Ihr Fall ging um die Welt. Taliban-Kämpfer hatten die Pakistanerin Malala Yousafzai, die sich in ihrer Heimat für die Schulbildung von Mädchen eingesetzt hatte, bei einem Anschlag schwer verletzt. Die am 12. Juli 1997 geborene Malala lebte im streng islamisch geprägten Swat-Tal. Vielen Mädchen war es dort verwehrt, eine Schule zu besuchen, nachdem die radikal-islamistischen Taliban das Tal 2007 unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Malala aber wagte das Undenkbare, sie protestierte in Interviews gegen diese Diskriminierung, schrieb einen Internet-Blog für die britische BBC und organisierte Proteste gegen die Schließung einer Mädchenschule. Im archaischen Weltbild der Taliban gibt es dafür nur eine Strafe – den Tod.

Weltweit ein Symbol für den Mut gegen Unterdrückung

Am 9. Oktober 2012 überfielen sie einen Schulbus und schossen Malala in Kopf und Hals, als „Warnung“ an alle Mädchen. Zwar hatten seit 2009 Regierungstruppen wieder die Kontrolle über das Swat-Tal erlangt, eine Schulbildung für Mädchen ist dort aber nach wie vor alles andere als selbstverständlich, zumal die Taliban viele Schulen zerstört haben.

Die damals 14-Jährige wurde bei dem Anschlag lebensgefährlich verletzt. Nach einer Notoperation in Pakistan bezweifelten die Ärzte, ob sie jemals wieder würde laufen und sprechen können. Malala wurde nach England ausgeflogen und in einer Spezialklinik behandelt. Die Ärzte in Birmingham setzten ihr im Februar eine Titanplatte im Schädel und ein Implantat zur Wiederherstellung ihres linken Ohres ein. Am Ende fand Malala schwer gezeichnet, aber ohne bleibende Nervenschäden in einem langen Heilungsprozess ins Leben zurück. Nach wie vor lebt sie mit ihrer Familie in England und geht dort auch seit März zur Schule. Ihr Vater arbeitet nun als Kulturattaché in der pakistanischen Botschaft in London.

Malala wurde weltweit zum Symbol für den Mut gegen Unterdrückung. Sicher nicht beabsichtigt, hatten die Taliban sie zur Heldin gemacht, die weltweit verehrt wird. Tausende Menschen aus allen Kontinenten schrieben ihr Briefe, sogar für den Friedensnobelpreis wurde sie vorgeschlagen. Nach ihrer Genesung gründete sie die Stiftung „Malala Fund“ zur Unterstützung von Mädchen. Die Vereinten Nationen schufen das Bildungsprogramm „Ich bin Malala“ und erklärten den 12. Juli, ihren Geburtstag, zum weltweiten „Malala-Tag“.

Flammendes Plädoyer für das Recht auf Bildung

Am Freitag also wurde Malala 16 Jahre alt, und dieser Tag sollte ihr zu noch mehr Berühmtheit verhelfen. Eine Viertelstunde durfte sie in New York vor der Uno-Vollversammlung und 500 geladenen jungen Leuten sprechen. Organisiert hatte diesen Auftritt der frühere britische Premierminister Gordon Brown, der heutige Uno-Sondergesandte für Bildung. Malala hielt dort, wie sollte es anders sein, ein flammendes Plädoyer für das Recht auf Bildung. „Lasst uns unsere Bücher und Stifte hochheben“, sagte sie, „sie sind unsere einflussreichsten Waffen.“ Gerade davor hätten die Taliban am meisten Angst. In ihrem Leben, beteuerte sie, habe der brutale Angriff nichts verändert, sie sei mutiger und stärker als früher. Anschließend traf sie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, um ihm eine Petition mit mehr als drei Millionen Unterschriften zu überreichen, in der Bildung für alle gefordert wird.

Zuhause in Pakistan aber verbessert sich die Lage für Mädchen kaum. Die Hälfte aller Kinder im Land besucht Erhebungen der Uno zufolge gar keine Schule, Tendenz weiter fallend, bei Mädchen unter neun Jahren sind es sogar 75 Prozent. Immerhin hat die neue Provinz-Regierung im Swat-Tal den Bildungsetat um fast 30 Prozent erhöht, und im vorigen Jahr konnten 6.000 Mädchen mehr als im Jahr zuvor Lesen und Schreiben lernen.