BERLIN. Seit Oktober 2008 hat die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bützow im Landkreis Güstrow drei neue Insassen. Sie heißen Ben, Wotan und Pacco. Doch die drei haben gar nichts verbrochen. Die Hunde helfen den Strafgefangenen wieder auf den Weg in ein Leben nach dem Gefängnis. Morgen wird das Projekt Underdogs in der JVA Bützow vorgestellt. Drei Welpen wurden den Insassen der Anstalt anvertraut. Die Gefangenen kümmern sich seitdem um die jungen Labradoodle. Sie sollen helfen, die Gefangenen zu sozialisieren und eine Empathie aufzubauen, die straffällig Gewordenen häufig fehlt. Vorangegangen war dem Projekt der gleichnamige Film, der auch in der Bützower Anstalt gedreht wurde. Die Kynos-Stiftung "Hunde helfen Menschen" übergab der JVA die drei Hunde und bildet sie nach einem Jahr in der Anstalt zu Assistenzhunden für Menschen mit Handycap aus.Tiere als Helfer in sozialen Einrichtungen ist eine Idee die in anderen Ländern erfolgreich angewandt wird. Der Kriminologe und Präsident des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung für Verbrechensverhütung und Straffälligenhilfe (DVS) Hans-Dieter Schwind hat sich mit den Einsatz von Tieren im Strafvollzug beschäftigt und dazu eine Studie vorgelegt, in der er mehrere Anstalten untersucht und ihre Auswirkung auf die Gefangenen beobachtet hat. Schwind hat sich den Alltag im Vollzug angeschaut, sich in die Zellen gesetzt und auch mit lebenslänglich Verurteilten gesprochen, die zusammen mit den Tieren leben. "Straftätern fehlen oft Eigenschaften, die sie in der Jugend hätten erlernen sollen, wie zum Beispiel Durchhaltevermögen oder die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen", so Schwind. Hunde lösen bei ihnen Zuneigung aus, daraus erwachsen wichtige Beziehungen. Auf die sind sie in einem sozialen Leben nach dem Gefängnis angewiesen "Auch das Anstaltsklima verändert sich sofort positiv, sobald Tiere im Gebäude leben. Die Aggressionen werden spürbar weniger." In der sogenannten tiergestützten Pädagogik werden jugendliche Straftäter therapiert. Die Jugendlichen weisen häufig Verhaltensstörungen- oder Auffälligkeiten auf. Ihnen wird neben biologischen Kenntnissen auch vermittelt, dass Lebewesen einer Pflege bedürfen. Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsgefühl werden durch die Arbeit mit Tieren aufgebaut.Großes Gelände notwendigWichtige Voraussetzung für den Einsatz von Tieren im Vollzug ist die Größe des Geländes. In der JVA Vechta beispielsweise ist ein 6 000 Quadratmeter großes Gehege angelegt, auf dem Enten und Hühner leben, die von den Insassen gepflegt und gefüttert werden. Ein solcher Kontakt könne die Resozialisierungschancen nach dem Vollzug steigern. "Genau messen kann man das natürlich nicht. Aber schon der Zugang der Beamten zu den Gefangenen wird dadurch erleichtert", sagt Schwind.In den USA läuft beispielsweise ein Projekt, bei dem Häftlinge verletzte Tiere pflegen und in die Freiheit entlassen. "Die Häftlinge merken, dass sie etwas positives bewirkt haben, obwohl sie vorher durch ihre Straftat Schaden angerichtet haben", so Schwind. Daraus könne man plausibel nachvollziehen, wieso die Arbeit mit Tieren in einer Strafvollzugsanstalt für eine erfolgreiche Resozialisierung nützlich ist.------------------------------Foto: Das Tier als Freund des Menschen: Kaninchen in Berliner Gefängnis.