auf jeden Fall nachgegangen. Wolfgang Freiherr von Stetten, CDU-Obmann im Bonner Rechtsausschuß, gebührt das Verdienst, die Hintergedanken vieler Fraktionsfreunde ausgesprochen zu haben. "Zum ehelichen Leben gehört auch, die ,Unlust' des Partners zu überwinden." Nachsicht mit diesen Herren? +++