Schauspieler ohne Fernseher wirken auf den ersten Blick wie Metzger, die das Zeug, das sie Tag für Tag in Wurstdärme füllen, auf keinen Fall essen. Weil sie ja wissen, was da drin ist... Susanne Bormann, die man zuletzt im ARD-Märchenfilm "Die Gänsemagd" und im Kinofilm "Der Baader Meinhof Komplex" sah, versteht diesen Einwand und beginnt umgehend, gegen den Vergleich mit dem Metzger anzureden. Es sei ja nicht so, dass sie prinzipiell keinen Fernseher habe. Sie habe bloß momentan keinen. "Ich gehe viel ins Kino. Und ich spiele Krimis lieber als ich sie sehe." Demnächst wird sie für einen Leipziger "Tatort" eine Straßenbahnfahrerin spielen. Und weil man bei Krimis schnell zu viel verrät, soll über diese Rolle hier nicht mehr stehen.Wahl-Berlinerin Susanne Bormann ist in Kleinmachnow aufgewachsen, kennt aus dieser Zeit den Nachbarsjungen Tobias Schenke, der auch Schauspieler wurde. Im Alter von acht Jahren stand sie im Defa-Film "Treffen in Travers" zum ersten Mal vor der Kamera. "Ich war total begeistert von den Kleidern, Frisuren und Kulissen. Das war wie Prinzessin spielen. Ich war total verknallt in meine Film-Mama Corinna Harfouch." Und entsprechend erschüttert, dass die Film-Familie nach den Dreharbeiten auseinanderfiel. Zwei Jahre später gab es bei den Aufnahmen für "Zwischen Pankow und Zehlendorf" ein Wiedersehen mit Corinna Harfouch.Lange wusste Susanne Bormann nicht, dass die Schauspielerei mal ihr Beruf würde: "Diese Arbeit hat mich fasziniert und begeistert. Trotzdem habe ich überlegt, Physiotherapeutin oder Körpertherapeutin zu werden und auf diesem Gebiet auch ein Praktikum gemacht." Manchmal hilft so ein Ausflug ins Berufsleben ja wirklich, um sich endgültig von Plan B zu verabschieden: "Ich habe gemerkt, dass ich damit vor mir selbst davonlaufe." Dazu kam der ziemlich beharrliche Regisseur Andreas Dresen, der mit Susanne Bormann seine Filme "Raus aus der Haut" und "Nachtgestalten" drehte. Er riet ihr immer wieder, zur Schauspielschule zu gehen. Sie bewarb sich schließlich an vier Schulen, bekam von dreien Zusagen und entschied sich für die Rostocker Hochschule für Musik und Theater.Bereut hat sie das nie. Während des Studiums konnte Susanne Bormann, die ihren Beziehungsstatus als "in festen Händen" umschreibt und mit dem Schlagzeuger Nicolai Ziel zusammenlebt, viel gelobte Filme wie "Liegen lernen" drehen. Danach fühlte sie sich viel besser für ihren Beruf gerüstet: "Ich habe nach dem Studium Rollen gespielt, die ich ohne diese Ausbildung nicht bewältigt hätte." Das gibt Selbstbewusstsein. Und lässt einen Sätze wie diesen sagen: "Wenn mir ein Regisseur gar nicht helfen kann, dann helfe ich mir selber."Der nächste Film mit der 30-Jährigen läuft am 31. Mai im ZDF und heißt "Auftrag in Afrika". Sie spielt die Tochter des deutschen Botschafters in Sambia, in dessen Rolle Walter Sittler ("Nicola") zu sehen ist. "Ich bin da die widerspenstige Tochter, die gerade ihr zweites Studium abgebrochen hat. Nun muss es unbedingt Medizin sein. Auf Besuch in Afrika bringt ihr Vater sie dazu, erst mal ein Praktikum in einer dortigen Klinik zu machen." Es geht um Machenschaften internationaler Pharmakonzerne und Susanne Bormann nennt diese Arbeit deshalb "engagierte Fernsehunterhaltung", die sich mit wichtigen Themen beschäftige.Gedreht wurde in Kapstadt in Südafrika: "Wir haben das WM-Stadion im Rohbau gesehen und gezweifelt, dass es pünktlich fertig wird." Ein Irrtum. Wie auch so manches Vorurteil über das Leben am Kap. "Mit einigen Südafrikanern aus unserem Team sind wir in die Townships gefahren, wo sie wohnen. Das war nicht das Chaos und Elend, das wir erwartet hatten. Die Hälfte der Bauten waren Steinhäuser." Viel zu tun bleibt in Afrika trotzdem. Deshalb unterstützt sie das Projekt "Mali in Color" von Fotografin Mirjam Knickriem, die mit dem Erlös einer Ausstellung Anfang Juni in der Galerie Morgen mobile Nomadenschulen finanzieren will.------------------------------Foto: Walter Sittler spielt den Film-Vater von Bormann.Foto: Stand mit acht Jahren zum ersten Mal für einen Defa-Film vor der Kamera: die Schauspielerin Susanne Bormann.

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