Tafel erinnert an Hinterhof-Theater in der Friedrichstraße: Mit "Frau Luna" wurde das Apollo berühmt

KREUZBERG Ein Stück alter Kreuzberger Kulturgeschichte lebt morgen in der Friedrichstraße wieder auf: Eine Gedenktafel am Haus mit der Nummer 218 erinnert dann an das Apollo-Theater, das sich dort Anfang des Jahrhunderts befand.Eigentlich war es der Komponist Paul Lincke, der dem Theater zu Ruhm verhalf: Hier nämlich, im Hinterhof eines Wohnhauses, wurde Linckes Operette "Frau Luna" uraufgeführt. Lincke, der im Apollo als Kapellmeister arbeitete, dirigierte das Orchester, das die inzwischen berühmt gewordenen Schlager "Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe" und "Das macht die Berliner Luft" spielte. So verwundert es nicht, daß es die Paul-Lincke-Gesellschaft ist, die das Wirken des Komponisten mit der Gedenktafel würdigt. Ganz genau läßt sich die Geschichte des für diese Gegend typischen Theaters allerdings nicht rekapitulieren. Fest steht nur: Gebaut wurde das Theater 1890 ursprünglich als "Concordia-Theater" von einer privaten Theatergesellschaft. Erst später wurde das 1 000 Plätze umfassende Theater in "Apollo" umbenannt und verpachtet. In den 20er Jahren wurde es auch als Kino genutzt: 1926 hatte dort der Film "Panzerkreuzer Potemkin" seine Deutschland-Premiere. Hans-Werner Klünner kann sich noch an das Hinterhof-Theater erinnern. "Anfang der 40er stand es noch", so der gebürtige Kreuzberger, der damals als Auszubildender oft in der Friedrichstraße unterwegs war. "Zu dieser Zeit wurden dort aber schon keine Stücke mehr aufgeführt." Mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre nämlich hörte das Theater auf zu existieren, der Spielbetrieb wurde eingestellt. Das Gebäude verfiel. Heute befindet sich an Stelle des Theaters ein Wohnhaus. Das Apollo und die angrenzenden Häuser sind längst verschwunden: Sie waren einem der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. +++