BERLIN, 1. März. Peter Bentin knetet die Muskeln der Profis von Hertha BSC. Das ist eigentlich nichts Besonderes, aber die Tatsache, dass der 60-Jährige seit 33 Jahren Berliner Beine massiert, erscheint rekordverdächtig. In dieser langen Zeit hat Bentin nicht nur Generationen von Spielern erlebt, sondern auch mit 19 Trainern zusammengearbeitet. Auch wenn es sehr lange zurückliegt, an Helmut Kronsbein, ein Original der Trainergilde, erinnert sich Bentin sehr genau. Kronsbein, der Friseur lernte und später den Beruf eines Möbelkaufmanns ausübte, erwarb 1948 an der Sporthochschule in Köln unter dem damaligen Bundestrainer Sepp Herberger sein Trainer-Diplom. Und eine Tätigkeit in seinem verrückten Leben konnte Kronsbein in Berlin nie verbergen - die als einstiger Feldwebel an der Heeresmusikschule in Bückeburg.Physiotherapeut Bentin erinnert sich: "Bei Auswärtsspielen rief mich Kronsbein oft gegen 22 Uhr zu sich. Anschließend begannen wir einen Stubendurchgang durch die Hotelzimmer der Profis. Natürlich unangemeldet. Die mussten immer um 22.30 Uhr im Bett liegen. Kronsbein schaute in die Schränke, sogar in die Mülleimer, weil er dort Bier vermutete. Es ging wirklich zu wie beim Militär. Ab und an hat Kronsbein bei diesen Stubendurchgängen aber auch Einzelgespräche geführt, also taktische Belange mit den Spielern besprochen. Er war ja ein Perfektionist."Noch eine weitere Angewohnheit schmeckte den Hertha-Spielern damals in den siebziger Jahren überhaupt nicht: Kronsbein kam zum Essen immer als Letzter und erst, wenn er sein zackiges "Guten Appetit" in den Raum geschmettert hatte, durften alle anderen mit dem Essen beginnen. Wer aufmuckte oder im Training Widerworte wagte, den schickte der autoritäre Mann sofort nach Hause. Auch Zuspätkommen bei den Übungsstunden wurde hart bestraft.Dramatisch verlief auch das Privatleben des Helmut Kronsbein. Am 1. Juli 1979 hatte Kronsbein seine Frau Gerda tot in der gefüllten heimischen Badewanne aufgefunden. Als Todesursache galt Selbstmord durch Stromschlag, weil neben der Leiche ein eingeschalteter Föhn gefunden worden war. Erst Jahre später kam es zu erneuten Ermittlungen. Im August 1984 wurde sogar wegen einiger Ungereimtheiten ein Indizien-Prozess gegen Kronsbein eröffnet. Die Anklage lautete auf Körperverletzung mit Todesfolge. Kronsbein wurde - auch auf Antrag der in Beweisnot geratenen Staatsanwaltschaft - frei gesprochen. Kronsbein starb 1991 im Alter von 76 Jahren im Universitätsklinikum Berlin-Steglitz. (mj.)Fiffi // Helmut Kronsbein (Foto), von allen nur "Fiffi" genannt, ist der Rekordtrainer von Hertha BSC. Von 1966-1974 und noch einmal im Dezember 1979 befehligte der strenge Mann die Berliner. Seine Bilanz bei Hertha ist beeindruckend: 212 Spiele; 89 Siege, 51 Remis, 72 Niederlagen.