Die steigenden Strompreise machen nicht nur den privaten Haushalten immer mehr zu schaffen. Auch die Industrieunternehmen leiden darunter. Laut IW müssten die Industriebetriebe mit Zusatzkosten von 3,9 Milliarden Euro rechnen - wenn der Strompreis um zwei Cent je Kilowattstunde steigen würde. Das wäre eine Erhöhung von etwa zwanzig Prozent.

Zuletzt zahlten Großabnehmer circa 10,4 Cent pro Kilowattstunde, so das Institut der deutschen Wirtschaft. Energieintensive Betriebe mussten etwa sechs Cent aufbringen. Ob die Preise wie in der Studie angenommen um zwei Cent steigen, ist noch nicht absehbar. Die Unternehmen bemängeln vor allem diese fehlende Planungssicherheit über die zukünftige Entwicklung des Strompreises. Außerdem herrschen in Deutschland Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Konkurrenten. Gemessen am Durchschnitt der 27-EU Staaten ist der Industriestrom im deutschen Bundesgebiet circa fünfzehn Prozent teurer. Im Vergleich zu Frankreich oder den Niederlanden beträgt der Kostennachteil sogar 40 Prozent.

Steigt der Preis weiter an, wären energieintensive Branchen wie die Chemische Industrie und die Metallbranche besonders betroffen. Demnach müssten diese Branchen mit zusätzlichen Kosten von rund 740 Millionen Euro pro Jahr rechnen. Angetrieben wird der Strompreis derzeit vor allem durch Steuern und Abgaben für erneuerbare Energien. Die Erhöhung der Stromtarife ist ein erstes Alarmzeichen für viele Unternehmen, sich zu überlegen, dem Industriestandort den Rücken zu kehren.

Eine Abwanderungswelle dieser Firmen träfe die gesamte Volkswirtschaft - insbesondere in puncto Wettbewerbsfähigkeit, Forschung und Entwicklung. Mehr als 80 Prozent der Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes haben energieintensive Lieferanten, fast 40 Prozent arbeiten eng mit diesen zusammen. Dass das Vertrauen in den Standort Deutschland bereits schwindet, zeigen die schwachen Nettoinvestitionen der energieintensiven Unternehmen.

Die Bundeshauptstadt reagierte auf den Strompreisanstieg: Die Initiative "Berliner Energietisch" startete ein Volksbegehren, das plant, das Berliner Stromnetz dem Energieunternehmen Vattenfall abzunehmen. Das Stromnetz der Stromanbieter in Berlin soll rekommunalisiert werden. Bis zum 10. Juni 2013 müssen knapp 200.000 stimmberechtigte Berliner das Begehren unterschreiben, damit die geplanten Wünsche durchgeführt werden können.

Die Berliner gehen mit gutem Beispiel voran. Die IW-Forscher sprechen sich außerdem für mehr Wettbewerb und weniger Subventionen auf dem Strommarkt aus. Nur so könnten die Kosten der Energiewende möglichst niedrig gehalten werden. Und Deutschland könnte als Industriestandort für viele Unternehmen weiterhin attraktiv bleiben.