Was ist schlimmer: Als neunjähriges Mädchen verheiratet zu werden oder bei einer Großdemonstration von mehreren Männern vergewaltigt zu werden? Was ist wichtiger: Dass es weibliche Abgeordnete im Parlament gibt oder dass Frauen Auto fahren dürfen? Was schränkt die Freiheit mehr ein: Wenn Bürgerkrieg herrscht und eine Frau mit ihren Kindern auf der Flucht ist oder wenn sie kein Bankkonto eröffnen darf, ohne ihren Vater oder Ehemann um Erlaubnis zu fragen? In einer neuen Studie zum Thema Frauenrechte in der arabischen Welt hat die Thomson Reuters-Stiftung nun versucht, diese Fragen zu beantworten.

Entstanden ist eine erstaunliche Rangliste der Länder: Auf den Komoren geht es Frauen am besten und in Ägypten am schlechtesten. Die Studie beruht auf der Befragung von Experten, Frauenrechtlerinnen und Sozialarbeitern, die nach ihrer Bewertung der Lage der Frauen in ihren Ländern gefragt wurden. Es geht also weniger um das Nebeneinanderstellen von Fakten als vielmehr die Wahrnehmung von Chancen und auch um die Frage, ob Hoffnung auf Besserung besteht.

Iran auf den zweitletzten Platz

Die Komoren schnitten besonders gut ab, weil Frauen hier Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung haben und die Gerichte harte Strafe gegen Vergewaltiger verhängen. Ägypten kam auf den letzten Platz, weil hier Frauen immer häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen werden, sie im politischen Leben kaum vertreten sind und durch Gesetz benachteiligt werden. Den zweitletzten Platz belegt der Irak. Dort ist es vor allem die allgemeine Unsicherheit und dass Frauen zunehmend Opfer von Entführungen und Gewalttaten werden.

Tunesien, einst fortschrittlichstes Land der Region, liegt auf Platz sechs. Die Befragten beschreiben, dass die Revolution von 2011, auch arabischer Frühling genannt, und das Erstarken konservativer islamistischer Kräfte zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Frauen geführt habe. So gebe es zwar keine Religionswächter, die auf ordentliches Benehmen der Frauen achten, wie etwa in Saudi-Arabien, aber immer mehr Frauen fühlten sich auf der Straße unsicher und verhüllten sich deshalb. In den konservativen Golfstaaten ist schwarzer Mantel und Kopftuch die normale Kleidung der Frauen. Katar, Oman und Kuwait liegen dennoch vor Tunesien, weil es dort einen größeren Studentinnen-Anteil gibt.

Natürlich ist die ganze Rangliste umstritten und seit der Veröffentlichung am Montag tobt in den arabischen Medien eine heftige Diskussion. Damit hat die Studie ihr Ziel erreicht: Frauenrechte ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.