Das Internationale Congress-Centrum (ICC) in Charlottenburg enthält nach Schätzungen von Sachverständigen fast genauso viel Asbest wie der Palast der Republik. Im Gegensatz zum Palast, der abgerissen werden soll, wird das ICC saniert bei laufendem Betrieb.Aus der Ausschreibung für die Sanierung des ICC könne auf eine ähnlich hohe Asbestbelastung wie beim Palast geschlossen werden, teilte gestern Jürgen Dieckmann von der Vereinigung asbestsachverstandiger Architekten und Ingenieure (VAAI) mit. Allein in einem ersten Abschnitt im ICC, der jetzt saniert werden soll, seien mehrere tausend Quadratmeter asbesthaltiger Pappen und Platten verbaut.Zum Vergleich: Im Palast der Republik wurde auf einer Fläche von insgesamt 172 000 Quadratmetern Spritzasbest verarbeitet, auf 3 800 Quadratmetern sind schwach gebundene asbesthaltige Platten verlegt. Vom ICC und vom Palast der Republik sieht Dieckmann deshalb ähnlich starke Gefährdungen ausgehen: Aufgrund der großen Mengen Asbests würde ich die Gefährdung als gleich groß einstufen." Die Belastung der Innenluft beider Häuser betrage jeweils weniger als / 000 Fasern pro Kubikmeter Luft, so Dieckmann. Der Eingreifwert in öffentlichen Gebäuden liegt jedoch genau bei / 000 Fasern pro Kubikmeter. Drei Varianten sind möglichObwohl dieser Wert in den Sälen offenkundig nicht erreicht wurde, ist die Sanierung notwendig, weil dafür andere Kriterien wie zum Beispiel die Asbestart und die Beschaffenheit des Materials ausschlaggebend sind. Bei der angepeilten Sanierungsmethode unterscheiden sich ICC und Palast der Republik. Möglich sind drei Varianten: das Entfernen des Asbests aus dem Gebäude. das Verfestigen am selben Ort und das räumliche Abtrennen. Der Palast soll vollständig vom Asbest befreit werden die teuerste und aufwendigste Variante. Weil er dabei bis auf den Rohbau abgetragen werden müßte, wollen Senat und Bundesregierung ihn vollständig wegreißen. Beim ICC soll das Asbest am Ort verfestigt werden. Zugute kommt dem ICC, daß die Sanierungsrichtlinien heute diese Methode zulassen. Das Gutachten über die Asbestbelastung des Palastes stammt hingegen aus dem Jahr 1990.Damals galt im Land Berlin ein Beschluß des Abgeordnetenhauses, der bei der Sanierung von öffentlichen Gebäuden forderte, das Asbest zu entfernen. Deshalb ist das Palast-Gutachten laut VAAT denn auch überholt. Für Jürgen Dieckmann ist es keine Frage: "Der Palast der Republik und das ICC sind sanierbar" Kritik übt der Sachverständige daran, daß das ICC bei laufendem Betrieb ohne Sicherheitsschleusen und Unterdruck saniert werden soll.Der Asbestbrandschutz im ICC ist nach Darstellung der zuständigen "Messe-Berlin" nicht gesundheitsgefährlich. Messe-Sprecher Michael Hofer erklärte gestern, die Asbestplatten seien in Bereichen eingebaut, die nicht öffentlich sind. Beide Gebäude können behutsam umgebaut werdenDie Kosten für die Sanierung beliefen sich auf zweieinhalb bis drei Millionen Mark. Zum Vergleich: Die Sanierung des Palastes soll 150 bis 200 Millionen Mark verschlingen. Laut Hofer lassen sich beide Gebäude nicht miteinander vergleichen. Im ICC seien Asbestplatten verbaut worden, im Palast dagegen Spritzasbest. Jürgen Dieckmann vom VAAI hält beide Gebäude indes für vergleichbar, da das Asbest im Palast "überdurchschnittlich fest" sei.Bündnis 90/ Grüne, FDP und PDS fordern jetzt, auch den Palast der Republik behutsam zu sanieren. Ulrich PaulDas Beste für die Bundeshauptstadt: Na, mal sehen, was den Ausschlag gibt."