Die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Al-Kusair durch die syrische Regierungsarmee und die verbündete Hisbollah-Miliz könnte ein Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg sein. Eine Wendepunkt zum Schlechten. Es deutet viel darauf hin, dass Assads Truppen den Krieg gewinnen. Womöglich erobern sie nun Stadt für Stadt zurück. Es ist absehbar, dass sie dabei weder mit den Rebellen noch mit der Zivilbevölkerung besonders freundlich umgehen werden. Sie dürften Rache nehmen für die Schmach, die ihnen angetan wurde.

Dennoch kann es ihnen nicht gelingen, den Aufstand ganz zu ersticken. Es wird weitere Kämpfe geben. Größere und kleinere. Die Opposition wird kleiner, aber gewalttätiger, und ihr Feind nicht nur in Damaskus im Präsidentenpalast sitzen. Sie dürften dann ebenso all jene ins Visier nehmen, die ihnen nicht zu Hilfe gekommen sind, als noch die Gelegenheit dazu bestand.

Absehbar ist zudem eine neue Welle des Terrors, auch gegen Europa und die USA. Dies ist ein negatives Szenario des erbitterten Konflikts für die nächsten Monaten. Natürlich gibt es auch ein positives Szenario. Vielleicht wirkt der Fall von Al-Kusair auch als ein Weckruf für den Westen. Vielleicht greift er jetzt endlich der syrischen Opposition unter die Arme: humanitär, politisch aber auch finanziell und sogar militärisch. Wir können es uns nicht leisten, Assad gewinnen zu lassen.