Der Bau der Straßenbahn vom Prenzlauer Tor zur Rathausstraße könnte sich um Jahre verzögern. Die rund 1,3 Kilometer lange Strecke wird voraussichtlich erst im Mai 2004 fertig - rund vier Jahre später als zunächst geplant. Dies geht aus einer Vorlage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hervor, über die Senator Peter Strieder (SPD) demnächst entscheidet. Der Grund für die mögliche Verzögerung: Der Senat will den nördlichen Abschnitt der Karl-Liebknecht-Straße ab Herbst 2002 umbauen, um ihn den Vorgaben des Planwerks Innenstadt anzupassen. Dabei soll die Fahrbahn um bis zu neun Meter nach Südosten verlegt werden. Weil die Tram auf dem Mittelstreifen fahren wird, müsste deren Planung jetzt gestoppt und angepasst werden. Strieder hat eine Alternative zur Auswahl. Sie sieht vor, das bisherige Tram-Projekt fortzuführen und sich weiter am heutigen Straßenverlauf zu orientieren. In diesem Fall könnte die Verlängerung der Linie 1, die an der Rathaus-/Ecke Jüdenstraße endet, schon im November 2002 fertig sein. "Doch dann müssten wir die Gleise kurze Zeit später, wenn die Karl-Liebknecht-Straße umgebaut wird, wieder entfernen und neu verlegen. Dies würde mehrere Millionen Mark kosten", sagte Abteilungsleiter Detlef Berlitz. Acht Fahrspuren möglich "Wir müssen nun abwägen, ob sich eine Änderung der Planung lohnt oder ob ein Zeitverzug inakzeptabel wäre", sagt Strieder. Der Politiker sieht gute Gründe dafür, eine Umplanung in Kauf zu nehmen: "Die Baukonjunktur zieht an, rund um den Alexanderplatz melden Investoren viele Bauvorhaben an. Wir müssen also früher als bisher geplant zu Straßenquerschnitten kommen, wie sie im Planwerk Innenstadt festgelegt worden sind."Dieser vom Senat beschlossene Rahmenplan würde es erlauben, die heute als Gehwege und Parkplätze genutzten Bereiche auf der Nordwestseite der Karl-Liebknecht-Straße zu bebauen. Dafür müsste dann die Fahrbahn verlegt werden.Ob die Zahl der Fahrspuren erhalten bleibt, sei noch nicht abschließend entschieden, hieß es im Senat. Berlitz: "Unsere Planungen lassen es aber zu, das bisherige Angebot für die Verkehrsteilnehmer aufrechtzuerhalten." Möglich wären zwei Fahrbahnen, die jeweils vier Spuren aufweisen und zwölf Meter breit sind. Sie würden von dem ebenfalls zwölf Meter breiten Mittelstreifen für die Bahn getrennt. Die Fahrstreifen sollen künftig aber schmaler sein als heute. "Ihre Breite liegt heute über der Norm", sagte Strieder-Sprecherin Petra Reetz. Christian Gaebler, Vize-Fraktionschef der SPD, ist "außerordentlich verärgert" über die Verzögerung: "Weil dem Senatsbaudirektor plötzlich eingefallen ist, dass Investoren am Alexanderplatz bauen wollen, liegt die Planung auf Eis."Warten bis 2004 // Die zweite "Alex-Bahn" soll vom Knotenpunkt Prenzlauer Allee/Torstraße (Prenzlauer Tor) zur Rathaus-/Ecke Jüdenstraße fahren. Das 1,3 Kilometer lange Doppelgleis wird über die Karl-Liebknecht- und Dircksenstraße führen. Das 55-Millionen-Mark-Projekt sollte nach dem Senatskonzept von 1996 im Jahr 2000 fertig sein. Nun ist senatsintern von November 2002 oder von Mai 2004 die Rede.Die nächsten Tram-Projekte: Müggel-heimer Straße (vorläufig eingleisig, Eröffnung am 24. November 2000), S-Bahnhof Adlershof-Wissenschaftsstadt (3. Oktober 2001), Eberswalder Straße-Nordbahnhof (November 2003), Wissenschaftsstadt-Sterndamm (Dezember 2004). 2005/06 soll die Straßenbahn Lehrter Bahnhof-Turmstraße-Wiebestraße-Beusselstraße-Virchow-Klinikum fertig sein. 2006 fährt die erste Bahn vom Alexanderplatz zum Kulturforum.BERLINER ZEITUNG/DANIEL BRAUN Die geplante Straßenbahnstrecke führt über die nördliche Karl-Liebknecht-Straße, die verlegt werden soll.