Kanalmauern sacken ab und sind unterspült, Böschungen drohen abzustürzen - Spezialtaucher werden deshalb den Landwehrkanal auf seiner kompletten Länge von 11,6 Kilometern jetzt nach weiteren Schäden absuchen. Darauf haben sich das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) und die Bundesanstalt für Wasserbau verständigt. Der Grund: Mitte April waren 20 Meter Ufer nahe der Kottbusser Brücke abgesackt, die Stelle wurde inzwischen gesichert. Bei ersten Untersuchungen wurden an 17 weiteren Abschnitten Schäden an den Kanalwänden gefunden. Insgesamt zwei Kilometer Ufer mussten deshalb gesperrt werden. "Unsere Untersuchungen werden bis August dauern. Wir hoffen, dass der Landwehrkanal weiter für die Fahrgastschifffahrt geöffnet bleiben kann", sagt Mareike Bodsch vom WSA.Festgestellt wurde auch, dass der Landwehrkanal viel tiefer als normal ist. Statt 1,90 Meter seien Tiefen von bis zu 3,10 Meter gemessen worden, sagt Mareike Bodsch. Ursache sind vor allem die Touristenschiffe, bis zu 50 verkehren täglich auf dem Landwehrkanal. Bei Anlegemanövern wirbeln die leistungsstarken Schiffsschrauben den Kanalboden auf. Das führt dazu, dass die 120 Jahre alten Kanalwände unterspült werden und oft nicht mehr standsicher sind. Betroffen sind unter anderem Maybachufer, Waterlooufer, der Anleger Corneliusbrücke sowie das Einsteinufer in Charlottenburg. Um den Landwehrkanal zu entlasten, darf er seit Mitte Mai nur noch in Ost-West-Richtung befahren werden, Brückentouren über Landwehrkanal und Spree sind lediglich im Uhrzeigersinn möglich. Zudem wurden mehrere Anlegestellen geschlossen. Die Taucher sollen nun ermitteln, wie gravierend die Schäden tatsächlich sind. "Wir gehen davon aus, dass wir etwa 90 Prozent der Uferwände erneuern müssen", sagt Mareike Bodsch. Das solle möglichst außerhalb der Tourismus-Saison oder nachts erfolgen.Sollte der Landwehrkanal gesperrt werden, "wäre das eine Katastrophe", sagt Lutz Freise, Geschäftsführer der Reederei Riedel. Sie betreibt 13 Fahrgastschiffe, viele haben ihren Liegeplatz im Kanal. "Die Brückenfahrten sind beliebt, sie bieten seltene Blicke auf niedrige Brücken und Industrielandschaften." Freise lässt zurzeit den gesperrten Anleger Corneliusbrücke sichern, damit dieser in Kürze wieder in Betrieb genommen werden kann.Schäden an Uferwänden wie am Landwehrkanal hat das WSA schon im Jahr 2006 an der Spree festgestellt. Fünf Kilometer in der Innenstadt müssen saniert oder erneuert werden. Laut Albrecht Biewald vom WSA werden auch 40 Kilometer des Teltowkanals untersucht. Die Böschungen dort sind acht bis zehn Meter hoch und wurden steiler als normal gebaut.------------------------------Sanierungsfälle in der InnenstadtBaufällig: Fünf Kilometer Uferwände, meist über 100 Jahre alt, müssen in der Innenstadt erneuert werden.Charlottenburger Schleuse (1): 220 Meter Ufer werden in diesem Jahr neu gebaut.Charlottenburger Verbindungskanal (2): 200 Meter auf der östlichen und 80 Meter auf der westlichen Kanalseite müssen erneuert werden. Termin: 2008.Humboldthafen (3): An der Zufahrt zum Hafen werden 2007/08 beidseitig 50 Meter Uferwand neu errichtet.Schiffbauerdamm (4): Ab Herbst 2007 wird die Spreemauer (300 Meter nahe Weidendammer Brücke) neu gebaut. 150 Meter Ufermauer am Reichstagufer wurden schon saniert.Rathausbrücke (5): 200 Meter Ufereinfassung unter der Wasseroberfläche werden 2008 erneuert.Landwehrkanal (6-10): Mehrere Kilometer Uferbefestigung müssen neu gebaut werden, weil die Uferwände unterspült sind. Betroffen und teilweise gesperrt sind bislang Maybachufer (6, Anlegestelle Kottbusser Brücke), Waterlooufer (7), der Bereich Schöneberger Brücke (8), die Anlegestelle Corneliusbrücke (9) sowie das Einsteinufer (10).------------------------------Grafik: 1 000 Kilometer Ufer an Flüssen und Kanälen gibt es in Berlin.------------------------------Foto: Unterspült und abgesackt: Die Ufermauer an der Anlegestelle Maybachufer wurde inzwischen provisorisch gesichert. Sie bleibt aber gesperrt.