Hinsichtlich der Bewohner gleicht Berlin längst einem Irrenhaus. Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang." Das sagt Fabian in Erich Kästners gleichnamiger provokanter Großstadtsatire. Erschienen 1931, birgt Kästners Werk auch heute, über 70 Jahre später, noch genügend Stoff. Selbst wenn man angesichts der aktuellen Diskussion über die Lage der Problemkieze streiten könnte. Aktuell fanden das Stück auch die Leute vom Maxim-Gorki-Theater. Gestern Abend hatte die studentische Laienschauspielgruppe Die Fäustlinge Premiere. "Schlaflos in Berlin oder Der Gang vor die Hunde" nannten sie ihr Stück. Dabei erarbeiteten sich die 14 Studierenden ihren persönlichen Zugang zum Fabian-Thema. Ganz wichtig dabei ist die Auseinandersetzung mit dem politischen Engagement der 68er - durchaus aktuell vor dem Hintergrund der heutigen Studentenstreiks. Für viele der Studierenden ist es die dritte Aufführung mit den Fäustlingen. Im Herbst 2002 spielten sie ihr erstes Stück im Garderobenfoyer des Gorki-Theaters. Die Fäustlinge sind Kulturwissenschaftler, BWLerinnen, Afrikanisten. "Und", betont Theaterpädagogin Janka Panskus, "eine Professionalisierung ist nicht das Hauptanliegen der Gruppe". Der Initiator, Gorki-Intendant Volker Hesse, wollte damit vor allem junges Publikum fürs Theater begeistern - deshalb die Kooperation mit der Humboldt-Universität.Eine feste Mannschaft gibt es nicht. Nach jedem Stück mischt sich die Gruppe neu. "Das macht die Arbeit besonders spannend", sagt die Theaterpädagogin. Ein bisschen professioneller sind sie aber doch geworden. Das aktuelle Stück zeigen sie erstmals auf der Studio-Bühne des Gorki-Theaters. Die Person Fabian als Moralist und scharfen Beobachter des Lebens gibt es diesmal nicht. Dafür ein Kästner sches Motto gegen den gesellschaftlichen Verfall: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Die Fäustlinge spielen noch tägl. bis So., 18.1., jeweils 20 Uhr, im Gorki-Studio, Hinter dem Gießhaus, Mitte. Tel. 20 221 129. Eintritt: 6, ermäßigt 4 Euro.BLZ/BREXENDORFF Christin Eckelmann, Darstellerin