In der klugen Ausstellung, die die Pariser Cinemathek derzeit dem französischen Komiker Jacques Tati widmet, ist auch - fünf Meter groß - seine Pfeife ausgestellt. Das gewaltige Teil, ein Werk der Kuratorin und Tati-Nichte Macha Makeïeff, besagt, dass die Pfeife zu Jacques Tati gehört, wie Melone und Spazierstock zu Charlie Chaplin gehören. Wie die Zigarette zu Humphrey Bogart, die Zigarre zu Churchill und die Pfeife zu Simenon oder Magritte.Wenn Tati als Monsieur Hulot leicht vornübergebeugt durch unsere komplizierte Welt geht, dann scheint daran das Gewicht eben dieser Pfeife schuld zu sein. Mit der Pfeife im Mund war er fahrradfahrend auch auf den Plakaten zu sehen, mit denen in der Pariser Metro für diese Ausstellung geworben wird. Jetzt musste sie auf 2 000 Plakaten durch ein gelbes Windrädchen ersetzt werden. Denn die bei den Pariser Verkehrsbetrieben für die Anschlagtafeln zuständigen Juristen sahen darin eine Tabakwerbung, wie sie die "Loi Evin" in Frankreich seit 1991 verbietet."Dabei ist die Pfeife in keinem seiner Filme überhaupt angezündet", bemerkt Macha Makeïeff. Vergeblich schlug sie vor, das Plakat in Magritte-Manier mit dem Hinweis "Das ist keine Pfeife" zu erklären. Obwohl selbst die Gesundheitsministerin das Verbot lächerlich findet, wollen die Juristen mit dem Recht nicht passen. Leider machen sie damit in sehr unproduktiver Weise nicht nur sich, sondern ein vorbildliches Gesetz lächerlich.Mit derselben Begründung wurde gleichzeitig das Plakat zu "Coco avant Chanel" abgelehnt, weil Audrey Tautou darauf mit einer Zigarette in der Hand zu sehen ist. Andere Plakatierer, etwa das für die Pariser Litfass-Säulen zuständige Unternehmen Decaux, akzeptierten die Plakate dagegen mit Gelassenheit.Schon früher gab es Ärger mit den Bildern unbesonnener Raucher: Nach der Vorlage eines Fotos von Gisèle Freund hatte die französische Post vor einigen Jahren das Porträt von André Malraux auf ihre Briefmarken gedruckt und dabei die Zigarette wegretuschiert. 2005 veröffentlichte die Pariser Nationalbibliothek zu ihrer Sartre-Ausstellung ein Plakat, auf dem der Zigarettenstummel Marke "Boyard" zwischen den Fingern des Kettenrauchers verschwunden war. Ein Foto, auf dem Sartre nicht rauchte, war überhaupt nicht aufzutreiben.Derzeit ist das Plakat wieder in der Ausstellung "Controverses" in der Nationalbibliothek zu sehen, die eine Geschichte umstrittener oder gefälschter Fotos nachzeichnet. Darunter sind ebenfalls Fälle für Juristen: Denn beim Retuschieren wird in jedem Falle das Urheberrecht beschädigt.