Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hält sich seit Sonntag in Rom auf. Das bestätigte ein Bistumssprecher. Er machte keine Angaben zu Dauer und Hintergrund der Reise. Wie der Hessische Rundfunk berichtete, hatte ein Flugpassagier den Bischof am Sonntag in einer Maschine der Billig-Airline Ryanair auf dem Flug nach Rom erkannt. Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, ist am Sonntag zu einem bereits länger vereinbarten Besuch von Papst Franziskus nach Rom gereist. „Die Gespräche beginnen erst morgen. Aber so viel steht fest: Wir haben ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Und die Kirche in Deutschland trägt den Schaden“, sagte Zollitsch dem Internetportal bild.de zufolge.

Zollitsch war zuletzt auf Distanz zum Limburger Bischof gegangen. Der 53-Jährige steht seit Wochen wegen seines Führungsstils, der Kostenexplosion beim Bau des rund 31 Millionen Euro teuren Diözesanen-Zentrums – statt ursprünglich 5,5 Millionen – und einer Flugaffäre in der Kritik. Inzwischen wird spekuliert, die Baukosten könnten sogar auf 40 Millionen Euro steigen.

Wie das Magazin Der Spiegel berichtet, war der Bischof seit Jahren über die Kostenentwicklung informiert. Laut einem Vertrag von 2009 habe die Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die kaufmännische Abwicklung des Projekts übernommen. Diese habe alljährlich eine Kostenaufstellung an die Vertreter des Bischöflichen Stuhls – den Bischof und seinen Generalvikar Franz Kaspar – geschickt.

Aus anderen internen Dokumenten gehe hervor, dass es noch vor Baubeginn, eine Kostenschätzung in Höhe von 17 Millionen Euro gegeben habe. 2011 sei der Bischof über eine genauere Kalkulation in Höhe von 27 Millionen Euro informiert gewesen. Im Juni 2013 wurde der Öffentlichkeit noch ein Betrag von 9,85 Millionen Euro genannt.

Laut Welt am Sonntag rechnet die Limburger Stadtverwaltung zusätzlich zu den bisher veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe. Damit müssen Schäden in der direkten Umgebung der Residenz beglichen werden, die durch die Baumaßnahmen entstanden.

Viele Amtsbrüder sind inzwischen von Tebartz-van Elst abgerückt. Dagegen nimmt der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, ihn weiter in Schutz. Bei den Vorwürfen gegen diesen handele es sich um eine „Erfindung von Journalisten“ und eine Medienkampagne, sagte Müller laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung jüngst während einer Messe in Rom. Wie das Bistum Limburg mitteilte, ist Tebartz-van Elst „betroffen über die Eskalation der aktuellen Diskussion“. (epd, dpa)