Syrien-Krise: Iran: US-Angriff auf Syrien würde zur Zerstörung Israels führen

Der Iran hat vor einer Zerstörung Israels im Falle eines US-Militärschlags gegen Syrien gewarnt. „Ein Angriff auf Syrien würde die unmittelbare Zerstörung Israels bedeuten“, sagte der Chef der mächtigen Revolutionsgarden, Mohammed Ali Dschafari, in einem Interview der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Zugleich drohte er den USA mit verheerenden Folgen für sie selbst. Syrien würde zu einem „gefährlicheren und tödlicheren Schlachtfeld als der Vietnam-Krieg“ und „zum zweiten Vietnam für die Vereinigten Staaten“.

Die Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen Syrien laufen derzeit auf Hochtouren. Großbritannien verlegt sechs Kampfjets vom Typ Eurofighter Typhoon nach Zypern. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz britischer Interessen und Stützpunkte „in einer Zeit erhöhter Spannungen in der weiteren Region“, sagte ein Sprecher. Zypern liegt gerade einmal 200 Kilometer von der syrischen Küste entfernt.

Zuvor berichtete die Agentur Interfax, dass Russland zwei Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer schickt. Dabei handele es sich um einen U-Boot-Zerstörer und einen Waffenkreuzer, zitierte Interfax einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter der Streitkräfte am Donnerstag. Das russische Verteidigungsministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die USA haben bereits vier raketenbestücktes Kriegsschiffe im Mittelmeer stationiert. Großbritannien hält nach Angaben aus Verteidigungskreisen seit Monaten ein Kampf-U-Boot im Mittelmeer vor.

Der französische Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ wurde nach einer Überholung gerade wieder für einsatzfähig erklärt. Derzeit liegt das Schiff in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon, von dort könnte es binnen Tagen in der Region sein. Das stärkste Kriegsschiff in der Region, der US-Flugzeugträger „Harry S. Truman“, hatte das Mittelmeer Mitte August verlassen und war durch den Suezkanal ins Rote Meer gefahren. Auch von dort aus könnte Syrien allerdings noch in Reichweite sein.

Moderne syrische Luftabwehr

Die moderne syrische Flugabwehr und die Furcht vor Opfern unter den eigenen Flugzeugbesatzungen machen einen Angriff mit Marschflugkörpern laut Experten derzeit am wahrscheinlichsten. Die Geschosse könnten von US-Kriegsschiffen abgefeuert werden.

Solange sich die UN-Inspekteure noch in Syrien befinden, gilt eine Intervention aber als wenig wahrscheinlich. Die Chemiewaffenexperten suchen bei Damaskus weiter nach Spuren des vermuteten Giftgasangriffs mit Hunderten Toten vom Mittwoch vergangener Woche. Das Team braucht nach den Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vier Tage für die Untersuchung, zwei hat es hinter sich. Am Samstagmorgen sollen die UN-Inspekteure Syrien verlassen.

Die drei westlichen Vetomächte USA, Großbritannien und Frankreich haben im Weltsicherheitsrat deutlich gemacht, dass sie auch ohne UN-Mandat militärische gegen Assad vorgehen könnten. In dem seit mehr als zwei Jahren andauernden syrischen Bürgerkrieg mit über 100.000 Toten hatte US-Präsident Barack Obama einen Giftgaseinsatz zuvor als „rote Linie“ bezeichnet. Noch zögert der Westen allerdings mit einem Militärschlag gegen Syrien. Zuerst sollen die UN-Inspekteuren Beweise für die Schuld des Regimes an dem Giftgasangriff liefern. Die Entscheidung, ob und wie sein Land eingreifen werde, sei noch nicht gefallen, sagte Obama dem TV-Sender PBS. Klar sei jedoch, dass es „internationale Konsequenzen“ geben müsse.

Merkel: internationale Reaktion „unabdingbar“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält eine internationale Reaktion für „unabdingbar“. Sie sprach am Mittwochabend am Telefon mit dem britischen Premierminister David Cameron über die Lage in Syrien. Beide seien sich einig gewesen: „Dieser Giftgasangriff ist eine Zäsur in dem schon lange andauernden internen Konflikt“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Merkel hat immer wieder betont, dass sie auf eine politische Lösung hofft. (Reuters/dpa)