BERLIN, 6. Februar. Der Pokal-Finalist kann mit einem Sonderzug der Berliner Verkehrsbetriebe anreisen. Von Köpenick zum Olympiastadion, ein paar Stationen nur - weiter ist es nicht für den 1. FC Union, den Regionalligisten aus Berlin, der am 26. Mai zu einer Triumphfahrt mit der S-Bahn zum Spartarif ansetzen kann. Wird das eine Vergnügungsreise, eine, auf der ganz bestimmt Ronny Nikol als Ehrengast an Bord sein wird. 23:06 Uhr war es am Dienstag, als Nikol mit einem souveränen Schuss das Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach endgültig für Union entschied. Der eigentliche Held dieses dramatischen Nervenspiels aber war ein anderer: Torwart Sven Beuckert. Dieser hatte zuvor die Versuche von Arie van Lent und Max Eberl abgewehrt. Bei Union aber trafen alle vier Schützen, so dass der fünfte erst gar nicht antreten musste.Damit steht zum dritten Mal in der Historie des DFB-Pokals nach den Hertha-Amateuren und Energie Cottbus wieder eine Mannschaft aus dem sogenannten Amateurbereich im Endspiel. Natürlich ist auch Union mit Profis gespickt, und so werden sie nicht ganz aussichtslos gegen den VfB Stuttgart oder Schalke 04 antreten, die am heutigen Dienstag den zweiten Finalisten ermitteln.Union war in einer ausgeglichenen Partie ein glücklicher Sieger, denn Arie van Lent hatte kurz vor Ende der Verlängerung noch den Pfosten getroffen. Der Gladbacher war auch der Hauptdarsteller des Spiels: van Lent erzielte beide Treffer der Gäste, traf den Pfosten und setzte mit dem ersten vergebenen Elfmeter gleich ein negatives Signal für seine Mannschaft. Die erstaunlichste Reaktion beim Sieger zeigte Torwart Beuckert: "Wir müssen uns jetzt ganz auf die Meisterschaft konzentrieren - das Finale ist noch weit weg", sagte er. Union will aufsteigen - im Vorjahr war der Drittligist an Osnabrück gescheitert. Im Elfmeterschießen!Ohne SchwimmflossenViele, viele fleißige Hände hatten überhaupt erst dafür gesorgt, dass in der Alten Försterei ein Halbfinale stattfinden konnte. Am Tag vor dem großen Spiel waren die Union-Fans via Internet und Radio zur Räumung der schneeweißen Arena aufgefordert worden. Hans Meyer, der Trainer der Gladbacher, der die Aktion skeptisch beäugte, hatte da noch einen sehr praktischen Vorschlag: "Nehmen wir die Schlittschuhe mit."Schwimmflossen wären besser gewesen, denn über Nacht hatte sich das Gelände in eine Seenplatte verwandelt. Und die Hausherren fanden sich auf schlüpfriger Unterlage besser zurecht, sie legten los, als wollten sie sogleich für eindeutige Verhältnisse sorgen. Die 18 100 Besucher hatten den Torschrei schon auf den Lippen, doch Menze (4.) scheiterte an Torwart Kamps. Erst da schienen die Borussen zu bemerken, dass kurz zuvor angepfiffen worden war.Überrascht haben mag sie, dass Unions Trainer Wassilew zunächst auf den Brasilianer Teixeira verzichtet hatte, seinen neuen Mittelstürmer, den Schützenkönig der Regionalliga, der in der Winterpause bei Bayer Uerdingen ausgeliehen wurde. Wassilew vertraute den schnellen, leichten Profis, jenen, von denen er wußte, dass sie auf schwerem Geläuf geschickt kombinieren können. 26 Minuten dauerte es nur, da war die Wassilew-Taktik aufgegangen: Die Borussen reklamierten noch, weil sie (zu Unrecht) ein Foul an Arie van Lent erkannt haben wollten, während Union mit zwei Zügen den Ball im Tor ablegte. Einen zielgerichteten Befreiungsschlag nahm Djurkovic vor der Mittellinie auf - und frei war die Bahn. Djurkovic enteilte mit dem Ball am Fuss seinen Verfolgern, umkurvte Torwart Kamps und ließ sich feiern.Die Pause kam, nichts hatte sich getan. Unions Defensive stand solide. Bis zu jener 61. Minute, in der van Lent freie Bahn hatte. Wie hatten sie ihn bewacht, die Unioner, gezupft und gezerrt, doch urplötzlich war er frei - sein insgesamt fünfter Pokaltreffer wurde hoch droben im rechten Toreck platziert, Minuten später lag das sechste Cup-Tor von van Lent im Netz. Ein Glück für Union, dass Schiedsrichter Fleischer nicht im Bilde war, als der Berliner Kapitän Menze nach einem Freistoß zum Kopfball aufstieg - den Ausgleich zum 2:2 erzielte er aus einer Abseitsposition. Aber das ist Geschichte. Fleischer pfiff pünktlich zur Verlängerung. Und das Drama nahm seinen Lauf.Union - Gladbach 2:2 (2:2/1:0) n. V. , 4:2 i. E. // Berlin: Beuckert - Tschiedel - Persich, Ernemann (60. Okeke) - Kremenliew, Balcarek (69. Zechner), Menze, Koilow, Nikol - Djurkovic, Isa (70. Teixeira) Mönchengladbach: Kamps - Eberl, Pletsch, Korell, Osthoff - Demo, (109. Stassin), Nielsen (84. ter Avest), Hausweiler - Korzynietz (46. Aidoo), van Lent, van Houdt Schiedsrichter: Fleischer (Hallstadt) Tore: 1:0 Djurkovic (27. ), 1:1 van Lent (61. ), 1:2 van Lent (67. ), 2:2 Menze (80. )Elfmeterschießen: van Lent scheitert an Beuckert, 1:0 Teixeira, Eberl scheitert an Beuckert, 2:0 Zechner, 2:1 Hausweiler, 3:1 Djurkovic, 3:2 Aidoo, 4:2 Nikol Zuschauer: 18 100 Gelbe Karte: Kremenliew, Djurkovic, Isa, Tschiedel / Korell, Hausweiler, Eberl WENDE Ein Borusse, zwei Tore: Arie van Lent erzielte Gladbachs Ausgleich und später die zwischenzeitliche 2:1-Führung.ONLINE-SPORT Frühe Freude: BOZO Djurkovic, Schütze des 1:0.

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