TeBe will das Poststadion umbauen / Der Bezirk ist davon wenig begeistert: Eine Fußball-Arena von Albert Speer

Auf den Zuschauerrängen stehen stattliche Bäume, die denkmalgeschützte, marode Haupttribüne ist seit Langem gesperrt. Die Sanierung des Poststadions an der Lehrter Straße kommt nur langsam voran. Nun aber könnte der große Wurf gelingen. Denn der Fußballverein Tennis Borussia (TeBe) will dort 16 bis 18 Millionen Euro investieren. In das große Stadion-Oval soll, ähnlich wie im Leipziger Zentralstadion, eine reine Fußballarena eingebaut werden. Bis zu 16 000 Zuschauer sollen dort Platz finden. Fertig sein könnte alles zur Saison 2009/2010."Wir wollen mit dem neuen Stadion sportlich weiterkommen", sagt Willy Kausch, Vorsitzender des TeBe-Aufsichtsrats. Kausch ist in Berlin auch als Organisator der großen Silvesterpartys am Brandenburger Tor bekannt. Tennis Borussia will von der Oberliga in die Regionalliga aufsteigen und peilt langfristig sogar die zweite Bundesliga an. Mit der derzeitigen Heimspielstätte, dem Mommsenstadion in Charlottenburg, könne man die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes nicht erfüllen, begründet Kausch den Wechsel nach Moabit. Außerdem wolle man raus aus Charlottenburg, wo die Nähe zu Hertha die Suche nach Sponsoren und Fans behindere. "In Moabit wohnen zehn Mal mehr fußballbegeisterte Jugendliche als in Charlottenburg."Der Entwurf für die neue Arena stammen von Albert Speer. Der 73-jährige Architekt ist der Sohn von Hitlers gleichnamigen "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt". Kausch: "Die seit Monaten bestehende Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv." Errichten soll die Arena der Essener Baukonzern Hochtief. Die Namen der Geldgeber will Kausch noch nicht nennen.Im Bezirk Mitte, dem das Poststadion gehört, ist man zurückhaltend. Bürgermeister Christian Hanke (SPD): "Wäre TeBe vor fünf Jahren mit dem Projekt gekommen, wären wir interessiert gewesen." Jetzt habe man andere Pläne mit dem Areal. Im Rahmen des Stadtumbaus West soll das gesamte Gebiet um die Lehrter Straße neu gestaltet werden. Das Poststadion will der Bezirk ebenfalls regionalligatauglich ausbauen, hat nach der Pleite des Oberligisten SV Yesilyurt aber keinen namhaften Nutzer. Der untere Zuschauerrang für etwa 10 000 Besucher soll wieder hergerichtet werden. Die Haupttribüne wird weiter saniert, 1 900 Einzelsitze werden dort eingebaut. Für das Hauptstadion hat man knapp 3,5 Millionen Euro eingeplant. Das Tribünengebäude wurde seit 2005 zu großen Teilen saniert. Dort gibt es neue Umkleideräume und Sanitäranlagen. Hanke: "Wir brauchen das Poststadion für den Vereins-, Schul- und Breitensport im Bezirk." Für TeBe sei es deshalb nicht geeignet. Auch die angrenzenden Sportanlagen will der Bezirk neu gestalten. Mit einem Grundstückseigentümer wurde vereinbart, dass dieser an der Seydlitzstraße Reihenhäuser bauen darf und dem Bezirk im Gegenzug Flächen für Sportanlagen verkauft. Auch eine private Kletterhalle soll entstehen. Bürgermeister Hanke: "Im benachbarten Entwicklungsgebiet Heidestraße ist noch viel Platz, sollte es wirklich Bedarf für ein neues Stadion geben."Kritik, wonach Vereine und Freizeitsportler vertrieben würden, kann Willy Kausch nicht nachvollziehen. "Wir stellen ein schönes Stadion hin und nehmen niemandem etwas weg", sagt er. Zudem soll der Jugendbereich von TeBe samt Trainingsbetrieb am Kühlen Weg in Charlottenburg bleiben. Dem Senat hat Tennis Borussia seine Pläne bereits vorgestellt und positive Signale erhalten. Im April soll das Projekt im Bezirksparlament Mitte diskutiert werden. Auf dessen Zustimmung ist der Verein angewiesen.------------------------------Wo Herberger spielte und Schmeling boxteDas Poststadion an der Lehrter Straße wurde 1926 bis 1928 auf dem Gelände des Exerzierplatzes Moabit für den Postsportverein gebaut. Nach einer Erweiterung hatte es 55 000 Plätze. Das Tribünengebäude steht heute unter Denkmalschutz.Mehrere Spiele zur deutschen Fußballmeisterschaft fanden statt. Auch Sepp Herberger spielte dort mit Tennis Borussia, Max Schmeling boxte dort. Zum Areal gehören fünf Fußballplätze, ein Kleinspielfeld, Leichtathletikanlagen, eine Sport- und eine Schwimmhalle sowie ein Sommerbad.In den 80er-Jahren sollte das Stadion für umgerechnet mehr als 40 Millionen Euro bundesligatauglich ausgebaut werden. Nach der gescheiterten Olympiabewerbung Berlins 1993 wurde diese Planung verworfen.Mehr als ein Dutzend Vereine und Freizeitmannschaften trainieren derzeit im Poststadion. Die bekanntesten sind der S.C. Minerva 1893, Union 06 und ASV Berlin. An Wochenenden spielen dort bis zu 100 Mannschaften.------------------------------Grafik: Stadionprojekt------------------------------Foto: Das moderne Fußballstadion soll ins alte Stadion-Oval eingebaut werden.