Nach der vorläufigen Entpflichtung des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst durch Papst Franziskus rechnen die Limburger Bistumsverantwortlichen nicht mit der Rückkehr ihres umstrittenen Oberhirten.

„Einen Neuanfang können wir uns nur mit einem neuen Bischof vorstellen“, sagte Domkapitular Johannes zu Eltz in Limburg. Die derzeitige Vertrauenskrise sei schwer zu beheben und lasse sich nicht allein durch eine vorübergehende Auszeit des Bischofs lösen, so Domdekan Günther Geis. Wie mit Tebartz-van Elst neues Vertrauen wachsen solle, wisse er nicht. Zugleich sicherte das Domkapitel dem vom Papst als Bistumsverwalter eingesetzten neuen Generalvikar Wolfgang Rösch Unterstützung zu.

Dieser sollte nach dem Willen von Tebartz-van Elst am 1. Januar 2014 den bisherigen Verwaltungschef des Bistums, Franz Kaspar, ablösen. Nun tritt Rösch sein neues Amt mit sofortiger Wirkung an und stellt damit im Auftrag des Vatikans die Funktionsfähigkeit des Bistums sicher. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller erläuterte, de facto sei der Papst derzeit selbst Bischof von Limburg.

Papst will Ruhe in die Affäre bringen

Wie der Vatikan mitteilte, werde Tebartz-van Elst „eine Zeit außerhalb der Diözese gewährt“. Die Situation dort mache dem Bischof die Amtsausübung derzeit unmöglich. Das Interim soll mindestens so lange währen, bis eine von den deutschen Bischöfen eingesetzte Kommission ihre Prüfungsergebnisse zu Planung und Finanzierung der Limburger Bischofsresidenz vorlegt.

Dabei geht es dem Vatikan auch um die Verantwortung für den Kostenrahmen, der inzwischen auf mindestens 31 Millionen Euro beziffert wird. Diese Zahlen wurden vom Bistum über Jahre verschleiert. Die Verantwortung dafür soll der Bischof tragen. Überdies hat der 53 Jahre alte Geistliche einen Strafbefehl zu gewärtigen, den die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen uneidlicher Falschaussage beantragt hat. Dabei geht es um einen Erste-Klasse-Flug des Bischofs nach Indien.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, kündigte eine zügige und sorgfältige Arbeit der Kommission an. Die Entscheidung des Papstes eröffne nun einen Raum, zur inneren Ruhe zurückzufinden und eine neue Gesprächsbasis zu schaffen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, forderte, das vom Papst gewählte Verfahren müsse Schule machen. Limburg sei ein Testfall für faire, transparente Verfahren in der Kirche.

„Es gehört bislang nicht unbedingt zum guten katholischen Stil, in Konflikten alle Beteiligten anzuhören und die Sachverhalte vor einer Entscheidung umfassend zu klären“, sagte Glück der Berliner Zeitung. Offenheit sei eine Voraussetzung, um Verschwörungstheorien, Schuldzuweisungen und damit einer weiteren Klimavergiftung im Bistum Limburg die Grundlage zu entziehen. „Es muss nicht nur die Rolle des Bischofs, sondern auch der anderen Akteure benannt werden, etwa des bisherigen Generalvikars, der engsten Berater des Bischofs und der Kontrollinstanzen auf Bistumsebene“, so Glück. Selbst ein etwaiges Gremienversagen enthebe den Bischof indes nicht seiner Verantwortung als Leiter des Bistums.

Die Bischöfe Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Stephan Ackermann (Trier) zeigten sich skeptisch, dass Bischof Tebartz-van Elst wieder in sein Leitungsamt zurückkehren könne. Das nötige Vertrauen sei nachhaltig gestört. Dies hatten beide Oberhirten bereits vor der päpstlichen Entscheidung deutlich gemacht.