Während in Genf die Debatten über die syrischen Chemiewaffen geführt worden sind und die Suche nach einer Friedenslösung für das Land fortgesetzt wird, gehen die militärischen Auseinandersetzungen in Syrien unvermindert weiter. Im Fokus erbitterter Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Mitgliedern einer radikal-islamistischen Rebellengruppe stand in den vergangenen Tagen das Dorf Maalula, rund 50 Kilometer von Damaskus entfernt. Der Ort mit rund 3500 Einwohnern gehört zu den ältesten Stätten der Christenheit, zu dem in Friedenszeiten Tausende Christen und Touristen aus aller Welt kamen.

Das Dorf mit seinen an die Felsen geschmiegten Häusern, Klöstern und Kirchen gleicht inzwischen einer Ruinenlandschaft, die meisten Einwohner sind geflohen. Vor knapp zehn Tagen hatten Rebellengruppen das Dorf erobert. Zu ihnen gehörten Kämpfer der Freien Syrischen Armee, der radikal-islamischen Al-Nusra-Front und anderer Gruppen.

Umstritten ist, wer für die Zerstörungen verantwortlich ist: Das Syrische Medien-Zentrum der Opposition veröffentlichte Videos, die angeblich zeigen, dass Maalula von den Regierungstruppen unter heftigen Beschuss genommen wurde. Granatwerfer schienen besonders auf die Klöster der Stadt zu zielen. Dort hatten sich die Rebellen verschanzt – die Folgen für die Bauten offenbar einkalkulierend.

Ein Video der Opposition zeigt zwei Kommandanten der Al-Kadimun-Befreiungsfront beim Inspektionsgang in Maalula. Die Kommandeure betreten das weitgehend zerstörte und verwüstete Mar Sirkis Kloster. Die Rebellen geben der Regierungsarmee für alles die Schuld.

Nach Aussagen von christlichen Bewohnern Maalulas, die nach Damaskus geflohen sind, stellt sich die Sache allerdings anders dar. Dem französischen Sender France 24 und den Vatikan-Medien sagten sie, die Kämpfer der Al-Nusra-Front seien mit anti-christlichen Parolen in das Dorf eingefallen und hätten Christen mit vorgehaltenem Gewehr zum Übertritt zum Islam zwingen wollen. Kirchen sowie Häuser von Christen seien von ihnen zerstört worden.

Danach hatten sich junge Christen aus Damaskus nach Maalula auf den Weg gemacht, den Regierungssoldaten angeschlossen und die Radikal-Islamisten vertrieben.

Die Offensive und die Unterstützung der Regierungsarmee durch viele Freiwillige ging zeitlich einher mit den Gesprächen in Genf und der damit verbundenen Vertagung eines US-Militärschlags. Die Schlacht um Maalula hält jedoch noch immer an. Ein Korrespondent der britischen BBC, der an der Seite der Assad-Verbände in das Dorf eingerückt ist, berichtet, dass weiterhin heftig gekämpft wird. Vor allem machten Scharfschützen der Rebellen den Regierungstruppen zu schaffen.