Ja, es ist wahr, Brüder. Wir haben diese Schlacht verloren“, so stand es am Mittwochmorgen auf der Facebookseite der Generalkommission für die Syrische Revolution zu lesen. Nach mehr als zwei Wochen erbitterten Kampfes zogen sich in den frühen Morgenstunden die Kämpfer der syrischen Opposition aus der Stadt Al-Kusair nahe der Grenze zum Libanon zurück.

Für die syrische Regierungsarmee und die libanesische Hisbollah-Miliz, die an ihrer Seite kämpfte, war dies ein großer Sieg. Manar-TV, der Sender der Hisbollah, sendete live aus der eroberten Stadt. Von den meisten Gebäuden stehen nur noch Stahlbetongerippe. Vorsichtig bewegten sich die Soldaten und Milizionäre mit Planierraupen durch die Straßen. Es ist damit zu rechnen, dass Rebellen Gebäude und Straßen vermint haben.

Strategische Schlüsselposition

Souverän erklärte ein Offizier der syrischen Regierungstruppen die Stadt bereits jetzt für sicher: „Wir haben eine große Anzahl Terroristen getötet und verletzt. Einige sind entkommen“, sagte auf Manar-TV. Immer wieder zeigten der Sender und auch das syrische Staatsfernsehen das, was aus ihrer Sicht das Bild des Tages war: Ein junger Soldat in Kampfhose und T-Shirt kletterte auf das Dach der Stadtverwaltung und pflanzt die syrische Fahne. Die Farben des Regimes wehten wieder über Al-Kusair. Die iranische Regierung gratulierte der syrischen Regierung zu ihrem Sieg und in den Hisbollah-Vororten von Beirut wurde mit Autokorsos und Feuerwerken gefeiert. Die Eroberung von Al-Kusair ist nicht nur ein militärischer Erfolg, es ist vor allem auch ein großer Schub für die Motivation der Truppen, die Assad unterstützen.

Für die syrische Opposition hingegen markiert der Verlust von Al- Kusair eine große Niederlage. Die Stadt an der Grenze zum Libanon gelegen ist strategisch wichtig, weil an dieser Stelle Waffen und Kämpfer ins Land gelangen und Flüchtlinge sich über die Grenze in Sicherheit bringen. In der Umgebung von Al- Kusair gibt es noch einige Ortschaften, die von der Opposition kontrolliert werden. Dorthin brachten die Oppositionskämpfer sich in Sicherheit. Gegen Mittag wurden allerdings auch von dort Kämpfe gemeldet. Offenbar verfolgten die Regierungstruppen die Fliehenden.

Klage über das passive Ausland

Vielen der geschätzt 30.000 Bewohner von Al-Kusair gelang die Flucht, aber wohl längst nicht allen. „Wir machen uns große Sorgen, was mit ihnen passieren wird. Die syrische Armee hat schon mehrfach Massaker angerichtet“, so der Aktivist Abu Ramy aus Homs.

Auch er sprach von einer schweren Niederlage für die Opposition, versicherte jedoch: „Es ist aber keinesfalls das Ende der Revolution.“ Er erhob schwere Vorwürfe gegen die Weltgemeinschaft: „Die Hisbollah hat als ausländische Macht ganz offen in den Krieg eingegriffen und die Außenwelt ist uns nicht zu Hilfe gekommen, sie hat noch nicht einmal reagiert“, sagte er. Der Fall von Al-Kusair könnte ein Wendepunkt in der syrischen Revolutionsgeschichte sein.